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Der treue Zionswächter · 1849-05-25 · 21 (25.5.1849) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
21 (25.5.1849)
Date
1849-05-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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dürfte es Ihre Pflicht sein, diesen Verlust nicht durch Beklagen und Beweinen nur anzuerkennen, sondern vielmehr nach Kräften schon jetzt, wo das Andenken an den entseelten Lehrer Ihrer Seele noch klar vorschwebr, theilweise zu mildern, auf daß nicht derselbe noch in der Lange der Zeiten sich größer gestalte. Damit Sie aber wissen, wie Sie ohne thatige Mithilfe Ihres bisherigen Leiters theilweise wenigstens das ersetzen können, was er Ihnen war, achteten Sie auf folgende Worte des Midrasch, die Ihnen einen belehrenden Wink für Ihr ferneres Verhalten geben, und die zugleich ein lindernder Balsam für Ihre tiefe und weit um sich greifende Wunde sind. Dieselbe lauten: „Fremde sind wir vor dir, (o Herr) gleich einem Schatten sind unsere Tage auf Erden, und ohne Hoffnung, so sprach einst der königliche Sänger am Schluffe seiner Laufbahn. Erklärend ist hierauf im Midrasch hinzugefügt: O, wären sie wie der Schatten einer Mauer, oder wenigstens wie der Schatten eines Baumes, leider sind sie nur, wie der Schatten eines fliegenden Vogels: denn so heißt es: seine Tage sind wie ein enteilender Schatten (Psalm 44L); und ohne Hoffnung, denn Niemand wagt sich der Hoffnung hinzugeben, daß er einst dem Tode ent, gehen werde. Zeder weiß, daß seine Tage gezählt sind- Dieses die Worte des Midrasch (i"t -,"2). Welches Lebensbild wird uns hier vvrgeführt, wol nicht jenes geräuschvolle, heitere Leben nur der Gegenwart huldigender Menschen, vielmehr das wahre, getreue, ernste aller Frommen und Weisen. Diese, gewöhnt das Wahre vom Falschen, das Wesen vom Scheine zu sondern und zu trennen, und nicht dem letztem auf Kosten des erstem sich hinzugeben, sie haben zu jeder Zeit erkannt und erkennen, daß unser Leben hienieden nur der Schein des wahren, ewigen, eigentlichen Lebens sei. Die Seele, entsprungen aus dem reinen Lichkquell, sie sollte in der finstern Hülle Ziel und Zweck ihres Daseins finden? Sie, die stets durch ihre Thätigkeit die dunkeln, sie ein« schließenden Banden zu durchbrechen bemüht ist, um sich mit dem Urquell alles Seins zu vereinen, sie sollte ihres Strebens Ziel nicht erreichen können? O, wie oft wird nicht der Weise mitten in seiner Thätigkeit hinweggeriffen; wie oft blickt nicht der Arme und Hungernde vergebens auf die Statte des jugendlichen WohlthäterS, der zu früh diesem Leben entrissen ward und nicht die Früchte seiner irdischen Pflanzung hienieden erndete-' Wer würde nicht nun bei dem steten Schwinden und Vergehen der irdischen Wesen und Güter mit dem königlichen Sänger ausrufen: O, unsere Tage, sie sind einem Schatten gleich auf Erden? Sind aber auch unsere Tage von so kurzer Dauer, sind sie kaum etwas Wesentliches in der Zahl der Geschöpfe, können sie nur als ein Schein des wahren eigentlichen Wesens gelten, so sind sie doch für den Erdenpilger ^vvn hoher Bedeutung, und wie er überall die irdischen vergänglichen Güter, durch seine geistige Kraft für einige Zeiten wenigstens der Vergänglichkeit zu entreißen im Stande ist, eben so ist es in seiner Gewalt, auch seiner kurzen Lebensftist eine längere Dauer zu ver» leihen. Dazu dient auch die dreifache Abstufung der Schatten Vergleichung im Midrasch. Drei verschiedene Schatten werden uns hier genannt; dreifach verschieden sind auch die Lebensthaten deS Erdensohnes. Kurz ist die Lebensdauer des einzelnen Menschen» wenig die Tage, die ihm auf dieser Welt vergönnt sind, eine Spanne Zeit trennt die Wiege vom Grabe. Dennoch vermag selbst der einzelne Mensch sich eine sicherere, länger dauernde Stätte zu verschaffen, die lange nach der Abwerfung der irdischen Hülle fortdauert. Wer die Aufgabe, welche ihm der Schöpfer hienieden gestellt hat, zu erfassen vermag, der wird nicht selbstsüchtig das Gute, welches er erkannt,. Mit sich in'ö Grad nehmen. Er sucht es vielmehr auszubreiten, daß Andere auch die ihnen gestellte Aufgabe erfüllen und dem Willen ihres Schöpfers entsprechend leben. Solche Männer leben noch immer fort, wenn sie auch sichtbar unter uns nicht wandeln, im Geiste ihrer Söhne und Schüler; waren auch ihre Lebenstage kurz, so ist doch ihr LebenSschatten lange fortdauernd; undgleichdem Schalten der Mau er, die lange noch, wenn auch schon das Gebäude in seinem Schmucke, ein Raub der Zeiten wurde, sortdauert, und so den nach Jahrtausenden oft vvrüberziehenden Wanderer an ihren Ursprung erinnert. Doch nicht Allen ist es möglich, durch Geistes- Vollkommenheit ein Denkmal für längere Zeit sich zu setzen, nicht Alle vermögen in den Garten der Weisheit einzudringen und sich da den Unsterblichkeits-Kranz HU erringen, und dennoch braucht ihr Leben nicht mit dem Scheiden von der Erde zu enden. Alle können nnd sollen, wenn auch nicht das Gute

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