Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 21 (25.5.1849)
- Date
- 1849-05-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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W")UV 'v»z "I? 'de, fcägtest du nach den Jahren meiner Pilgerschaft hienieden, so zähle ich deren schon 130; aber du fragst nach der Zahl meiner Lebensjahre, ach. diese ist winzig und gering, sie kommt selbst den Pilgerjahren meiner Väter an Güte nicht gleich. So sprach einst der fromme Stammvater; dasselbe konnte auch von Ihrem viel zu früh dahingeschiedenen Lehrer gesagt werden. Selbst die Zahl seiner Pilgerjahre war nicht groß. Wie ein Blitzstrahl aus entwölkter Höhe fuhr unvermuthet des Herrn Ruf hernieder, im noch kräftigen Mannesalker ihn aus seinem irdischen Wirkungskreise abzurufen. Noch kleiner aber war die Zahl seiner eigentlichen Lebensjahre. Leben heißt seines Daseins froh werden. Gelebt aber hat der Hochselige nur — und dies sei Ihr -schönster Trost - im Kreise seiner Fa« milie als glücklicher Gatte und geliebter Barer; gelebt har er nur in den Tiefen der Wissenschaften, in denen er sich von der frühesten Jugend schon heimisch gefühlt; gelebt hat er im Gebiete des Tora-Srudiums, wo sein waltender Geist fett»? liebste Ergötzung gefunden. Aber sein Leben in den Zeirverhälcnissen, sein Leben selbst theilweise im Amte — O, Sie wissen es. wie manchen bittern Tropfen aus dem Kelche er da geschlürft; nicht Leben, sondern Pilgerschäft nur n. War aber auch das irdische Leben Ihreverewigten Lehrers, verehrungswürdige Zuhörer, nicht stets von der Glückssonne bestrahlt, har er auch den Freudenkelch hienieden nur wenig gekostet, war sein Lebensfaden mitten »n der besten Manneskraft durchgerissen worden, »st doch sein Loos jetzt ein seliges, er wohnt jetzt im Kreise der Seligen, beleuchtet von der Sonne der Allwcisheft, und die wahren Freuden der Gorteserkennrniß und die Herrlicnkeit himmlischer L)eligkeir genießend. Schon der weise König sagt: ödfi' 25' rwv o5 7)'^ ode süß ist det Schlaf des Arbeiters, ob viel oder wenig er gegessen. Süß ist der Grabesschlaf des emsigen Arbeiters im Weinberge des Herrn, ob viel oder wenig er sein Dasein genossen, so sprach tröstend ein weiser Lehrer im Midrasch, am Grabe eines in der jugendlichen Blüthe dahingeschiedenrn, frommen Gelehrten. Es habe dieses Aehnlichkeir, fuhr er fort, mit einem König, der einst in früher Morgenzeit seinen Garten besuchte, hier einen emsigen Arbeiter gewahrte, den er zu sich berief und mit ihm iin Garten lustwandelte. Am Abend nun, als den Arbeitern der Lohn ausbezahlt wurde, ließ der König auch diesem Arbeiter seinen vollen Tagelohn ausbezahlen, und setzte hinzu: hat dieser auch nur einige Morgenstunden gearbeitet, so hat er doch durch seinen Fleiß in diesem kurzen Zeitraum sein Tagewerk vollbracht. Eben so dreser fromme Arbeiter im Tora- Garten des Herrn, sprach der Weise, ward schon zur Morgenzeit seines Lebens abgerufen vom König der Könige, mit ihm im Reiche der Seligkeit zu lustwandeln, weil früh schon er durch Fleiß erarbeitet, was Andere erst bis zum Abend ihres Lebens zu vollbringen vermögen. Darum aber auch muß vollständiger Lohn ihm werden gleich denen, welche am sparen Abend ihres Daseins erst ihr Tagewerk vollbracht. Wenn daher, fromme Gemeinde, Ihre Thränen fließen, ob des sie schwer betroffenen Verlustes, nichc dem Hochseligen, um seinetwillen, gelte Ihre Trauer. War eS ihm auch nicht vergönnt sein segenreiches Wirken bis zum späten Abend eines MenschenalcerS Ihnen zu widmen, so har ec doch schon in der Mor- Ihnen aber, verehrte Gemeinde, gilt der Verlust, und Ihre Aufgabe muß es sein, diesen Verlust in seinem ganzen großen Umfange zu beherzigen. Er wandelt nicht mehr in Ihrer Mure, der Ihnen Freund und Narhgeber war. Der Geist, der Ihnen geleuchtet, er strahlt jetzt in höheren Sphären. Der als ein viertel Jahrhundert hindurch an dieser Stätte das Wort Gottes gelehrt; er ist für Sie ewig verschlossen. Dafür mögen Ihre Thränen rollen, möge Trauer Ihre Seele umfloren; dafür möge schwer muchsvoll Ihr Blick sich zur Erde senken Je größer aber der Verlust ist, der Sie, verehrungswürdige Zuhörer! traf, je größerauch der Schmerz ist, den Sie darüber empfinden, desto mehr aber auch