Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 20 (18.5.1849)
- Date
- 1849-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*W169M* würdigen, gebildete und dem orthodoren Judenthum aufrichtig ergebenen Mitgliedern bestehen. — Die hiesige rnn v"c zählt sehr tüchtige Genossen, und verwendet täglich mehrere Stunden dem Studium des Talmuds, was ihr nur darum möglich ist, weil ihre Mitglieder sehr wohlhabend sind. Die Pariser Journalisten und das würtembergische jüdische Frauenzimmer. Zwei Rabbinats-Candidaten zwei junge Männer, die die Köpfe voll der reformistischen Entwürfe hatten, welche Entwürfe schockweise hervorrreten sollten, sobald ihre Herren bedeutenden Wirkungskreis in zahlreichen Gemeinden gefunden haben würden; .beide schon eingekleidet, dh. mit schwarzem Talar, weißen Beffchen und Sammt- Barret versehen; beide des Augenblicks harrend, in welchem sie die Gemeinde durch Lehren beglücken können, sind — so wollte es das unerbittliche Verhängniß — uns leider! entrissen worden, ohne daß unS Hoffnung bliebe, sie je wieder in geistlicher Funktion zu sehen. Bei dem Einen, der eine zeitlang Rabbinatsverweser gewesen, happerte es bei dem Diensteramen so stark, daß er mit Glanz durch fiel. (Der durch seinen Witz nicht weniger als durch seine sonstigen trefflichen Herzens- und Geistesvollkommenheiten bekannte Lehrer F-o in St—n fragte bei jener Veranlassung, was nun mit den bereits pwpvrn zu machen sei.) Er ging nach Paris, von wo aus er allerlei Artikel an die Redaktion eines deutschen Unterhaltungsblattes angefertigt. Die pariser Journale geben ihm den Stoff. Der Andere, der zwar die Dienstprüfung genügend erstanden, fand dagegen während seines Aikarirens so viele Schwierigkeiten, die ihn hinderten auf die Kanzel zu gelangen, und bevor diese Schwierigkeiten beseitigt werden konnten, wurde er uns durch ein wohlhabendes sehr achtungswürdiges Mädchen gekapert, indem es versprach, ihn zu heirathen, wenn er die geistliche Laufbahn, für welche er ohne hin nicht geschaffen zu sein scheine, verließe und wieder auf die Hochschule gehen würde um Jus zu studiren. — Der junge Mann war vernünftig genug, ein ungewisses Rabbinat gegen eine gewisse glückliche Heirath zu vertauschen, er schlug also ein, nach vier Wachen wurde Hochzeit gehalten, und in diesem Augenblick befindet sich der ehemalige Theolog als stucl. znris an die Universität zu Tübingen. Sein braves Weibchen zog mit ihm in die Stadt, wobei er noch den weitern Dortheil hat, daß er am Tisch sich sättigen kann, was bei den andern jüdischen Studenten daselbst kaum der Fall sein dürste. v r. W e i l. Die würtembergischen Juden haben dadurch daß Herr Dr. Weil die Redaktion der preußischen Konstitutionellen Zeitung übernahm, eine ihrer größesten (oder größeste Intelligenzen verloren, und einen Mann aus dem Vaterlande scheiden sehen, der mit einem Herzen begabt ist, das durch und durch von Liebe zu seinen Glaubensgenossen erglüht. — Ein Abschiedsschreiben, daß er an seine diesseitigen Religionsgenossen erließ, zeigt ihn als den Mann, als welchen wir ihn schon früher in diesen Blättern gezeichnet haben. — Die besten Wünsche begleiten ihn, und alle würtembergische Juden wünschen, daß er überall so viele Anerkennung und Liebe finden möchte, als ihm bei uns zu Theil geworden. — Wir werden nie vergessen, das, was er für uns zu erstreben wünschte und theilweise auch wirklich erstrebte; wir werden ihm immer dankbar dafür bleiben, weil er Selbstverläugnung genug hatte, bei eignen oft divirgirenden Ansichten sich auf die Seite der Gemeinden zu stellen und unter allen Umständen ihr Gewissen zu schonen, und weil er das Treiben des reformirenden Polizeistaats aus tiefster Seele verabscheuete, wenn ihm dies gleich vielfache Kränkungen zugezogen hat. Er besitzt auch Seelengröße genug, diese Kränkungen zu verachten, und so ging er, ohne sich beirren zu lassen, seinen geraden Weg fort, befolgend seinen Wahlspruch: „Dolle Gewissensfreiheit auch dem geringsten meiner Glaubensgenossen!" Die neueste Zeit hat diesen Wahlspruch zur allgemeinen Anerkennung gebracht; was ganz besonders für die Juden ein Glück ist die ein Land-Rabbinat, einen Synagogen-Rath rc. rc. an die Spitze ihrer kirchlichen Verwaltung hat.