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Der treue Zionswächter · 1849-05-11 · 19 (11.5.1849) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
19 (11.5.1849)
Date
1849-05-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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-»M ISO M«. werfen, das mir so weniger, altz nach der Trauung das machen an die Reihe kommt, reichte der Gegenpartei die Hand und — Alles war abgcthan. Bald fauh ich Jemanden, der die Gute hatte, mich mit den Persönlichkeiten der Versammlung bekannt zu machen, und ich trat mit ihm in die Keine überfüllte Synagoge. Hier stand vor dem jnö ein mit einem weißen Tuch überdecktes Tischlcin, hinter diesem der Rabbiner, an dessen Seite der Vorsänger, welcher beschäftigt war, ans einer gefüllten Weinflasche zwei Gläser zu füllen und solche nebst der Flasche ans das Tischlcin zu stellen, so, daß cs aussah wie bei einer Mahlzeit.— Mein Begleiter sagte scherzend, indem er auf den Rabbiner und seinen Assistenten zeigte: „Das sind die — „Ja, verbesserte ein Nebenstehender; welcher triviale Witz einem Dritten so sehr zum Lachen reizte, daß er, nm keine Störung zu machen die Synagoge verließ. Auch heute wurde die Versammlung mit einer Predigt geplagt, die noch dazu lang und langweilig war, und man kam Ln Versuchung, in ..Beziehung auf das erwähnte Epigram Lessing's zu sagen: „Lieber gar nicht hcirathen, als solch eine Predigt anhören zu müssen!" Da sing unversehens die Braut an zu schluchzen. — Die Ursache war Folgendes: Die Mutter der Braut und der Vater des Bräutigams waren längst gestorben. (Zwar waren die »belebenden Theilc der beidenseitigen Eheleute seit Jahren wieder vcrheirathcl.) Da fand cs nun der Redner angemessen, ein Langes und ein Breites darüber zu rrferiren, wie die Verstorbenen, wenn sie nicht gestorben wären, heute sich freue» würden, welche Freude ihnen aber durch den abscheulichen Tod - vereitelt worden wäre; auch berichtete, was sie in diesem Augenblick im Himmel Machen und denken und wünschen und von dem lieben Gott erflehen, :c. re. fügte auch hinzu, daß er, der geistliche Herr, den Auftrag habe, zwar nicht von den Mahnen der Heimgegangenen, aber doch von seinem eignen Gewissen und von seinem hohen Amt, ihnen, den Brautleuten, auf Erden das mitzutheilen, was jetzt, nach seiner festen (?) Ucberzcugung im Himmel sie betreffende vorgeht.*) — Der Bräutigam,Ider weniger reizbare Nerven hatte, als seine zartgebante Braut, fürchtete vielleicht, diese möchte Krämpfe bekomneu, warf den Todtenbeschwörcr durchbohrende Blicke zu, die dieser, da er immer noch in einer Art von Verzückung nach Oben starrend schauete, damit ihm ja gar nichts von dem verloren gehe, was jetzt im Himmel verhandelt werde, aber nicht bemerkte, und darum seinen Vortrag immer mehr in die Länge zog. Alles auf diesem Erderrrunde erreicht aber sein Ende, und so erging es dieser Predigt es auch, auch sie erreichte, zwar viel zu spät, ihr Ende. Jetzt hoffte ich, daß die j'Lwsv -U7O seinen Anfang nehmen würden, allein noch hatte die Stunde der Erlösung nicht geschlagen, denn der neugierige Rabbiner, der gerne Alles wissen wollte, nahm jetzt die Brautleute ins Eramcn. Zuerst fragte er den Bräutigam, ob er die Braut ehelichen wolle.— Dumme Frage dachte ich in meinem Herzen, nm kein Haar vcrnünstiger als die, wenn Jemand einen Freund oder Bekannten des Morgens auf der Straße trifft und ihn fragt: „Auch schon aufgestanden?" — Gewiß will er sie ehelichen, wollte er das nicht, wäre er ja nicht hier, und gäbe dem Herrn Rabbiner nicht sieben Gulden für die Trauung und -15 Tr. für das Verkünden, und noch ein Present dazu, noch weniger hätte er die Qual einer solchen Predigt ansgestanden. Eine zweite Frage von Seiten des inquirirendcu Nabbi's schien mir äußerst naseweise zu sein. Diese Frage lautete nämlich: Wollen Sie sie, die Braut, nie verlassen?" Darauf mögte ich meinerseits fragen, wer Es haben überhaupt viele würiemb. Rabbiner die Manier, solche Kanzel Chculater e zu treiben. Bei Trauungen. bei Censirmationcn und am Neujahrsfest öffnen sie die vor den betreffenden Individuen oder vor der ganzen Gemeinde vorübcrzichcn, bis durch solche harte Schläge der Thränenquell flüssig wird. Ein junger Rabbiner, mit dem ich ans freundschaftlichen Fuße stehe und dem ich einst sagte, daß solch ein Predigen wie Taschen spiclcrci an heiliger Stätte getrieben, mir vorkomme, erwiedertc mir: - Lassen Sie uns dies Kunststückchen, es ist uns das beste rhetorische Hilfsmittel: denn eine alte vermoderte Leiche wirkt vielfach weit besser, als ein neuer lebendiger Gedanke'.-

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