Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 14 (6.4.1849)
- Date
- 1849-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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<»W 168 .Humoristischer Vortrag über Judenemaneipatkou Seit der Zeit, als Moses in Egypten vom König Pharao die Emanzipation der Juden begehrte, ist viel Wasser durch's rothe Meer gelaufen, haben viele reiche Juden den Königen Krieg und Frieden machen helfen, haben viele Philosophen bewiesen, daß die Juden keine Schildkröten und keine Sardellen, sondern Menschen sind, haben viel Fürsten vielev^Juden zwar keinen Bären, aber etwas, was nicht viel besser ist, aufger Kunden, einen rochen Adler dritter und vierter Klasse, einen kvdlen Falken, oder sonst ein kleines Vieh, mit welcbem man-die Großen füttert, aber die „Emanci, parion der Juden" ist nur im geheiligten deutschen Reiche, wo Kraut- und Professorenknöpfe die Erde bedecken, nur im lieben Deutschland, wo am Vier und am Volke Malz und Hopfen verloren ist, nur im lieben Deutschland, wo die langen. Titel, die langen Haare und die langen Prozesse wachsen, nur im lieben Deutschland, wo die kurzen Haare und die kurzen Konstitutionen bald gebürstet sind, nur in diesem Lande, dem seit ewigen Zeiten die Donau und der gesunde Verstand entspringt, nur da ist die „Emancipation der Juden" noch immer größtentheils ein „Jndustriepapier", wer hazardiren will kann darauf spekulircn! > Es schien im letzten Marz, als habe der Lichttritt deS Jahrhunderts nicht nur die Höhen dH.Lebens, sondern auch seine Tiefen, seine Untiefen vergoldet und erleuchtet, als fei bas Auge der allgemeinen Menschenliebe neben dem der Menschenrechte geöffnet über die Zeit und ih em Geschlechre; man athmete lang, tief und frei auf. Ströme voll Lichtes schienen sich auf die Erde zu ergießen und der Farbenbogen der freien Hu» manitär baute sich weithinstrahlend über die Völker au', rach der abgelaufenen Sündflurh jahrhundertr langer Barbarei! Allein der „Judenhaß" ist in vielen Landern noch der alre Ahasver, der nie stirbt; dieser alte Envkssvhn einer finstern Vorzeit sitzt noch im Mittelpunkte unseres Volksgeistes und bildet von da heraus die finstern tcllurischen Bande, mir welchen er die Licht und Himmelsgeister gefangen halt. Man glaubt die Emancipalivn der Juden ist eine „Judenfrage." Dummheit! Es ist eine Völkerfrage, eine Menschheitsfrage, es ist die Frage der .»allgemeinen Freiheit." Wenn die Zeit den Griffel der Intoleranz nicht ganz in die Tiefe deS ZeitmeerS wirft, aus welcher kein Taucher ihm wieder heraufholen kann, so wird dieser Griffel heute diese Bresche in die allgemeine Freiheit schießen, morgen eine andere schwachvertheidigte Stelle angreifen, um am Ende die ganze Freiheit in »hren Einzelheiten abzurödten. Nicht den „Juden" zu liebe muß man für ihre Emancipation sein, sondern der Freiheit! Ist der Mensch vollkommen gesund, der den Brand in per großen Zehe hat, dem ein Lungenflügel eitert, dem der Gaumensegel leidend ist? Nein, ein Mensch, bei dem nicht Alles gesund ist, ist krank, .ist todtkrank, und eine Freiheit, die da und dort eine Zahnlücke, hier und da einen Censurstrich, dort eine Ausnahmsregel, wiederum da ein Fontenell, und wiederum dort eine Kompresse anliegen hat, ist krank, ist todtkrank! An die Judenemancipativn müssen sich alle Menschen anschließen, nicht aus Judenliebe, sondern ans Eigenliebe, aus Egoismus! So lange die Intoleranz eine Spalte, den kleinsten Riß findet, durch welchen sie in den großen Bau des Völker-und Menschenrechtes eindringen kann, wird sie weiter und weiter Vordringen, die Spalte wird stets weiter aufklaffcn, drr Riß wird zum Triumphthor, durch welche sie siegreich einzieht und den ganzen Bau beseht! Affav und Tirza. Gedicht von I. Schwarz. I. Dumpf uvd hohl vom Thurme schallen? Wollen sie wohl Beter locken Zn die leeren Tempelhallcn? In dem schönen goldnen Lande, Wo die Priester sich, die frommen, Baden tief in Schmach und Schande. ,, Denn in Spaniens Metropole Wird gerichtet gegen Ketzer, Zu des Gottesglanbeus Wohle Wird man gerne Gottverletzer. Ferdinandus hat's befohlen. Der Katholische, der Reine, Und eS freu'» sichb unverhohlen Mönch und Fiskus im Vereine.