Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 11 (16.3.1849)
- Date
- 1849-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»W gleichsam eingeimpfk, heute zu zerstören, waS sie gestern geschaffen —um morgen von Neuem schaffen zu.könoen -die Menschen gewöhnten stch dergestalt, an diesen Zeirenlaus, daß sie nicht mehr umhinkonntrn. heute daS lächerlich zu finden, was sie gestern noch entzückt harre, und diesen Zerstärungstrieb, jenes ewige Haschen nach Neuem nannte man „Mode." Jedoch dies galt nur von weltlichen Dingen, und unser Glaube, die geheiligte göttliche Religion, sie stand erhaben über das Machwerk menschlicher Hände. Es wurde zwar für und wider gekämpsr, es ist für und wider oft und vielfach Blnr geflossen, jedoch man kämpfte für und wider ein Ganzes, für ein Erhabenes. Göttliches, Großes, man kämpfte für Juden in einem himmlisch wahren Sinne, oder man kämpfte gegen sie. Allein — das Räderwerk der Zeit, die Mode, wollte sich nicht mehr als unser gekröntes, gcbenedeieteS neunzehntes Jahrhundert erschien, mit ihr nunmehr gleichgültig gewordenen Dingen, mir Kleidern, Hüten, w. begnügen, sie wollten etwas Höheres, wollten etwas Anderes, noch nie Gesehenes an'S Tageslicht fördern und so gerielh sie auf unfern Glauben, auf daS, gt? hnligre, göttliche Judenthum! Eine Lehre, die Jahrr lausende den reinen, himmlischen Zauber auf Asiens^ u.d Menschheit geübt, eine Lehre, für den willig, das Blut heiliger Märtyrer geflossen — bedurften nun mit einem Male einer Abänderung! Ganz recht — dfe Mode wechselt ja! Schwache, geistig kränkelnde Menschen. dir für jedes Höhere abgestumpft, wenn es ihnen nicht gleichsam wie eine gebratene Taube in den Mund geflogen kommt, die es nicht im Stande waren, einest himmlischen Genuß für ein kleines körperliches Opfer zu erkaufen, waren die Ersten, die eine Religionsabänderung an der Zeit hielten. Doch einestheilS noch nicht so verderbt, um die Religion gleich einem Kleidungsstücke zu halten das man beliebig nach der Mode stutzt, andercheils zu viel Heuchler und zu felge, ihr Machwerk, wie es wirklich war, als eine Erzeugung reiner elender Mode und NeuerungSsucht darzustellen, weil sie Gefahr liefen, jedes unbefangene Gemülh gegen sich M^ewpsrrn beschönigten sie ihre Ansichten, anstatt des ziemlich weltlich klingenden Ansdrucks „Mode" mir dem freilich wohlklingenderen „Z e i t g e i si" und sich selbst, als oberster Würdenträger „Freigeist," ein Name, dessen Ursprung ein gewisser Geistlicher sehr treffenderklärte, nämlich: daßde.rwrtige Freigeisiereien ihren Namen wol verdienten, indem s.ie frei van 83 HZ» Geiste seien." Diese Klaffe bestand jedoch anfangs nicht aus Gliedern, denen die wissenschaftliche Bildung einen erhabeneren Platz im Leben eingeraumt hatte,— nein. eS waren Leute, deren Herz und Seele nur ein Höheres nur eine Gottheit erkannte, ihr Geld und mit diesem die Sucht zu glänzen. Durch dieses suchten sie die Tftanenlufk, welche Natur zwischen fle und die gebildeteren Mitglieder der menschlichen Gesellschaft gezogen hatte, zu überspringen, und theilweise gelang cS den ^allmächtigen Weltgützen, die schlüpfrige Bahn, welche bis jetzt das Schicksal zwischen Jude und Nichrjude gelagert, einigermaßen zu rbnen unü gangbar zu machen. Natürlich aber konnte es nicht fehlen, dass stch bald Schmeichler fänden, die scheinbar unter dem Schleier der Humanität ihnen enrgegenkamen und sie freundlich, aber eigentlich ihr Geld willkommen hießen. Man zog sie brüderlich ein i« den Kreis liederlicher Ausschweifungen, und der armen, schwachen, geblendeten Seele, geschmeichelt durch den Triumph, den sie sich scheinbar errungen/ mußten die kleinsten ccremoniellen Opfer, welche einmal die Ausübung unserer Religion erheischte lästigwerden. Das Herz, das in seinem Schlendrian, rheilS aus schläfriger Angewohnheit, theils aus knechtischer, selbst tyrannisirender Furcht, handelt und unterläßt, isi niemals eines höheren, ergreifenden, innig gefühlten Gedankens fähig, es kann nrcht wahrhaft empfinden und die heilige Begeisterung für Religion und Glaube erkennt eS als geistig fremdartige Erschein nungen> da ihm Liebe und Gefühl Extreme geworden sind. So, sparen unsere ersten, sogenannten religiösen Freigeister-beschaffen, — sie warfen die Ceremonien von sich, nicht weil ei»r höherer Beweggrund, ein etwas mehr als viehischer Zweck, eS ihnen eingab, nein — weil sie ihnen, bei ihren Ausschweifungen mit christlichen Genossen^ die ihnen für die schönste Triumphe galten, unbequem wurden — sie fühlten ja nichts bei deren Ausübung — konnten sie also bei deren Unterlassung fühlen? — — Aber noch standen sie vereinzelt da. noch wagten sie nickt ihre Ansichten, als die heutigen erhabenen aufgeklärten Ideen geltend zu machen-—und wie der Dösewichr sich nach Theilnehmer an seinen Bubenstreichen sehnt, da er sich denn weniger verworfen, weniger ausgestoßen fühlt, so fingen auch sie an, insgeheim Anhänger zu werben. Des Verführers Reden zeigen dem Verführten jedesmal ein nie gesehenes Himmelreich, gemalt mit den verlöschenden Farben, bitterer Täuschung, und so konnte es, auch hier