Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 10 (9.3.1849)
- Date
- 1849-03-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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daß ein festes Vertrauen gegenseitig obwalte, daß alle alten Vorurtheile schwinden und nur Liebe und Eintracht unter ihnen herrsche. Ein sehr erhabener Zweck! Auch wir wünschen ihn bald möglichst erfüllt zu sehen, doch keineswegs auf Kosten unserer höchsten Lebensaufgabe, unsrer Neligiösilär. Wer sollte denn so herzlos sein, und nicht die Eiruracht erstreben wollen? Wer wird nicht gerne mir aller Macht darauf hinzuwirken suchen, daß der Mensch den Menschen als seinen Bruder, als den Sohn desselben göttlichen Schöpfers achte, schätze und liebe? Wer sollte so boshaft sein, und nicht die Harmonie, welche in der ganzen Natur obwaltet, auch unter den mir Vernunft begabten Menschen Herstellen wollen? Wahrlrch, wer nur über sein liebes Ich hinauszuschreiten vermag, wer nichr selbstsüchtig genug ist, nur sein eignes Wohl zu fördern und zu wahren, der wird keine Gelegenheit verabsäumen, ja dieselbe sogar herbeizuführen sich unablässig bemühen^ daß ein brüderliches Band alle Menschen umfasse, daß kein Neid, Mißgunst und Haß unrer den Individuen sowol als unter den Völkern herrsche. Ist cs ja doch schon ein angenehmes Bewußtsein, eine gute Thar ausgeübt zu haben, sollte es nun nicht licfcS Bedürfnis; des Menschen sein, sich ganz und gar seinem Nebenmenschen hlnzugeben? Zufolge der natürlichen Anlage der Menschen wäre es eine Unmöglichkeit, daß Uneinigkeit überhaupt unter ihnen stattfande. Daß aber die Wirklichkeit diesem widerspreche. und daß es leider der Falle viele giebt, daß nicht nur einzelne Menschen gegeneinander feindlich und gehässig sind, sondern, daß sogar zur Schmach der Menschheit eine von Geschlecht zu Geschlecht sich forterbende Abneigung zwischen Völkern und Nationen siattfindet, zeigt zur Genüge, daß die Sittlichkeit bei weitem noch nicht die hohe Stufe erreicht har, welche sie erreichen soll. Soll aber anders die Sittlichkeit zur höchsten Stufe geführt werden, so muß vor Allem für die Erziehung unserer Jugend mehr als bis jetzt gesorgt werden. Hier ist der Hecrd, wo man für die Reife der Menschheit arbeiten soll. Man lerne sie jeden Menschen als eia gleichartiges^ ebenbürtiges Wesen schützen und achten, erziehe sie, daß sie, durchdrungen von Gottesfurcht, von Liebe und Eintracht beseelt seien, und dann werden wir eine Generation entstehen sehen, welche nicht eigennützig die Rechte des Menschen in verschiedene. Abstufungen rheilcn und sondern wird. Eine solche Erziehung zu erzielet', ist aber nur dann möglich, wenn die Erzieher von einer Gesinnnngsgleichheit getragen und beherrscht sind. Eine vollständige Gleichheit der Gesinnung^ kann wieder nur bei den Der kennern eines und desselben Glaubens stattfinden. Wohl ist es die Aufgabe jeder Religion, Gottesfurcht und Nächstenliebe zum Gemeingur zu machen; allein wiefern die Begriffe, welche sie über das höchste Wesen selbst aufstellt, wie die daraus abgeleitete Folgerung und die Mittel, wodurch sie ihre Aufgabe zu lösen suchen, ganz und gar von einander abweichen, ist auch die Wirkung, welche jede Religion auf ihre Bekenner äußert, sehr verschieden. So unschädlich nun diese Mannigfaltigkeit, so lange sie als solche sich erhält, ist, so übel sind die Folgen, welche durch eine Vermischung derselben, wie dies in der Mischehe startfindet, hervorgebracht wird; und doch sind es gerade die Eltern, welche die Erziehung ihrer Kinder besonders zu fördern haben. Mir welchem Vorrheil oder vielmehr auf welche Weise überhaupt können Eltern verschiedenen Glaubens die Erziehung ihrer Kinder leiten. Wir glauben, daß im allgemeinen können die Mischehen nur unter zwei Bedingungen stattfindcn. Entweder beide Gatten sind religiös, zugleich aber aus Liebe zu einander mit ihrer Religiösirär eine moderne Toleranz gegenseitig ausüben, d. h. jeder von ihnen ist gleichgültig gegen das religiöse Leben des andern. Beide werden also Sitte und Gebräuche ihres Glaubens streng bewahren. Was kann nun das Kind, welches diesen Wirrwarr vor Augen siehr, gewinnen? Wird es aus Furchr dem Vater nachahmen, oder aus Liebe der Mutter Beispiel folgen, oder die Handlungen beider verwerfen. In jedem Falle wird und muß es selbstständig seine religiöse Ausbildung wählen und den Eltern ist jeder Einfluß auf ihr Kind alsdann genommen. Oder der entgegengesetzte Fall findet statt, welches auch wahrscheinlicher ist: Die Toleranz der Vermählten geht so weit, daß beide aus tiefer, inniger Liebe zu einander ihre religiösen Sonder, Heiken ganz und gar ablegcn, und aus gegenseitiger Gefälligkeit von der religiösen Observanz sich fern halten. Von welchem Erfolg wird nun dieser Zndifferenlismns für die Kinder sein? Vater und Mutter vermeiden sorgfältig jede religiöse Gelegenheit, sorgen also auch dafür, daß ihr Sprosse nichts derartiges erführe. Und so wäre der Frekgeisterei Thür und Thor geöffnet. Statt Eintracht unter den verschiedenen Glaubensbekennern, wäre durch die Mischehe nur die Aufhe-