Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 8 (23.2.1849)
- Date
- 1849-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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schallen ließer; als Ihr da nur für Euren Freiheits, rausch allein noch Sinn (Besinnung) hatte«-, und mit Argusaugen auf jede Bewegung achterer, wer gab Euch da das Recht, die Juden der Reaktion zu beschuldigen? Durch welche Veranlassung behaupteter Ihr damals in Eurer zügellosen Presse, daß die Juden sich dem Zeirsirome cnrgegcnstellen und ihn einzudämmen drohen? Habet Ihr aber Eure Gründe gehabt, die Juden als Frcihcitkfeinde zu bezeichnen, mit welchem Rechte nennt ihr nun 2) den Juden einen verschmitzten Demokraten? Jetzt, wo der Waffen Gewalt dcö Gesetzes Kraft brach, wo man mir Schwertern den Knoten, welchen die Zeit so fest schürzte, durchzuhauen sich bemüht. Ist der Jude wieder dem schnellen Umschwung des Zeitrades hemmend enrgegengelreten? Ist aus dem eben verschrieenen Heuler plötzlich ein Wühler geworden? Wahrlich, wenn Ihr mir diesen Widerspruch beantwortet, so werdet Ihr hoffentlich mir Eurcr Klugheit den Stein der Weisen ergrübeln, und das neu aufgefundene Goldland unbrauchbar machen. > ' Doch dürfte es nicht so schwierig sein, den Schwerpunkt dieser Frage aufzufinden Wir wissen, baß der Deutsche allein zu der glorreichen Erfindung gekangte> daß cs nickt nur einen christlichen Staat-'sondern auch cuie christliche Wissenschaft gebe. Beide, Skäat und Wissenschaft clk udiren nicht nur die jüdischen Glaubensgenossen, sondern verhalten sich auch gegen sie ganz und gar kraftlos. Die Staatsgesetze sind für den Juden nicht anwendbar, wie nicht minder die Satzungen, welche die Wissenjchaft lehrt. Willkür, Laune und Eigendünkel dürfen demnach mir allergrößter Gerechtigkeit über ihn ein Unheil fällen, und mit Tyrannenstrenge das so gefällte Unheil vollzogen werden. Ob Recht, oder Unrecht, das lhur zur Sache nichts; „der Jude muß verbannt werden.^ Wem könnte es nun noch wundern, daß der Jude immer, und vorzüglich setzt der Spielball der Partheien war und ist? Daß der Jude auch ein selbstständiges Unheil fallen kann und daß dieses Unheil nach der Individualität verschiedenartig sich gestalt»n könne, scheint diesen Leuten völlig unmöglich; woher sollten dem Juden allgemeine Grundsätze eigen sein; diese sind 1« wissenschaftlicher Alt, und die Wissenschaft ist doch christlich? Also wenn ein Jude ein Wühler ist, so sind-s alle Juden, und wenn wieder ein anderer Jude servil, so sind ebenfalls alle Juden servil; kurz und gut, die Juden sind: Servilisten, Royalisten- Loya» listen. Konstitutionelle, Monarchisch-Konstitutionelle, Demokraten, Radikale, Republikaner. Socialistcn, Kommunisten u. s. w., wie das ganze Heer der verschiedenen Staaesfvrmen heißen mag. Alles ist jeder Jude in einer Person. So sinnreich vermag nur der Deutsche zu sein, der trotz der bunten Verschiedenheit, welche seine Länder darbieten,' doch eine Einheit zu erzielen strebt. Mannigfaltiges in der Einheit und Einheit in der Mannigfaltigkeit zu erzielen, ist daneueste deutj de Projekt. Und eine buntscheckige Einheit glaubt er nun im Juden selbst aufzufinden, um desto ungestörter gegen ihn herrschen zu können. Die große Entrüstung, welche in uns durch die neueste Beschuldigung in den politischen Tageblättern hergerufen wurde, verhinderte uns bis jetzt auf die Tharsachen einzugehen, und uächigre uns, nur unfern Unwillen über ein solches ungerechtes Treiben kund werden zu lassen. Wir dürfen übrigens erwarten, daß den Lesern dieses Blattes nicht unbekannt sein dürste, zwie;von allen Parrheien in den beiden Hauptstädten Deutschlands gegen die Juden maschinirc wurde. In Berlin wird von Seiten der Regierung den Juden Undankbarkelk vorgeworfen, und so wird schvorm,- darauf hingearbeilet, die in der preußischen Grünbverfass.mg den Juden indirekt eingeraumren, bürgerlichen Rechte bei der späteren Verathung der Kammern rückgängig zu machen- Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß wir bei dem jetzigen Gang der Zeitereignisse keineswegs schon am Ziele sind. Mas man uns gewahrt, ist noch nicht gesichert. Um aber den Schein der Gesetzlichkeit und der Humanitär für sich zu haben, muss der Jude selbst als Schuldner dargestellt werden Seine politische Anschauung muß ihm unwürdig zur politischen Gleichstellung macken. Mir besserem Erfolge werde dagegen in Wien gegen die Juden gearbeitet. Lauge Zeit wurde ausposaunr, von Seiten der Regierung werde die Emanzipation beantragt, nur befürchtet man, daß die Bildung des Volkes sich noch nicht zu der Höhe emporarbeitete, um die alten angeerbten Vorurtheile abznlegen Eine scheinheilige Miene! Bald aber sah man ein, daß man mir einem solchen Grund nicht ausreiche, denn wenn man auch das Volk eines Mangels an Bildung beschuldigte, so kann man doch nicht einer gesetzgebenden Versammlung sv Etwas zum Vorwurfe machen. Und siehe, die schlaue Diplomatie fand bald ihr Auskunft--