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Der treue Zionswächter · 1849-02-09 · 6 (9.2.1849) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
6 (9.2.1849)
Date
1849-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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46 dicgene Gold unserer Lehre für den niedrigsten Preis au die Gegenwart verschachert? Habt ihr nicht an dem Bau der Jahrtausende gerüttelt und geschüttelt, daß er bis in seinen innersten Grund wankend geworden? Und weil wir dieser zerstörenden Wuth nicht länger zuschanen wollen, zuschaueu können, weil uns das Seelenheil unserer Kinder ans Herz gewachsen ist und wir ihnen den ganzen Inhalt unserer Religion unverkürzt zn erhalten wünschen, zeihet ihr uns der Bigotterie, des Jesuitismus, der Niederträchtigkeit, der geistigen Verdumpfung und all' der liebevollen, milden Ausdrücke, die nur «der Feind der Fanatiker und Verläumdcr" zu ersinnen im Stande ist? Weil wir von unseren Rabbinern etwas mehr, als den heuchlerischen Auslug einer pricsterlichen Salbung, etwas mehr, als die aufgetragene Schminke einer zugcstutzten ZeitbilduNg verlangen, weil wir von ihnen fordern, daß sie als Träger des rabbinischen Judcnthnmö, zuerst und vor Allem auch jüdische Rabbiner sein sotten, nicht aber von der Münzpräge der Zeit erst jede überkommene Wahrheit sich stempeln zu lassen, so nennet ihr uns Pfaffen, Dumme, Finsterlinge; aber ssaget uns doch einmal, wer hat euch denn zu. Pächterir der'Wahrheit gemacht, wer hat euch das-Privileg gium des Geistes verliehen? Ist es etwa eure? Acrseichtnng, mit der ihr nur an der Oberstäche: des Lebenö herumtappt,. nicht -aber insein tiefes geheimes Inneres euch zu versetzen vernröget? oder ist cs es eure durchlöcherte Weisheit, diemitdem frivolsten Leichtsinn über die ernstesten Seitender Religion hinwcgschlüpft und in den Spinngeweben sophistischer Träumereien die Endresultate gediegener Forschung erblickt? Wollt ihr denn allein, die Errungenschaften der Zeit in Sold nehmen, nnd sollen wir noch ferner unser Gewissen den Schergen zur Knechtung überlassen? Hatdcttn für euch allein der Gedanke die Fessel gebrochen, wir aber sollen ferner noch dem Geiste die freie Äußerung verwehren? Zu länge schon hat der Druck auf unsere Ueberzengung gelastet, zn lange schon ist unscrm Mcinüngsverkehr der Weg gehemmt gewesen. Jetzt werden auch wir das theure Geschenk der Gegenwart für u n s in Anspruch nehmen, Gewissens- und Religionsfreiheit sollen auch von nns als liebe, willkommene Gäste begrüßt werden, und w c nn ihr nach den Fleischtöpfe n A e - gyptens gelüstet, so wollen wir nicht fer n e r d i e K ö ch e b e z a h l e n. — vixi. Aus Aurhejjcrr. Die projcktirte Versammlung von Rabbinern und Lehrern, deren Aufruf in?No. 4 d. Bl. mit, getheilt, und welcher als Hauptzweck die Schulangelegcnheiten Kurhessens nnd namentlich den § 15 der von den Deputaten am 15. v. I. gefaßten Beschlüsse hingestellt hatte, soll, wie wir vernommen, in soweit zu Stande gekommen sein, daß sich im Ganzen 3 Rabbiner — unter ihnen zwei, von denen der Aufruf ausgegangen, und cirka 60 Lehrer eingefunden hatten. Was daselbst beschlossen, ist bis jetzt noch unbekanntsoll aber, sobald es zur Oeffentlichkeit gelangt, hier mitgetheilt werden. Im Übrigen schweben wir Juden Hieselbst noch in einer wahrhaften Gesetzeskrisis. Noch sind unsere veralteten, gänzlich unbrauchbaren Gesetze von 1823 mit den berüchtigten Norsteherämtern nicht äufgehoden; ebensowenig die Beschlüsse von Deputieren von No. 50 v. I sanktionirt. Erstere können äbdr:Unmöglich noch Gültigkeit haben, wenn sie auch -gesetzlich provisorisch noch beibehalten sind, da sie -fichs mit! keinem dem Gesetze von 1818, noch weniger unit dem am 1. Fcbr. d. I. in Kraft getretenen, vereinigen lassen. Wir 'müssen uns daher für's Er.ste wol noch gcoulden, bis die höchste Staatsbehörde? Muße5 gewinnt, dieses Gesctzcs-Dilemma zu lösen, damit auch wir endlich, wie die übrigen Staatsangehörigen,- uns der Wohlthat der Neligions- und Gewissensfreiheit zu erfreuen haben, nicht! fernerhin Laien über unser religiöses Bewußtsein, über unsere Geldbeutel schalten können nach eigenem Ermessen, wie dies bisher geschehen. Preußen. Berlin. Die Zahl der jüdischen Wahlmänner über das ganze Land beträgt im Ganzen nahe an 70. Da diese Wahlmänner überall aus Urwahlen hervorgegangen, mithin als wahrer Ausdruck der Volksstimmnng zu erkennen sind, so sehen wir darin, im Gegensätze zu jenem judenfeindlichen Treiben, dem sich in neuerer Zeit einige Blätter in gewiß höchstens mißverstandenen sogenannten Negierungs- Interesse hingeben, die längst anerkannte Bestätigung der Wahrheit, wie das Volk der Emancipätion nie

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