Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 6 (9.2.1849)
- Date
- 1849-02-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Phantasie sie beleuchtet! Die Phantasie? Za, auch sie ist ein Seelenleben, das im Gerümwel der egoistischen Leidenschaften untcrgehr. Zst Wahrheit in allem diesem, so folgt, daß Theilnahme an politischer Bewegung und Lehramt (in Kirche und Schule) nicht ohne erheblichen Nachtheil zu vereinigen sind. 4) Wenn das obige Prinzip vielleicht ein Zugeständniß an den austösrnden Geist der Zeit ist, so Siebt das gerechten Anlaß zu Befürchtungen für das Besondere wie für das Allgemeine. Das preußische Schulwesen galt bisher für musterhaft, und mit Recht, wenn man es mir dem anderer Lander verglich; der Sachkenner aber konnte sich nicht verhehlen, daß eS noch ziemlich entfernt war von seinem Endziele, der Vollkommenen Geltendmachung seiner wahren Prmcipicn. Wird eS nun ferner mit dem Erfolg nach diesem Ziele streben können, wenn eS an geeigneten Pflegern des jugendlichen Geistes fehlt, weil die, die es sein sollen, durch Theilnahme an dem bewegten, von Leidem schaffen durchwühlten politischen Treiben dem Stilleben entfremdet worden sind, in dem allein ihr heiliges Werk gedeihen mag? Dies für das Besondere: in Bezug aus das Allgemeine Folgendes. Der Staat ist in seiner Grundlage ein unmittelbares Werk GotteS eben so wohl wie der Sternenhimmel, die Erde, der Mensch/ er ist ein Sakrament; nur dcN Weiterbau auf diesig Grundlage hat der Schöpfer der Freiheit'des Mensches überlassen und ihm in der Vernunft seinen Bauriß mitgegebc'i. ' Ersteres bildet das ewige, Letzteres' das historische Element deS Staates. Die Ausiösiiii^ des. Historischen kann zuweilen weise, nothwendig/ 'ein Moment der Entwickelung sein; die Auflösung deS Ewigen führt unausbleiblich zum Untergänge/ und durch sie wird ein Volk zur Unterjochung reif. Wie viel oder wenig Werih meine Bemerkungen auch haben mögen, so hoffe ich mindestens, der beliebte Vorwurf inhaltslosen TheöretisirenS wird sie nicht treffen. Sollte es aber dennoch der Fall sein, so gestehe ich ungescheut, baß ich ein großer Verehrer der Theorie bin: ist ja doch Gott selbst die Theorie deS Universums. E. N. Religiöse Reform und gesellschaftliche Bildung Zn der neuern Zeit, in der angeblich so Mannigfaches und Vieles zur Hebung allgemeiner Vvlkszustände geschieht, wo man überall von Vvlksbewußtsein spricht, auf Bvlkerkraft und Enthusiasmus hinwirkt, ist es eine gewiß lehr-zu beachtende Erichen nng, wie man auf religiösem Gebiete ganz von entgegengesetzten Grundsätzen ausgehr, ein durchaus umgekehrtes Rer sultar zu erzielen bemühet ist. Nicht soll damirgesagt sein, als vernachlässige man etwa die sittliche, religiöse Bildung des Volkes, suche dasselbe in Unwissenheit und Rohheit zu erhalten; nein, man verläugner von unsrem Standpunkte aus dasselbe gänzlich, man stellt es ais so unbedeutend, als so wenig berechtigt dar, als ob eS kaum zähle, als ob eS sündhaft, dasselbe nur zu berücksichtigen. Stellen wir uns des Beispielshalber auf dem Standpunkt jüdisch-religiösen Gebietes, hören da nach wie vor, selbst unter den allbrausenden Stürmen der mehr als aufqeregten Gegenwart, daS ewige Geschrei von Fonschreiten in der Bildung, von zeitgemäßen Reformen im Gebiete der Religion, von dem Uedereinstimmm unserer Gefühlsweile mir dem Bewußtsein der Zeit, und wie die Schaar ähnlicher tönender Redensarten sonst noch heißen mag so dringt sich «nS. unwillkürlich die! Frage auf: Welche Klaffe der Gesellschaft hat maw denn eigentlichhierbei im Sinne? Oder liesi^man wie man hie und da jetzt mehr noch zinchör-Ueberzeugung gelangt sei, wie man sagt, die Religion von ihren Schlacken zu reinigen, sie in ihrer geistiglen Reinheit wieder herzustellen, veraltete Formen hinwegzuräumen und nur der Idee zu leben, fühlt man sich-da nicht gedrungen zu fragen, für wen denn eigentlich solche Reform? Für das Volk etwa? Das ist geistig noch immer nicht entwickelt genug für solche erhabene Auffassung, daS ist befangen und gefesselt von den Banden der Leidenschaft und des Materialismus. DaS klebt zu sehr an. alren Gewohnheiten und Vorurtheilen, als daß eS von denselben lassen sollte. Also nicht dem Volke gelten diese Reformen und« Verbes» serungen. Wem außerdem? Den Hochstehenden und Feinfühlenden, den Gebildeten! Also immer noch selbst eine exklusive Region, zunächst für eine aristokratische Noblesse eingerichtet. Wrr werden sehen. DaS Zudenkhum ist ein von Gott der Gesammrheit des jüdischen Volkes geoffcnbarte Religion. Diese Religion fordert von ihren Dekennern nicht nnr zu glauben, sondern ebenfowol zu thun und zu lassen. Durch die Geburt von jüdischen Eltern ist man verpflichtet dieser Religion anzugehören, die Gesämmrhrtt der Bekenner derselben heißen Zuden. Aber tm Verlaufe der Zeiten und der