Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 6 (9.2.1849)
- Date
- 1849-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Wo Überzeugungen und der Aeußerung derselben auf dem Gebiete der allgemeinen gesetzlichen Freiheit — also außerhalb des besonderen Amtes als Lehrer — kann eine Zurechnung und Verantwortlichkeit auf dem Gebiete der Disciplin nicht siattstnden. — Dazu erlaube ich mir, nun Nachstehendes zu bemerken: Wie viel Aufseher wären wol nöthig, um zu erfahren, ob etwa von funfzigtausend Lehrern in einer Million Schulstunden und Vorlesungen, also innerhalb ihres Amtes, etwas Verpöntes vorgetragen worden? Oder soll das der zufälligen Entdeckung überlassen bleiben? Und wenn es entdeckt wird, wie leicht ist es nicht, Worte, vielleicht schon vor längerer Zeit gesprochen, und nur von Kindern bezeugt, abzuleugnen, zu deuten, zu verfälschen! Wie beschränkt mußte ferner der Lehrer sein, der seine revolutionären Ansichten und Wünsche den Schülern unumwunden mittheilre, und sie nichts» einznkieiden verstände, daß er jeglicher Verantwortung überhoben wäre? waS so leicht ist, daß ich mich anheischig mache die gesammten Grundlehren der Demokratie aus dem l>ku§!8t6r-matll6S608 Herzule!ken7 Ist cs wahr, so folgr daraus, daß der Versuch, denr übelgesinnten Lehrer innerhalb seines Amtes Schranken Zu setzen, wohl meist ein fruchtloser sein wird. Hier hängt Alles von der Gesinnung ab, und diese spricht sich weniger in der beschränkten Amlslhärigkrir als in der Totalität des Lebens aus. . - 2) Wenn also schon in dieser Hinsicht die Handlungen des Lehrers außerhalb seines Amtes für die mit der Aufsicht Beauftragten von der größten Wichtigkeit sind, so verdienen sie auch darum die höchste Aufmerksamkeit, weil sie der Jugend die drohendste Gefahr bereiten, wenn dieselbe, wie der Hr. Minister mit vollem Rechte und' tiefem Ernste fordert, in Zucht und Sitte und in Achtung und Gehorsam gegen die bestehende Verfassung des Landes und seine Gesetze erzogen werden soll. Die Lehre bildet, das Beispiel erzieht. — Wenn nun Iugendlehrer sich an die Spitze demokratischer Vereine stellen und Revolution predigen, wenn sie wegen geschickter oder ungeschickter Nachahmung französischer Conventsreden bewundert, beklatscht, hinterher in einer Zeitung gepriesen werden, kann das den Schülern verborgen bleiben? Werden nicht, vielmehr die Eltern von ihnen selbst in die Versammlung gehen, um Augen- und Ohrenzeugen des Triumphs ihres Lehrers zu sein? Wenn er eine fulminante Drochüre oder einen energischen Zournalartikel gegen das Bestehende schreibt, werden sie nicht jenen und diesen begierig lesen, wenn er selbst vielleicht gelegentlich, absichtslos darauf hin» gewiesen? Wenn die öffentlichen Blätter seines LobeS voll sind, weil er alS Abgeordneter in der National- Versammlung mir glühendem Eifer für die Trennung der Schule von der Kirche, d. h.. im Sinne der Unmündigen groß und klein, für die Trennung der Erziehung von der Religion, gesprochen hat; werden sich die Schüler nicht des gerühmten Lehrers freuen? Werden sie nicht in diesen und allen ähnlichen Fällen, je mehr sie sonst ist dem Lehrer zugekhan sind, desto leichter in verirr» lunZistri schwärend, seine Ansichten und Bestrebungen zu den ihrigen machen? Wird dann nicht die sonst heilbringende Liede des Schülers zu seinem Lehrer Zührerin auf dem Wege unheilvollen IrrthnniS werden? Dennoch ist der Lehrer unverantwortlich, denn er handelt hier außerhalb seines Amtes, auf dem Boden der gesetzlichen Freiheit. Wenn er diese verläßt, so verfällt ei freilich dem Gerichte; aber hat ein politischer Verbrecher von einem Gerichte dieser Zeit zu fürchten? Und, fände auch eine Bestrafung statt, wäre das ein Ersatz für jahrelanges verderbliches Wirken, das vielleicht Hunderte von Jünglingen zu geistigen Krüppeln gemacht? 3) Stolz und Eitelkeit, Ehrgeiz »nd Gewinnsucht, Haß und Neid sind die gewöhnlichen Triebfedern der politischen Gahrnng, selten nur der wahre Fanatismus, noch seltener, höchst selten die Idee, wenn stauch dann und wann wie ein kurzer Sonnenblick durch des Staates.. Also Eursesselung des Ichs, des Egoismus im weitesten Umfange. Die Verbindung aber mir jenen dürren Leidenschaften steht dem GeinükhSleben durchaus entgegen, und, wenn überhaupt noch ein solches vorhanden ist, wird eS in dieser Verbindung verkümmern, vertrocknen, untergehen. Und doch, waS yer allem Andern, was mehr als alles Andere muß der Thätigkeir deS Erziehers und Lehrers zum Grunde liegen als das Gemükh? Die unendliche Wichtigkeit desselben im Umgänge mit der Jugend leugnet wol Niemand; aber nicht nur der Erzieher, auch der bloße Lehrer bedarf sein. Woher anders z. B als aus dem Gemüche kommt die unermüdliche Geduld, mit der dem Schüler oft ein einfacher mathematischer Satz in immcr neuer Wendung erklärt werden muß? Und wie gering ist die Zahl der Vorträge, die wahrhaft fruchtbar sein kynnen, ohne daß das Gemürh sie durchklingt, die