Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 2 (12.1.1849)
- Date
- 1849-01-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZH is M» hältniß über allem Zeitlichen stehe, daß dasselbe, als ein positiv uns gegebenes, frei von allem dem Zcitverhältniffe unterworfenen Wechsel sei, so können mir aber auch nicht umhin, anzuerkennen, daS wir Juden, gleich dem ganzen Menschengeschlecht« von der jtdmaligcn Entwicklung der Menschheit mit influirr wcrdcn daß die zunehmende Bildung der übrigen Nationen und Völker auch uns zu Gute komme, und daß wir endlich an der Beförderung der Ausbildung unserer Nebenmenschen einen bedeutenden Antheil haben. Neben unserer Aufgabe, das von unfern Ahnen uns vererbte Gut treu und sorgfältig zu wahren, eS durch alle Zcitslürme unversehrt zu erhalten, ist uns also auch die heilige Pflicht, an den Schickungen unserer Menschenkinder nach unseren Kräften zu betheiligen, unser Loos mir ihnen zu vereinen, und im innigen Anschluß an dieselbe zum allgemeinen Wvhle stets mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln beizutragen. Mit Freuden begrüßten wir deshalb im vorigen Jahre den Umsturz so vieler bisheriger Institutionen; Institutionen, die §analiemns, Intoleranz, Eigensinn, Wahn- und Irrsinn ersonnen haben Nicht brauchen wir hier durch ein specicllcS Eingehen in dieselben ihre Unhaltbarkett, wie das Unnatürliche und Ungerechte derselben nachzuweisct^ schon das beschränkte Wesen, welches dieselben in allen Thcilrn durchdrang, zeigt von ihrer Unzweckmäßigkeit. Sellen Gesetze daS Gesammtwohl der Menschheit befördern, so müssen sie vor Allem naturgemäß sein. Das, was uns in der Natur aber so wunderbar ansprichr, was uns allein, ohne Offenbarung auf ein höheres Wesen, welches Alles leitet, hinwcist, ist die Harmonie, die Einheit und Einigkeit zwischen den Geschöpfen. Diese selbst ist aber nur eine Folge der Gleichheit zwischen allen Dingen. Ein gleicher Antheil ist jedem Wesen an der Alles überwachenden Für- und Vorsehung. Nur der Mensch ist und war der Zerstörer dieser Harmonie. Selbstsucht erweckte in ihm den Neid, dieser den Haß welcher wieder alle Bande der Einigkeit aufiöste und den Zwiespalt erzeugte. Nicht erkannte ferner der Mensch in seinem Nebenmenschen ein ihm ebenbürtiges Wesen, forran herrschte der Stärkere über den Schwächeren, und die Einrheilung in Ständen war hiermit geschaffen. Diese widernatürliche Kiajsisicirung der Menschen finden wir in den Geschichten aller Na ionen, und dieses der wahren Bildung störende und h.mmendc Herrschersystem muß aufhören, wenn anders die Worte beS Propheten: „es wird kein Volk gegen daS andere das Schwert erheben", in Erfüllung gehen sollte. So lange noch Herrschsucht die große Triebfeder ist, welche den ganzen Staatenruder in Bewegung seht, so lange nicht das Wohl der Staakenmirgliedcr, sondern die eigne Größe die Sorge des Ober, Hauptes, sei es Kaiser, König, Fürst, Herzog, ist; so lange ist kein Weg angebahnr, daß jene Worte zur Geltung kommen können; darum sagten wir, daß wir den Sturz jener alten Institutionen mit Freuden begrüßten. Wir sehen in diesem Wechsel der Staatsverwaltung eine neue Stufe, welche die Menschheit in ihrer Entwicklung erreichte, die uns bedeutend näher unserm wahren Berufe entgegen führt. Nicht der geknechtete, noch der unter steter Aufsicht und Furcht vor Strafe handelnde Mensch wird eine wahre, hohe, sittliche Stufe erreichen, nur der freie, aus eigenem Antriebe khärige, kann mir Glanz seine Ausgabe als Mensch erfüllen. Es muß deshalb der Mensch selbst Theil haben an dem Gesetze, welches sein Leben, Handeln, Thun und Lassen regeln soll- Als ein von ihm selbst geschaffenes Produkt wird er es treu und sorgfältig bewahren, als sein Eigemhum wird er eS stets zu achten und schützen suchen. Ein solches Bei'piel erblicken wir in allen freien cvnstiiulionellen Staaten. Mit Stolz spricht der Engländer vön seiner Verfassung, mit Achtung von seinem Gesetze, und sucht dasselbe stets zu schützen und vor allem Angriff zu wahren; weil es als rin durch seine Vertreter ihm gegebenes, wie sein Eigenkhum lheuer «st. Je freier ein Volk, desto mehr Ansehen genießt das Gesetz. Und daß diese Epoche auch uns jetzt in Deutschland zu Theil werden wird, das verbürgt uns die Errungenschaft vom verflossenen Jahre. Möge der Ausgang der so bedeutenden und viel versprechenden Marzrevolurionen sein, welche er wolle, er sichert uns jedenfalls unsere Theilnahme an der Gesetzgebung, und dieser Gewinn ist so wichtig, daß wir darin allein schon einen großen Erfolg jener blutigen Tage sehen Heil Dir, deutsches Volk. Deine Selbstständigkeit hast Du nun erreicht, wahre, schütze sie, aber suche sie auch zu Deinem Frommen, zu nützen. (Beschluß folgt.