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Der treue Zionswächter · 1849-01-12 · 2 (12.1.1849) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
5 (1849)
Issue
2 (12.1.1849)
Date
1849-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'»M IS HZ. Was ist jetzt an der Zeit? Von S. (Fortsetzung.) .WaS die zweite Frage betrifft, so führt sie uns zu mehreren Betrachtungen. Erstens muß man, hat man es mit einem politischen Feinde zu lhun, der schon Terrain gewonnen, unS schon Manches genomr men hat, sein Augenmerk darauf richten, wie so er dies und lenes schon erreichte; dann aber muß man dieses ihm zu entreißen suchen, muß ihm die Mittel, die ihm bis sehr zur Hülfe gekommen, nehmen, und so sein ferneres Vordringen zu verhindern suchen. Nun ist es aber unbezweifelr, daß unseren jüdischen Radikalen nichts so vielen Vorschub leistete, ihr unheilvolles Werk zu beginnen, und sie durch nichts so leichtes Spiel bei ihren Unternehmungen harren, als durch den religiösen Indifferentismus. Der Inden, die von ihrem Glauben durchdrungen sind, für ihn Interesse und Gefühl haben, werden die eifrigsten und gewandtesten Neuerer, bei allen ihren Bemühungen nur leeres Stroh dreschen, wenn der Glaube rief un Herzen wurzelt, der in ihm sein Heil seine Seligkeit findet, wird diese seine Seligkeit, sein beglückendes Gorcvertrauen, seine heiligen Hoffnungen nicht so leichten Kaufes für sinn-und geistsich seinen Gort, seine Lehre, seine Vergangenheit und Zukunft nickt dnrck cpikuräische Sophismen wcgvernünfreln lassen. Wer aber seinen angeborenen Granden nur wie alres, aus Gewohnheit IiebgewonnencS Kleid kragt, ohne für ihn auch warmes Interesse zu empfinoen, wer ihn höchstens mir Mund und Lippe, nicht fiüssen demnach spurlos an ihm vorüberging, und sein Inneres leer und öde ließ, dieser ist eine leichte Prise für unsere AnfklärungShelden mir ihrem philosophischen wenn auch ganz Wesenloses bieten; er erhält doch ein schönes Spielwerk, an dem sich sein Auge und Ohr, wenn gleich nicht sein Herz wendet, es sagt ihm zu, sich in seinem liebgewonnenen alten Kleide doch bequem und ungenirr nach Herzenslust bewegen zu können. Wol gab diesem der aufgeklärte Schneider statt des altmodischen, knappen, durchaus genirenden, einen der jüngsten Mode entsprechenden Zuschnitt; beweist ihm aber auf acht wissenschaftlichem Wege, daß es dennoch daS Alte, ihm längst Gewohnte sei, dasich zu dieser Methamorphose foctgebilder hat, er, der doch früher auch nur ein Wort ohne Inhalt besaß, findet sich dadurch angezogen, daß er in seinem alrneuen Rocke gleich jedem Stutzer einherfchreiten kann. — Solcher Subjekte fanden unsere Schöngeister nur zu viel vor, bei denen daS Proselytenmachen ihnen wenig Mühe kostete. Wenn wir nun auch durch das Ausscheiden solcher Glieder wenig verlieren, gewinnen doch unsere Gegner burck deren Anwerbung, und zudem, wenn auch ein sckon Reformirrer schwerlich mehr ans rechter Bahn zu bringen ist, so ist es doch ein Leichteres, den nur noch Indifferenten Interesse für seinen Glauben, sür's wahre Indenlhum einznfiößcn. Und dies schien uns heilige Pflicht jedes Befähigten, nach Kräften seinen Bruder im Glauben zu stärken, Sinn nnd Gefühl für ihn zu wecken. Am meisten ist dies aber Obliegenheit der orchodoven Rabbinen. Sie sollen ihre Gemeinden fleißig durch das Wort Gottes erbauen, auf ihre Gemürher einzuwirken suchen, die nach Empfänglichkeit ihres jedesmaligen Auditoriums zu bestimmende geeignetste Einkleidung und äußere Anordnung ihres Vortrags wählen, wodurch dieser fleißig besucht, aufmerksam zugehört und rief beherzigt werden wird. Lerne»' w«r von unfern allen?'7ci7. Die einen begleiteten ihre moralischen Vorträge mit Aesopischen v'^>Lp, die Andern mit mi'pp, nock andere mit einem künstlichen cn? Ge» webe. Ihnen allen war es nickt um ci-n und zu thun, sondern um den innewohnenden moralischen Kern; sie richteten sich aber immer nach dem Geschmacks ihrer Zuhörer, und mir dem, wofür sie diese am Empfänglichsten wußten, überzuckerten sie ihre Serlenarzneiei'» um den Gaumen zu kitzeln, um mit dem Angenehmen auch das Nützliche in deren Herz zu pflanzen. So wollen auch wir verfahren. So wie eS Unsinn wäre, einem Franzosen eine ungarische, oder einem Ungarn eine französische Predigt zu halten, so ist es auch ganz zweckwidrig, einem, ans lauter Individuen, der ger«naen oder ungebildeten VotkSklasse, die kcm riwtig deutsches Wort verstehen, bestehenden Auditorium eine hochtrabende, mit unzähligen Kunstwörtern und hohen Phrasen gespickte deutsche Predigt zu halten- Dieser wird ganz wirkungslos bei ihnen sein, weil sein AenßereS sie schon als ihnen unverständlich kalt laßr; der ganze Vorrrag geht für sie verloren, und sie müssen so auf diese große Wohlkhar der Synagoge verzichten. Dies ist aber die größte Besördtrung des Intifferenlismus, wenn die

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