Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 5 (1849)
- Issue
- 1 (5.1.1849)
- Date
- 1849-01-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2625941-2626254-2626256--1708-2629373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
heit unsere Nationalität neben unserm Dürgerthumzu wahren. Es hat die neue Zeit gelehrt, daß zum Typus der Nationalität nicht unbedingt eine vollständige Gleich, heit in allen Lebensverhältnissen erfordern. Wir können dieses am besten in unserm Deutschland wahrnehmen. Kein anderes Band soll alle Staaten die an Sitten, Gebräuche. Lebensweise und Lebensanschauungen so sehr von einander abweichen, zu einer großen Einheit ».reinigen, als die Sprache. Wir haben also nun daS Recht, unsere jüdische Nationalität, die nichts weiter ist, als das religiöse Band zwischen allen Juden, die ans der ganzen Erde zerstreut von einander leben, zu wahren und zu schützen, und uns dabei zugleich als ein solcher Volksmann zu agiren, wie es unser Ge» burrSland erhei,chr. Unser rel giäseS Jnrresse liegt ganz außerhalb unseres Bürgerthums! Darum behaupten wir, daß das Judenthum wol neben jedem andern Volksthum bestehen kann und nicht, daß es in diesem aufgehen müsse. Weg daher mir allen den modernen Forderungen, lasser uns als Männer daS Wohl des SraaceS fördern, nicht aber diese hier gewonnenen Ansichten auf einen fremden Boden übertragen. Das Judenthum als ein uraltes göttliches Institut kann seine Physiognomie nicht nach Revolutionen wechseln. Lnfn w'2L f>!> '7 Zum Schlüsse noch ein Wort an Dich, lieber Leser. Empfange meinen Dank für die gütige Mühe, die Du Dir nähmest, mir auf diesem holperigen Wege Deine kostbare Z-.ir nicht auf eine angenehmere Weise verkürzte. Es fehlte mir dazu an Muße. Hoffentlich sprechen wir uuL in 8 Tagen wieder. Lebe bis dahin recht wohl, und gedenke mriner. '?v. Was ist jeHL an -er Zeit? Von S. Jedem Juden, der dies wirklich ist, der ein Glau, den und ein varmcs Gefühl für denselben har, mußte daS Herz bluten bei dem in neuester Zeit sich kundgebenden Eifer der Zerstörung und des Niedcrreißens alles srltcn, wenn noch so heiligen im Gelnere der Religion. Wie man sich erkühnte, auch da Hand ans Allerheiligsie zu legen, wie alles Bestehende, Gegebene und Positive vom Judenthum allmähiig sorrgewischt wurde, wie man mir einer Fortbildung des Religiösen begann. und so lange fort und foribildete, bis man daS ganze Judenthum und das Leben fortgebildet hatte und man diesem nicht etwa ein neues Kleid, sondern einen neuen, ganz neuen Körper, eine völlige, sein innerstes Wesen berührende Umgestaltung zu geben sich erdreistere. Und der Frivolirär, deS JndifferentiSmus wagt man noch Judenkhum zu nennen spricht vom positivchistorischem Judenrhum, vielleicht, weil dieses nur etwa noch historisch fortleben soll. Jeder gläubige Jude mußte da sich gekränkt und empört fühlen, ob der Vermessenheit der sich unterfingen, ob der bechörren Blindheit der Vielen, die sich von Solchen verführen ließen. Doch nicht ist es an der Zeit anzuklagen, zu verdammen, sich abzuhärmen, zu verzweifeln; der Worte sind bereitzu viele und vergebens verschwendet worden, eine Zeit, wie die unsrige fordert Thaten. vollgültige, gewichtige Thaten, Deshalb wollen wir es hier zu erörtern versuchen : Wie sich zuvörderst unter jetzigen Verhältnissen das orthodoxe Judenrhum dem Nichtjudenrhume gegenüber zn verhalten? Was es dann und ferner zu thun, um seine Anhänger vor Verführung zu schützen, sie dem angestammten Glauben treu zu bewahren? WaS die erste Frage betriff», dürfte es schwerlich mehr von irgend einem Einsichtsvollen bezweifelt werden, daß hier ein entschiedener Schritt Noch chut, und es hier nichc chunlich ist, sich mir unfern Gegnern fernerhin in Streit zu legen, ob sie, ob wir Recht hätten, auf welcher Seite Jrrchum und Frevel sich befinde. Sie leben nicht so, wie wir als Inden zu leben verpflicht« uns überzeugt halten, sie geben für Judenrhum aus, was lins kein solches ist, sie enräußern sich des Judenthums, welches unserer Ueberzeugung gemäß daS einzige, allein wahre ist, sie sind folglich unfern innersten Gewissen nach keine Inden, und wir haben uns im socialen Leben ihnen gegenüber so zu benehmen, wie gegen jeden sonstigen Nichtjuden, was sie uns auch gar nicht übel nehmen können, weil doch jeder nur nach seiner subjektiven Ueberzeugung handeln soll und kann. Nehmen doch diese Herren die Jdeenroleranz so gerne für sich in Anspruch, und sind sehr erboßc darüber, wenn man sie in der Ausübung der ihrer vorgegebenen Ueberzeugung, konsequenten Praxis stören stören will. Nun, wir haben auch eine Ueberzeugnna, wollen dieser gemäß konsequent handeln, und man könnte uns dies verargen? Hier wirft sich uns aber