Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 52 (29.12.1848)
- Date
- 1848-12-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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heimkehren werden. Aber am liebsten sammeln sie sich in den vier heiligen Städten, Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias. Im Allgemeinen rheilen sie sich in zwei Hauprstämme, die spanischen oder portugisischen und die polnischen oder deutschen, die Sephardim und Aschkenazim. Die spanischen Juden im türkischen Reiche sind Unkerchanen der Pforte, und stehen daher auch unter der politischen Aussicht ihrer Oberrabbiner. suln. Die Aschkenazim sind jedoch ln Syrien meist sehr arm, fast nur Bettler, und leben von den bei ihren europäischen Brüdern gesammelten Almosen, wodurch sie natürlich in eine große äußere Abhängigkeit gelangen. Die Zahl der Juden läßt sich in Syrien nur im Allgemeinen bestimmen, doch sollen ihrer in Jerusalem gegen achttausend, etwa die Hälfte ihrer Gcsammreinwvhnerzahl, in Hebron vierhundert, ebensoviele in Safed, dreihunderr in Tiberias, in andern Städten noch etwa zweihundert sein; unter diesen besteht in Jerusalem ein Drirrheik, in Hebron die Hälfte, in Safed und Tiberias die Mehrzahl ans deutschen Juden. Der Gottesdienst der Juden ist jetzt ohne Opfer, ohne Altar, ohne Leibrock und ohne Heiligthum. Sic haben nur Schulen (Synagogen), in denen zugleich der Gottesdienst verrichtet wird, keine Tempel. In diesen Synagogen halten sie regelmäßig die Stunden des Gebetes und klagen ihre wehmürhigen Litaneien um den zerfallenen Tempel und um die geschwundene Herrlichkeit Jerusalems. Schon um Mitternacht findet man sie in Andachrsübungen, Asche auf ihr Haupt streuend, betend für ihr eigenes Heil und das Heil ihrer mir weltlichen Dingen beschäftigten entfernten Brüder. Diese Beker werden aber auch von ihren Brüdern in aller Welt unterstützt, und mancher Reiche in der Fremde unterhalten solche, die zu Jerusalem für sie beten müssen. Nicht minder von Interesse sind die Nachrichten, welche Herr Strauß über die jüdischen Sekten gibt. Eine besondere Sekte bilden die Korairen, welche alle Tradition und Menschensatzung verwerfen und sich nur an das geschriebene Wort Gottes halten. In der letzten Zeit waren nur zwei Familien dieser Sekte in der Stadt. Sie haben manches Abweichende in der Form ihres Gottesdienstes, dem Schlachten der Tyiere, u. s. w.; alle ihre Lehren sind in zehn einfachen Glaur benesätzen zufammengefatzt. Eine andere Sekte, die der Chasidim oder Frommen. Sie geben vor, in einer näheren Verbindung mir der Engelwelt zu stehen nnd beschäftigen sich daher mehr mir mystischen kabballistischen Schriften als mir den Talmud. Die Juden zu Jerusalem zeichnen sich durch ihr eifriges Studium aus, sie haben nicht weniger als sechs und dreißig Lehranstalten. Obgleich es emlencktet, die eine so große Anhäng- und dorr ihr Leben beschließen seien am wenigsten fähig, von christlichen Missionären bekehrt zu weroen, so haben dennoch zuerst nordamerikanische, dann englische Bekehrer diesen vergeblichen Versuch gemacht. Herr Strauß sucht zwar die Missionäre in Schutz zu nehmen und gegen die Verlaumdungen zu verkheidigen, denen sie ausgesehc worden; allein das Resultat, daß sich die Juden in Jerusalem überaus schwer bekehren lassen, muß er zugcden. Deutsche, namentlich aus dem Handwerkerstände halten sich zu vielen Hunderten im Morgenlande auf. Wegen ihrer Geschicklichkeit und ihrer Ausdauer sind sie dorr vorzugsweise gesucht, und bei den hohen Preisen für europäische Arbeit haben sie leicht mehr als hinreichenden Gewinn. Aber diese Leichtigkeit des Erwerbs verleitet sie auch, sich allen Lastern hinzugeben, und es ist leider allzu bekannt, wie schnell der Deutsche m der Fremde die Schranken der Zucht und Sittlichkeit überschreitet Während nun an allen g'ößeru Orien des Morgenlandes Kirchen und Kapellen der Engländer und anglikanische Geistliche sich finden, während d«e römische Krrche überall stark vertreten ist, wird den deutschen Protestanten von der Kirche der Heimach nirgends geistliche Pflege geboren. Einige treten daher über zu andern Kirchen; die Mehrzahl dagegen sinkc immer tiefer in religiöser und sittlicher Beziehung. Sie verlieren alle Lust und Kraft zur Arbeit, und werden schaamlose Bettler. So ist es dahin gekommen, daß, wenn ein Laster gerügt wird, das Sprichwort der Morgenländer in Aegypten sowol wie im h. Lande sagt, ein Deutscher habe es gerhan. Bischof Samu.l Gobat klagr schon bei seinem ersten Osterfeste auf Zion, daß viele deutsche Handwerker gekommen seien, zur Schande des Volkes, dem sie augehören. Einer unur ihnen, der schon Reisegeld b-s Egypren vom Bijchrf empfangen hatte, ging zu unserm Konsul und ver-