Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 48 (1.12.1848)
- Date
- 1848-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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den Christen tragen müssen, so beläuft sich die Gesammtsumme, welche die Juden in diesem Lande zahlen müssen, auf mehr als 3 Millionen Fl. C. Münze. Zieht man nun in Betracht, daß in dieser ganzen Monarchie nur 600,000 Juden wohnen, so muß man staunen, über die Möglichkeit, diese Stenern herbeischaffen zu können! Za, wundern muß es uns wahrli-b, daß in gegenwärtiger Zeit, wo selbst der Neger auf Hairy sich einer ungebundenen Freiheit erfreuen kann, noch ein christlicher Staat in der Milte Europa'- vorhanden ist, in welchem man, der humansten Vorbilder ungeachtet, die Zuden noch so sehr unterdrückt! Wundern muß eS uns, hier diese noch so allgemeine Herrschaft der Vorurrheile und diese finstre Intoleranz zu finden, bei allem Lickte, welches Philosophie und Erfahrung aufgcfieckt haben! Das Zeitalter ist aufgeklärt, alle Mittel zur staatsbürgerlichen Verbesserung der Juden sind gefunden und öffentlich Preis gegeben, um in allen Staaten angewendet zu werden. Schon bas Kind lallt vor jedem andern Worte den Namen Vater auf der Mutter Schooße; Vaterland Vaterstadt, Landesvaker, König, sind jedem theure Namen. Der Zugend werden die Pflichten gegen das Vaterland rief eingepräg«, um bei ihrem künftigen Streben kein anderes Ziel vor Augen haben, als dem Vaterlands Ehre zu machen. Mit Freuden ergreift der Züugling den Wanderstab, in der Absicht, seinen Geist in den entferntesten Gegenden auszubilden, mir Kenntnissen mannigfacher Art sich zu bereichern, Erfahrungen in allen Gegenständen des Wissens und des praktischen Lebens zu sammeln, um mit solchen einst m das Vaterland heimzukehren und da die Früchte seines erworbenen Gutes zu genießen. Der Gewerhsmann strebt seinem Vaterland« Ehre zu machen, der Gelehrte ist bemüht, ihm den Lorbeerkranz des Ruhmes und der gekrönten Auszeichnung zu verschaffen. Den Krieger ckeseelr nur der Much, weil er für das Vaterland kämpft, für dieses will er gewinnen oder verlieren, erobern oder unterliegen. Kurz alles Große und Erhabene, alles Edle und. Vollkommene geschieht aus Liebe zum Vaterlande. Aber jeder erntet auch die Früchte vom Samen, den er mit Freuden und Zuversicht auf den Boden des Vaterlandes gestreut hat. Alle Pforten zu seiner Ausbildung, seiner Bereicherung und höheren Entwickelung sind ihm geöffnet, keine Quelle des Ruhms und Heils ist ihm verschlossen. Mitmeister wird er als Handwerker, Mitkoüege als Beamter, Mitglied als Kaufmann und Fabrikant, Waffenbruder als KriegSmann genannt,' und Mitbürger nennt ihn jeder, mit welchem er auf irgend eine Weise in Berührung kommt. Der Jude hingegen, frei und mit gleichen Narurgaben, wie jeder feiner Landesbrüder geboren, mir gleichen Gefühlen begabt, von gleichen Wünschen beseelt, gleiche Anhänglichkeit und Liebe zu seinem Barerlande hegend, gleiche Bedürfnisse fühlend «nd nach gleichem Ziel strebend, dieser soll, weil der Zufall der Geburt ihm einen andern Namen gab, als ein Mensch fremder Gattung angesehen werden, und deshalb seiner natürlichen und politischen Rechte, seiner geistigen Freiheit, seines schönsten, grüßten und theuerstcn Geschenkes, welches er von der Natur empfangen, seines höchsten, menschlichen Gutes beraubt sein? Soll auf Alles Verzicht leisten müssen, dessen er zu seiner Erhaltung, seiner Glückseligkeit, wie jeder andere bedarf? Soll in dem Lande, in der Stadt, in welcher er daS Licht der Welt zuerst erblickte, als Fremdling betrachtet werden? Der unendliche Raum der Natur ist seiner Thätigkeit aufgethan und nur veraltete Statuten verengen ihn diesen, weil sie einmal des UnrerchanS StaatSvortheile mir der Geburt und mit dem Glauben verbunden haben? Als ein wichtiges Problem muß es daher in den Augen des Beobachters erscheinen, daß Oesterreich, in der Mitte der Aufklärung, Oesterreich, weiches längst in der Geschichte als ein civilsirrer Staat mit Recht bezeichnet ist, und dessen Regenten fast zu allen Zeiten zu den Guten und Gereckten gezählt werden, daß gerade dieser Staat in so manchen Dingen allen andern Staaten nachsteht, und namentlich in Ansehung der eben so gerechten als nvthwendigen Beförderung der Zuden zu Staatsbürgern weit zurückgeblieben ist. Sollte die Fackel der Aufklärung nur Trauerfackel sein, die betrübten Tage der Zuden zu beleuchten? Sind ihre Ansprüche auf den Genuß bürgerlicher Rechte minder vollwichtig als die ihrer christlichen Landesbrüder, sind sie dessen etwa weniger fähig als diese? Gehören nicht auch die Juden zu den Gliedern der großen Sraatskette, sobald sie mit den übrigen Unterchanen gleiche Pflichten zn erfüllen haben und gleiche Lasten tragen? Sollten sie nicht auch gleiche Wohlthaten dem Staate zu verdanken haben? Kaum können diese Fragen ohne Selbstverlaugnung von irgend einem Oesierreicher beantwortet werden, der von der allmähligen Verbesserung des Kulturzustandes der Juden in Oesterreich überzeugt ist, und das bessere Streben