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Der treue Zionswächter · 1848-11-24 · 47 (24.11.1848) · page 5

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
47 (24.11.1848)
Date
1848-11-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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es nichts versäumen, die Sacke unseres ' heiligen Rechtes zum ersehnten vollen Ziele zu führen. Allein es muß zur Lösung dieser seiner Aufgabe ganz vorzüglich auf Euch Alle, meine geliebten Brüder, rechnen, daß nicht, Gott behüte, gedankenloser Unverstand Einzelner unter Euch neue Schwierigkeiten erhebe, und den Feinden unserer Sache willkommenen Grund zur Anklage und Verdächtigung biete. Und eine solche Gefahr droht allerdings, wenn die inneren Angelegenheiten unserer Gemeinde setzt, an der Schwelle der Freiheit, ja aus Veranlassung dieser Freiheitshoffnung Hader nnd Zwist, Zerwnrfniß und Zerrüttung herbeiführen sollten. Das Komitee hat daher mich ersucht, in meiner Eigenschaft als Präses derselben, mehr noch als Oberlandesrabbincr, dessen geringen Kräften Ihr, geliebte Brüder, die noch höhere Sorge für den geistigen Bestand unserer Gemeinden anvertraut. Euch, meine Brüder, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen, nnd Euer Aller Wohl Euch Allen zusammen nnd jedem Einzelnen dringend, ans Herz zu legen. Höret auf meine Stimme, geliebte Brüder, in dieser ernsten Zeit, und Gott wird mir Heil und Segen Euch erhören! Einigkeit, Einigkeit, Einigkeit ist unsere Kraft; Entzweiung wirft uns zu Boden! . Nur mit einigem Sinne werden wir diese ernsten Prüfungszciten bestehen, und den nnS noch bevorstehenden Weg zum ersehnten Ziele glücklich zurück legen. Wie würden die Feinde unserer gerechten Sache jauchzen, wenn schon der erste dämmernde Freiheitsstrahl Entzweiung in unsere Gemeinden bringen würde! Wie würden sie schadenfroh mit Fingern auf uns weisen: „seht, ist dies Volk wol zur Freiheit reif, kann es anders als unter Joch und Peitsche erhalten werden? Kanm wird ihm die Hoffnung auf Freiheit, entzweien sie sich unter einander, und ihr Heiligstes geht zu Grunde!" O, meine Brüder! Gönnen wir unfern Feinden diesen Triumph nicht! Laßt uns Zusammenhalten, und jede Gemeinde erledige ihre innen: Angelegenheiten, namentlich die Präliminare der innern Bedürfnisse für das nächste Rechnungsjahr, auf friedlichem Wege, ohne der Schlichtung der Behörden zu bedürfen. Ist ja ohnehin noch alles hinsichtlich unserer innern Angelegenheiten gesetzlich Bestandene noch in voller Kraft! Ist ja das Prinzip der Gleichstellung der neuen Gemeindeordnung, welche allerdings eine wesentliche Umgestaltung auch unserer Gemeindeverhältnisse notwendig machen werden, noch nicht zur Gesetzeskraft erwachsen Bei Allem, was uns Allen theuer und heilig ist, beschwöre ich Euch daher, geliebte Brüder: Rütteln wir nicht an dem alten Bau unseres Gemeindewesens, bevor wir den Gesetzesboden für einen Neubau gewonnen! Trage Jeder noch dieses Jahr, wie bisher zu den bestehenden Anstalten und Bedürfnissen seiner Gemeinde bei, und versündige sich nicht im Namen der Freiheit an unfern heiligsten Gütern und Aufgaben! Sobald wir den neuen Rechtsboden gewonnen haben werden, wollen wir alle gemeinschaftlich die Verbesserung und dann nothwendig gewordene Umgestaltung unseres Gemeindewescns berathen. Bis dahin ist es uns heiligste Gewissens- und Ehrenpflicht, das Bestehende zn erhalten! Wehe dem, der aus Selbstsucht und Engherzigkeit diese Pflicht mißkennt! Wehe dem, dem unserjüdisches Gesammrwesen, unsere jüdische Gesammtehre, unsere jüdischen Gesammtheiligthümcr nicht mehr gelten, als die Geldessumme, die er etwa durch selbsüchtigen Zwist und Hader zu ersparen gedenkt! Segen, des Himmels besten Segen Allen und Jedem, die die Zeit und ihre Aufgabe begreifen, und um ihres Volkes Besten gerne zu jedem Opfer bereit sind! Segen Allen, die im echtjüdischem Sinne de» Geist des Friedens, der Einigkeit nnd des Gemeinsinnes erhalten, und mit heilbringendem Beispiel voranleuchien, „diese Verständigen werden leuchten, wie der Glanz des Himmels, und die, die Gesammtheit beim Rechten erhalten, wie die Sterne ewiglich!" (Dan. 12, 4.) Nikolsburg, v'-w b''. (8. Okt. 18l8.) Der Oberlandes-Rabbiner Hirsch.

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