Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 47 (24.11.1848)
- Date
- 1848-11-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gewünschte so leicht fördern hilft, verabsädmen, und ruhig der Entwickelung der Dinge Zusehen? Nicht wollen wir ferner jenen alten Vorwurf, daalre Zudenthum. oder richtiger dre Bekenner des alten ZudenthumS haben nie für die Förderung desselben Sorge getragen, auf uns ruhen lassen; wir wollen gerade zur Förderung desselben nun jene, die uns den Vorwurf Mächen, von unS ganz und gar entfernen, und dann ohne diese fremdartige Mischung innerhalb des ZudenrhumS mit der größtmöglichsten Kraft wirken. Und dazu ist die Reorganisation der Gemeinden eine nvthwendige Bedingung. Nur wenn solche, die von gleicher Gesinnung und gleichem Streben, mit einander verbunden sind, dann ist es möglich, durch die so vereinte Kraft aker äußeren reformistischen Bestrebungen Trotz zu biwess«. Zudem wir aber so unbedingt eine neue Gestaltung der Gemeinde und ihrer Verhältnisse fordern, finden wir es auch zugleich für nochwendig, anzugeben, wofür ein Streben die neue Gemeinde beseelen müsse, und welche Elemente sie aufnehmcn könne. Zu allen Zeiten und in allen Orten, wo und so lange Israel mit Leib und Seele an dem einzig durch alle Gefahren hindurch geretteten Erbe hing und hierin allein seine Größe zu erstreben suchte, war es stetdie Aufgabe der Gemeinte, durch Aufnahme großer und anerkannter Autoritäten zu glanzen. Einem im Gesetze und in Religiosität ausgezeichneten Rabbi an der Spitz« zu haben, war der höchste Glanz und die höchste Würde für eine Gemeinde. Und in der Thar konnte diese auf ein solches Oberhaupt stolz sein; sein Leben und Wissen war von dem allergrößten Einfluß für klein und groß, für jung und alr; Zeder nahm sich den Rabbi zum Muster. Der Züngling hörte vom großen Fleiße devon allen geachteten Mannes, hörte, baß man durch Fleiß zu einer Würde gelangen könne und mir au-r dauerndem Beharren verwendete er seine Zeit und Muße im Erlernen beS göttlichen Gesetzes. Der im Alter vorgerückte Mann ahmt dem ächt religiösen Leben seines Rabbi nach, und er unterwarf seine Handlung deshalb einer genauen Prüfung. Zm Allgemeinen wirkte schon die bloße Autorität deS Rabbi so stark, daß aus Ehrfurcht vor ihm, jedes Mitglied sich sittlich und moralisch zu stärken suchte. Dieaber fand nur so lange in Israel statt, wie lange die Achtung vor dem göttlichen Gesetze im Volke wach war. Anderober ist es in der neuesten Zeit. Vielfach hat da- Gesetz nicht nur sekn§ Achtung, sondern seine Geltung verloren, ja bei Vielen ist eS ein Ruhm nicht zu leben wie das Gesetz eS fordert; dem Gesetze entgegengesetzt zu handeln, halten sich Andere berufen, und so sehen wir bei vielen Gemeinden, die einst im Judenthume glänzten, des Gesetzes Ansehen ganz schwinden. Da- Streben der neuen Gemeinde muß daher fein, «S muß wieder die göttliche Lehre als Richtschnur für jeden Juden bienen, und daß diesezur Wirklichkeit werde, darauf muß das ganze Augenmerkder Gemeinde gerichtet sein. Sie hat zunächst würdige und allgemein anerkannte Männer anzustellen, die durch ihr Wirken den religiösen Sinn wieder erwecken, und wo er sich bereits vornnder, durch Lehren und Muster» volle Tharen zu erhöhen. (Beschluß folgt.) Die Juden i« Oesterreich. AuS Dr. M. Pinner's: Offenes Sendschreiben an die Nationen Europa'S. (Fortsetzung.) Böhmen. Eine kaiserliche Verordnung vom 3. August 1797 gestattet allen Juden dieses Landes die Betreibung von Gewerben gleich den Christen. Seit dieser Zeit sind verschiedene bedeutende Fabriken von mehreren Zuden in Prag angelegt worden, welche in kurzer Zeit mehr als 1000 Arbeiter beschäftigten und deren Waaren auch jetzt, sowol in Anse, hung ihres GehalreS, als ihrer schönen und geschmackvollen Desseins, mir ausländischen Fabrikaten wetteifern. Nur den jüdischen Fabrikanten »st eS erlaubt, außerhalb des ZudcnvierrelS zu wohnen. — Schon im Jahre 1812 waren in Prag 400 jüdische Handwerker. Ausser den Zudensteuern müssen die böhmischen Zuden Verzehrungssteuer zahlen, diese liegt auf dem Fleisch, welcheüberall ein Drittel theurcr ist§ als dachristliche. Zn Prag haben di- Juden auch Domestikalsteuer zu zahlen, um die Normalschule zu erhalten uad die Pflasterung und Beleuchtung der Zudenstadt. —- Die Zahl der Tolerirten ist genau bestimmt und darf nicht vergrößert werden, so daß von acht Brüdern nur der älteste heiräthen kann, welchemit vielen Kosten und höchst lästigen Formalitäten, wie z. D. dem ReligionSexamea der Brautpaare verbunden ist. Zn Mahren beläuft sich die Zahl der Schuhjuden auch 5400 und in Schlesien auf 119. Diese