Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 46 (17.11.1848)
- Date
- 1848-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Das iu der Brust der Völker neu erwachte Rechtsgefühl hat die ersten Früchte des Heiles uns gebracht. Mit an Einstimmigkeit grenzender Stimmenmehrheit haben die Abgeordneten des Volkes in der konstituirendcn Rcichsversammlungdic Aufhebung aller Iudensteucrn ausgesprochen, und froh dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß dasselbe Necktsgcfühl nunmehr auch bald alle anderen Fesseln und Schranken brechen werde, mit denen eine irregeleitete Vergangenheit in Wahn und Vornrthcil sich und uns herabgewürdigt; wir dürfen hoffen, die Zeit sei nun nicht mehr ferne, wo dem Inden auch in unserem schönen Vaterlands voller, gleichberechtigter Theil an allen Pflichten und Rechten gegönnt sein werde, und wir als Menschen unter Menschen, als Bürger unter Bürgern, jedem redlichen und guten Streben gleichberechtigt unsere Kräfte zuwenden können. Allein, geliebte Brüder, dieser so sehnsüchtig von uns herbcigewünschte Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Rechtes über die Gewalt, des reinen Gottbcwußtseins über Vorurtheil und Wahn, wird uns nur dann zu Heil und Segen gereichen, wir werden uns nur dann seiner Wahrheit freuen können, ja wir werden uns nur dann seiner dauernd zu erfreuen haben, wenn wir als Inden ans dem Ringen um diesen Sieg Herr ergehen, wenn wir als Inden die Früchte dieses Sieges genießen wollen, wenn wir mit doppeltem Ernst, mit doppelt entschiedener Kraft nun in dieser freier» Zeit die Er, tuiltung unserer Religion und ihrer Heiligthnmcr, die Vollendung.aller hehren Aufgaben des Iudenlhums anstrcbcn, und die Heiligthumer, mir innigster, lcbendigstcr^iebe umklammern werden, für die unsere Väter und wir solch' jahrhundertlange Schmach erduldet. Tenn wahrlich, meine Brüder, was hätten wir errungen, wenn wir nun, wo wir so Gott wirk, bald freie Inden sein können, aufhören wollten, Juden zu sein! Mit Gleichgiltigkeit gegen unsere Gotteslekre hatte Jeder von uns schon längst die gleichberechtigte Stellung auf Erden erkaufen können, und cs hätte nicht des jahrhundertlangen Zlnsharrsns, des jabrhnndcrtlangen Duldens aller Schmach Nüd allen Elends bedurft! Das fühlt gewiß ein Jeder von Euch, geliebte Brüder, und gewiß täuscht die Hoffnung nicht, daß, sobald wir nur erst das volle Recht, die Völle Freiheit errungen, wir damit zuerst dem gütigen Lenker unserer Geschicke das Opfer unseres Dankes bringen werden, daß wir sodann in einträchtiger, brüderlicher Vereinigung alle unsere Kräfte dahin richten werden, nunmehr ein frischeres, lebendigeres Gemeinddlcben in unserem jüdischen Kreise zu weilen, und auf freiem Boden alles Edle und Göttlichmenschliche unter uns zu Gott und Menschen erfreuender Reise zu entfatteu. Allein geliebte Brüder, die manchenortes .'in den jüngsten Tagen gemachten Erfahrungen lassen die Besorgniß nicht ungegründet erscheinen, cs dürfte unsere Aufgabe in dieser neuen Zeit nicht überall und von Allen in solchem Sinne gefaßt und begriffen werden; cs dürfte die Zeit der Freiheit leicht mißverstanden zu einer Zeit der Losgebundcnheit und Lockerung des jüdischen religiösen Gemcindeverbandes werden, und den bedauerlichen, schmerzlichen Ruin alles dessen herbeiführen, was uns heilig und Heber, alles dessen, was unsere Stütze und unser Trost in den trüben Zeiten der Nacht gewesen, und das nun in dem Sonnenlichte der Freiheit nicht zu Grabe geben, vielmehr zu erfrischtem erhöhtem Dasein und Leben geführt werden sollte. (Beschluß felgt.) England. London. Rabbi Joseph Schwarz aus Jerusalem, der bekannte Verfasser mehrerer Werke über das heilige Land, jüngstens des 'wo, besinnet sich augenblicklich hier, und hat durch seine genaue Kenntniß der Zustände, '01^7, sowie onrch seine gründlickc Kenntniß der auf die dortigen Verhältnisse Bezug habenden Literatur allgemein angesprochcn. Derselbe bcgiebr sich auf eine kurze Zeit in einer bcsondern Mission von rstcri' nach Amerika, und-ist cs möglich, daß derselbe zuvor auch den nördlichen Contignent besuchen wird, eine, den vielen Verehrern desselben gewiß höchst erfreuliche Mikthcilung.