Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 45 (10.11.1848)
- Date
- 1848-11-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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keine lange Zeit zum Aufenthalt in derselben verstaktet werden kann. Das Personal des Hauses besteht aus 1 Oberarzt, 1 Operateur, 1 Lokalarzr, der sich beständig in demselben aufhalr. Das andere zur Anstalt gehörende Personal, also Wärter, Wärterinnen, Aufseher, Köche re. besteht aus 10 Personen. Seit dem Tode des Z. Epstein ist sein Sohn Iozef, Präsident und Hermann Vicepräsidenr; beide widmen der Anstalt ihre größte Sorgfalt und verweilen fast täglich mehrere Stunden darin, auch bringen sie ihr große Opfer. Außerdem ist ein Rarh von 5 Mitgliedern, in welchem Adam Epstein den Vorsitz hat. Der jährliche Verbrauch beläuft sich auf 25000 Rubel Silber; dazu giebt der Sraar 9000 R. S-, als Ersatz für die Einkünfte, weiche die Anstalt von Z. Epstein hatte, so lange ihm tie Fleischpachr überlassen war. 6000 N. S. giebt die Warschauer jüdische Gemeinde, 4000 N. S. bringt die Steuer der welche nur für die Anstalt bestimmt ist; die noch fehlende Summe wird durch Legate und Geschenke zusammen gebracht. 2) Rabbi nerschu le. Lange bevor in irgend einem andern Lande eine Anstalt der Art, deren Bedürfnis; wohl längst nnd allgemrin gefühlt wurde, zur Errichtung kam, ist ihre Gründung hier, wie immer in monarchischen Staaten ohne große Debatten und Einwendungen im Jahre 1812 durch ein Königliches Decret festgesetzt worden, mit der Bestimmung von 12,000 p. Gld. für den Unterhalt von 8 Schülern, welche Summe bald auf 30,000 P. Gld. erhöht wurde, die, wie bereits oben bemerkt worden, von den Einkünften des Taazertels erhoben werden sollten. Dem ursprünglichen Plane zu Folge hätten in diesem Institute Rabbiner gebildet werden sollen, die sowol talmudische und rabbinische, als auch andere Kenntnisse besitzen. Dies fand aber bei dem damaligen tiefwurzclnden und weitverzweigten Chastdeismus nicht nur keinen Anklang, sondern den größten Widerstand. Die Schüler wie die Lehrer wurden von den meisten mit schielen Augen betrachtet und nicht dies allein, sondern verachtet und verfolgt, daher kam es, daß nur Knaben aus der ärmsten und niedrigsten Klasse diese Schule besuchten und statt Nabbincn wurden bis jetzt nur Lehrer und Kauficute gebildet, dazu kommt ein Hauptübel, daß diese Schüler nicht befreit sind vom Milirairdienst, welches bet allen christlichen höher» Lehranstalten wol der Fall ist, und daß sogar, da diese Schule bei der Mehrheit nicht im besten Ansehen steht, vornehm, lich die fähigsten und fleißigsten Schüler daraus mit Gewalt zu Soldaten abgegeben werden. Möchten dieser Lehranstalt dieselben Privilegien wie den^ christlichen ertheilet werden, waS doch recht und billig wäre, da sie von der Regierung gegründet und gerne von derselben geschützt wird dann würde der Besuch dieser Anstalt um das Zehnfache sich steigern, Hunderte würden die halb leeren Klassen überfüllen, nicht arme, nicht niedrige, ein anderer Geist würde sie beleben, andere Sitten würden sie zu glücklichen Bürgern entwickeln nnd reif machen. — Aber das sind die alten Seufzer, die vergebens aus der beklommenen Brust emporstcigen. . Gaden. Wie überall in Deutschland sich.jetzt ein entschiedenes Streben gegen jüdische sogenannte Ecntralbchörden geltend macht, wie die Gemeinden nie so argwöhnisch ihre Selbstständigkeit, ihre Autonomie wahrten, als eben jetzt, so zeigt sich dieselbe Erscheinung jetzt, in unserm engern Vaterlande. Es handelt sich nämlich jetzt um die künftige Eristenz unseres gesammten Oberrathes, und soll die unparteiische Volksstimme, zumal wo sie in entschiedener Majorität auftritt, als maaßgcbend angesehen werden, dann freilich ist die Frage über Bestehen oder Nichrbcstehen dieser höchsten jüdischen Eentralbehörde bereits entschieden. In einer unzähligen Anzahl von Adressen, sowol städtischer als Landgemeinden, wird nämlich Großh. Ministerium d. Innern dringend um sofortige Auflösung des gesammten Instituts des Oberraths ersucht. Wir wollen den Grund dieser so übereinstimmend ausgesprochenen Abneigung gegen einen seit einer Reihe von Jahren nicht ganz nutzlos wirkenden Körper, nicht sowol in eben jener Wirksamkeit suchen, als einmal in den bedeutenden Kosten, die diese Behörde verursacht, nnd die jetzt, bei der unbedingt zu vereinfachenden Organisation der jüdischen Zustände zweifelsohne sehr berücksichtigt werden müssen, andrerseits in dem mit Macht erwachten Bewußtsein der Gemeinden, die sich unter