Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 45 (10.11.1848)
- Date
- 1848-11-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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355 - Ihr dürft daher nicht davon abgehen, daß die Schule Narionalanstalt werde. Die übrigen Anträge der Lehrer siiH nicht weniger heilsam. Sie verlangen, daß der Staat auf seine Kosten Kleinkinderschulen überall einrichke, worin Eure Kinder vom 3 bis zum 6. Jahre beaufsichtiget werden, damit Ihr Euren Arbeiten nachgehen könnt; ferner, daß die der Schule Entwachsenen noch einigen Unterricht bekommen, daß nicht einen Lehrer zu viele Kinder aufgebürdet werden, die er nicht genügend beaufsichtigen kann. Wie sehr die Lehrer gesonnen sind, es ganz und gar mit Euch zu Hallen, könnt Ihr besonders daraus ersehen, daß sie verlangen forran ganz zur Gemeinde zu gehören und alle Gemeindelasten mir Euch zn tragen, wogegen sie allerdings auch fordern, daß ihnen ihr Lebensunterhalt so verabreicht werbe, daß sie nicht mehr Hunger leiden dürfen, wie dies noch bei Vielen der Fall ist, und daß sie nicht die Zeit, welche sie Euren Kindern weihen sollen, aus Norh auf Srundengeberei und Nebenämtern verwenden dürfen — wenn sie verlangen, daß ihnen nach einer Reihe von Jahren eine Besserung ihres Einkommens gewährt werde, wenn sie wünschen, daß diejenigen, welche schwach werden, ein hinreichendes Ruhegehalt bekommen, so werdet Ihr dieses nicht unbillig finden. Reicht also den Lehrern, als Euren treuen Freunden vertrauungsvoll die Hand, stimmt ihren Wünschen bei, und der Segen wird Euer und Eurer lieben Kinder sein. — Jüdische Anstalten der Warschauer Gemeinde. 1) Krankenhaus. Schon 1812, als die Gemeinde bereits eine große Anzahl von Mitgliedern zählte, ist ein solches gegründet und zu dessen Erhaltung 4. p. Gr. das Pfund vom jüdischen Fleisch nnd 2 bis 3 pr. Gr. für jedes Geflügel festgesetzt worden. Außerdem kamen Geschenke und Legate hinzu und so wurde die Anstalt von v'ka Vorstehern beaufsichtigt und geleitet bis 1823, wo Jacob Epstein, der schon früher Gemeinde-Aeltester war, zum Präses derselben bestimmt und eine neue bessere Ordnung anfing. Durch seine Veranlassung und Thätigkeik konnte 1828 der Bau eines Krankenhauses begonnen werden, der auch bald durch vielfache Beiträge beendigt wurde. Die Kosten dieses Gebäudes beliefen sich auf 300,000 P. Gld. Kaum war es aber fertig und in allen seinen innern Theilen für Kranke eingerichtet, als eS wieder geräumt und niedergerissen werden mußte, da 1833 die ganze Straße, in der es stand, zum Anbau der Ciradelle bestimmt wurde. Indessen erstattete die Negierung fast sämm'- ltche Kosten, die es verursacht. — 1835 wurde der Grundstein zu einem neuen Krankenhause gelegt und durch höchst großartige Spenden, wozu I. Epstein sein möglichstes beitrug kam es dahin, daß nach zweijähriger, ununterbrochener Fortsetzung des Baues, nämlich 1837 dieses große, prachtvolle Gebäude, daß mir seinen innern eleganten und zweckmäßigen Einrichtungen gegen 500,000 p. Gld. Kosten verursacht har, ganz fertig und zur Aufnahme von Kranken vollkommen eingerichtet dastand. Es gewahrt von der Ferne einen herrlichen Anblick, indem es auf einem ziemlich hohen und ganz freien Platze steht. Nach der inneren Seite hin hat eS 25 Fenster Fronte' Iß große ^Säle, 8 unten und 8 oben, mir einigen kleinern Nebenzimmern nehmen einen großen Theil seines weiten UmfangeS ein. In jedem Saal können 12 Kranke ganz bequem liegen, für die auch ein gelernter Wärter bestimmt ist, der immer um sie ist und ihnen nach strenger Vorschrift auf alle mögliche Weise beistehen muß. Außer diesen sind 10 kleinere Zimmer, jedes für 6 bis 8 Kranke; dann sind 4 Zimmer für NeconvaleScenten; eine besondere Abteilung für syphilitische Kranke; eine andere für Geisieskranke. Ein Operacionssaal mir einigen Nebenzimmern für die Operirren. Eine Apotheke, in welcher jährlich gegen 20,000 Necepte für arme Stadtkranke angeferkigr werden. Eine sehr schöne und ziemlich große Synagoge. Badezimmer in allen Qualitäten. Mehrere Küchen. Drei große chemische Oefen zur Beheizung des ganzen HauseS mittelst Röhren. Ein großer schattenreicher Garten mit schönen Lauben und Spaziergängen. Eine besondere Anstalt zur Erzeugung und Erhaltung der Blutigel. Im Ganzen können 400 Kranke zu ein-r und derselben Zeit darin ausgenommen werden, wobei durchaus kein Unterschied ge, macht wird, ob sie aus Warschau oder aus irgend einem andern Orte sind, und nur der Vermögende bezahlt eine geringe Summe monatlich, auch wird dein Armen durchaus keine Schwierigkeit gemacht, um ausgenommen zu werden, sobald fein Krankheirszustand es erfordert. Daher kommt es auch, daß das Krankenhaus fast immer überfüllt ist, und den NeconvaleScenten