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Der treue Zionswächter · 1848-11-10 · 45 (10.11.1848) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
45 (10.11.1848)
Date
1848-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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halt, sondern auch die kleinen Gemeinden sollen für ihre Kinder hinreichenden und ordentlichen Unterricht erhalten. Nun werdet Ihr vielleicht einwenden, daß sei Alles recht schön und gut, allein es werde mehr kosten, als bisher, und Ihr würdet mit schweren Abgaben bedrückt werden. Keineswegs, Ihr sollt vielmehr m Euren Schulabgaben erleichtert werden. Vor allen Dingen muß das Schulgeld ganz und gar aufhürem denn eS ist eine ungerechte Abgabe, wodurch die Aermsten am Härtesten gedrückt werden. Ihr wißt, daß gewöhnlich in den Hütten der Armen die meisten Kinder zu finden sind. Da soll nun ein armer Familienvater, der kaum das Brot für seine Familie zu verdienen weiß, auch noch alle Woche so und so viel Schulgeld bezahlen. Das ist himmelschreiend; Ihr erziehet ja Eure Kinder nicht für Euch allein, Ihr seid vielleicht schon rodr, wenn sie herangewachsen sind. Ihr erziehet sie für den Staat, und der muß daher auch die Kosten zahlen. Jetzt geben gerade die reichsten Leute am Wenigsten für die Schule, wer keine Kinder har, gicbr eigentlich gar nichts, und wenn er ganze Kisten voll Dukaten und Staatspapiere har; und doch wollen sie Alle, und gerade der Wohlhabende am meisten des Segens rheilhafrig werden, der aus einer guten Kinderzucht folge. Künftig soll also die Bezahlung der Scyullehrer, besonders was Schulgeld anbelangt, aus Staatskassen erfolgen. — Diese werden das nölhige Geld dazu schon haben, wenn erst die neue Steuerordnung eingerichtet sein wird, und jeder nach seinem Besitz und nach seinem Einkommen wird zahlen müssen, der Reiche viel, der Arme wenig, die Acrmsten nichts. Auch bei der Errichtung und Erhaltung der Schulhauser wird der Staat Euch kräftig unterstützen, und Euch wird eine große Last abgenommen sein. — Ein anderer wichtiger Punkt ist der, daß die Aussicht über die Schulen eine bessere werden muß. WaS würdet Ihr Landleute wol sagen, wenn Euch ein Herr aus der Stadt, etwa ein Gerichtsbcamrerverschreiben wollte, wie Ihr pflügen und eggen, säen und erndten solltet? Was würden die Tischler meinen, wenn «hne«, ein Gerber zum Aufseher gesetzt würde, der sie belehren sollte, wie sie hobeln und poliren sollten? Würdet Ihr nicht mit Reckt lachen, nnd sachverständige Aufseher verlangen, die Landleure einen guten Landmann, die Tischler einen geschickten Tischler? Nun. so werdet Ihr es auch den Lehrern nicht verdenken, wenn sie dasselbe fordern. Jetzt sind die Geistlichen ihre Aufseher, sie mögen Etwas von der Schule verstehen oder nicht. Leute, die in der Regel nie in einer Schule gearbeitet haben, die nickt geschmeckt haben, mit welchen Mühen die Lehrer kämpfen müssen, schreiben ihnen vor, was und wie sielehren sollen und beunheilen ihre Leistungen. Dies gefällt den Lehrern natürlich nicht. Sie wollen nicht ohne Aufsicht sein, allein mit vollem Rechte fordern sie solche Aufseher, welche die Sache gründlich verstehen, die Tüchtigsten sollen dazu bestellt werden. Darüber lkheben aber nun die Geistlichen ein gewaltiges Geschrei, als sei das Bestehen, das Heil der Religion durckZ solche Emancipalion des Lehrerstandes von dem der Geistlichen gefährdet Dem ist indeß ganz und gar nicht so. Die Lehrer werden nach wie vor Eure Kinder zu guten Erden und Himmelsbürgern zu erziehen suchen, und ihnen auch künftig den Religionsunterricht mir treuer Liebe ercheilen. — Es ist auch gar nicht nochwendig, daß jeder Lehrer einrn eignen Aufseher in dem Geistlichen har. Der brave Mann thut ohned'es seine Schuldigkeit, der schleckte thut sie doch nicht und wenn er zehn Aufpasser hätte. So wenig jeder einzelne Geistliche, eben so wenig braucht jeder einzelne Lehrer einen eigenen Inspektor, es ist genügend, wenn höchstens ein größerer Kreis einen solchen hat, wie dies bei allen andern Beamten der Fall ist. Ucbrigens wird an jedem Orte ein Schulvorstand gewählt, natürlich von der Gemeinde selbst. Wollt Ihr den Geistlichen mir in denselben wählen, so wird es Euch Niemand wehren, aber auch der Lehrer muß jederzeit dazu gehören, da er Euch am Besten Aufschluß geben kann, über das, was der Schule Noch thur. Ferner darf der Lehrer so wenig als möglich Nebenbeschäftigungen haben, natürlich muß aber sein Gehalt der Art sein, baß er durch denselben allein, ohne zu Nebenbeschäftigungen seine Zuflucht zu nehmen, eine sorgenfreie Existenz sich sichern kann. Sehr, lieben Freunde, dies sind Hauptforderungen der Lehrer, und Ihr gesteht gewiß, daß es vernünftige und nvlhwendige Wünsche sind, die Ihr aus allen Kräften unterstützen müßt, wenn Ihr Euren eignen Vortheil verstehet. Es wäre daher auch sehr traurig, wenn es wahr wäre, waS einigen Unerfahrenen eingefallen sein soll, die die Schule nämlich zu einer Gemeindeanstalt machen wollen. Damit würde doch, besonders den kleinen und armen Gemeinden die ganze alte Last wieder auf die Schultern geladen werden.

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