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Der treue Zionswächter · 1848-10-27 · 43 (27.10.1848) · page 4

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
43 (27.10.1848)
Date
1848-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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in Holland viel kirchlichen Sinn gefunden,, äußcrre aber, daß man, wenn diese Ansichten herrschend würden, die deutsche Form annehmen müsse, wo der Religionsunterricht der Schule nirgends fehlt» sondern als die Hauptsache betrachtet wird." Wie schon bemerkt, bezweifle und verneine ich, daß dieser religiös klingende Vorschlag in Praxi möglich und rein durchzusühren ist. Ich glaube, man in den allgemeinen NcUgionswahr heilen würde außer der — biblischen? — Siirenlehre doch auch wol die biblische Geschichte und die allgemeinen Glaubenslehren in sich fassen, würde also doch immer noch die Bibel zu Grunde legen. Dabei würde der Lehrer doch auch einer kirchlichen Confessivn angchörcn, und zwar auS innerster Ucbcrzeugung. Dann sehe ich nicht ein, wie rs möglich ist, daß ein Lehrer seinen biblischen und allgemeinen Religionsunterricht von jeder kirchlichen und konfessionellen Färbung rein erhalte. Seine Kirche kommt ihm doch nach seiner innigsten Uebcrzeugung der Wahrheit wenigstens am nächsten; darum will er dem Kinde auch gern ihre Lehren als Wahrheiten mitlhcilen, und wenn cr'v auch absichtlich nicht will, so rhur er's unwillkürlich, von seiner Ueberzeugung und von seinem Herzen getrieben. Ich gestehe offen, daß ich mich schwerlich rein davon erhalten könnte; ich würde die biblische Geschichte und Bibelsprüche uach den Lehren der Kirche intcrpreticcn, ganz unwillkürlich, und dann würden die Eltern einer Gemeinde mir sagen: Da lehrst konfessionell, das verbitten wir uns. Und ich glaube, der Lehrer einer andern Gemeinde würde die biblische Geschichte und Bibelsprüche wieder nach seiner Ueberzeugung. d. r. nach seiner Gemeinde inrerprctiren, und danu würden die Eltern jener Gemeinde wieder sagen: Du lehrst consrsstoncll, das verbitten wir unö. Ich sehr daher wirklich nichr ein, wie der Lehrer sich von dem Lonsevsionellen rein erhalten könne, so lange er noch die Bibel als Neligionsbuch gebrauchen dürfe. Oder ob ich eben so sehr in der Kirche, wie im Deutschthum befangen bin? Ich wünsche und hoffe indeß, daß Andere in der Ihrigen eben so sehr befangen sein möchten. Soll also der Lehrer seinen Religionsunterricht von jeglicher konfessionellen Färbung rein erhalten, so darf die Bibel nicht mehr Schulbuch bleiben, so darf er höchücns nur in der allgemeinen Sittenlehre unterrichten, und wüßte ich selbst in diesem Falle nichr, ob er der Glaubenslehre dazu entbehren könnte. Und gewinnt des Lehrers Unterricht in den allgemeinen Religionswahrheilen jedenfalls eine stärkere oder geringere konfessionelle Färbung, so wird eben die>e zu vielen Unzukräglichkeiten mit den Eltern der verschiedenen Confesüonen führen, besonders in den kommenden Tagen, wo eben durch die freie Religionsübung, durch das Ausscheiden aus der bisherigen Landeskirche und die Bildung neuer Gemeinden das religiöse und kirchliche Leben sich mehr gruppiren und zum deutlicheren Bewußtsein kommen wird, als in seiner bisherigen faulen Lethargie, Und kann der Lehrer sich schwerlich frei davon halten, so werdest die Kinder anderer Confcssionen, von ihrem Familien- und kirchlichen Leben nnrersiützr, dem Lehrer wenigstens als Religionslehrer einen Theil ihres so nöthigen Vertrauens entziehen. Es wird in dieser Hinsicht in Zukunft wahrlich ganz anders, als bisher, wo das Bekenntniß und die Religions- Übung Staats- und Polizeisache war; es wird diese heilige Angelegenheit jetzt endlich znr Gcwissenssael e, die Gewissen aber sind zarter und leichter zu verletzen, als die Büreaukratie. ES beruht also dieser Vorschlag meiner Überzeugung nach auf Täuschung, es täuschen sich die Lehrer, welche dafür halten, daß sie einen solchen allgemeinen nicht „kirchlichen" Religionsunterricht erlheiken könnten. Diese Täuschung hat auch ihren natürlichen Grund. Es gehören diese Lehrer wol sämmklich der freieren Richtung, mithin faktisch keiner der bestehenden Eonfessivnen an; ihre religiösen Ansichten sind also wirklich nichr konfessionell, ihr bisheriger Religionsunterricht ist es eben so wenig gewesen; erZo es war und ist ihnen möglich, einen nicht konfessionellen Religionsunterricht zu errheilen. Und dennoch täuschen sie sich. eine freie Gemeinde bilden' die dann eben so gut ihr Brkennrniß oder ihre Confession haben wird. Und von da an sind denn auch sie unvermögend, einen nichr konfessionellen Religionsunterricht zu erkheilen. Es bleibt also nur der dritte Fall, nach welchen die Volksschule ats Ganzes, als Organismus, Staarsanstalt d. i. Volks- und Nativnalsache, nach ihrer religiösen Seite aber kirchliche Gemeindeschnle werde und als solche den bisherigen kirchlichen Religionsunterricht beibehalte.

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