Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 42 (18.10.1848)
- Date
- 1848-10-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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»M 333 M» höchsten Glanzpunkt göttlicher Würde! ihr Gemüth getödtet. Oede, Finsterniß ruhet im Schlamme ihres entmenschtem Herzens. (Beschluß folgt.) Auf welchem Gebiete des neuen Deutschlands soll die deutsche Volksschule erwachsen? (Fortsetzung.) Aber verliert die Schule als Staarsanstalr und getrennt von der Kirche nicht ihren religiösen Geist? Verweltlicht sie nicht ganz und gar? Kann sie auf diesem Gebiete noch eine Erziehungsanstalt bleiben, oder sinkt sie vielmehr zu einer bloßen Unrerrichrsanstalk in weltlichen — bürgerlichen Dingen hrrab? Die Schule als Staatsanstalt laßt drei Fälle für ihr Verhältniß zur Kirche zu: 1) Da der Staat nach seiner Trennung von der Kirche sich nicht mehr, in die religiösen und kirchlichen Angelegenheiten zu mischen hat: so darf er in seinen Volksschulen auch keinen Religionsunterricht mehr ertheilen lassen. 2) Die Schulen lassen den kirchlichen — konfessionellen Religionsunterricht fallen und unterrichten nur in allgemeinen Neligionswahrheicen, vorzugsweise in der Sittenlchre. 3) Sie behalten nach ihrer religiösen Seite als Gemeindeschuien den bisherigen kirchlichen Religionsunterricht bei. Der erste Fall ist Consequenz, und würde diese nicht nur jeglichen Neligions« und biblischen Unterricht aus der Schule zu verweisen haben, sondern auch das Gebet und den religiösen Gesang. Denn letztere würden nach den Glaubensansichten der Lehrer mehr oder weniger, so oder anders kirchlich sich gestalten. Wie nun unsere Schulen ohne das religiöse Ele» men: sich gestalten und wirken würden: darüber dürfte man schwerlich ein Unheil haben, da jegliche Erfahrung für diesen Fall fehlt. Ich kann mir indeß wohl denken, daß eine küch, tige, vom Geiste der Sittlichkeit getragene Schuldisr ciplin, «ine ernste liebevolle sittliche Schukzuchr, die Schule nicht nur in einen gesetzlichen, sondern auch in einen guten sittlichen Zustand bringen und auf die sittliche Hebung des Einzelnen wie deS Ganzen wohlthätig einwirken könnte. Freilich würde dies vielleicht und überhaupt besser möglich sein, wenn der Lehrer dazu nun Gebet und Gesang verwenden dürfte; denn der religiöse Gesang ist ein wunderbar mächtiger Zügel. Auch glaube ich nicht, daß der bisherige Religionsunterricht im Allgemeinen die Wirkungen und Früchte bei der Zugend getragen hat. welche man demselben im Ganzen beilegt, und besonders demselben zuschreiben wird bei der Thesis, daß der Religionsunterricht vielleicht ganz aus der Schule zu entfernen sei. Denn die Zugend ist im Ganzen weder eine fromme, noch eine religiös gesinnte. Die Stunden- und darüber langen inhaltsleeren Katechisarionen, sowie daS wirkliche Uebermaaß der Neligionsstunden mögen außer anderen und psychologischen Ursachen auch nicht wenig zn dieftm unfrommen Wesen, selbst bei religiösen Dingen, beigetragen haben. Aber die Schule säet auch auf Hoff; nung, und manch noch schlummernde» und im Ver» borgenen keimendes Samenkorn der Schule erwächst im Leben zur schönen Blükhe und Frucht. Darum kann ich mich für diesen Fall den Religionsunterricht und daS religiöse Element aus den Schulen zu verweisen, nicht entscheiden. Der Schule würde dadurch das Hauptmittel zur Erreichung ihres höchsten Zweckes, zur Erreichung ihres Endzwecke«', nämlich zur Erweckung und Bildung deö religiös-sittlichen Sinnes und Lebens genommen. Die Schule würde ihre intensivste und heiligende Gewalt über die Zugend verlieren. AlS Erziehungsanstalt darf sie daher den Religionsunterricht nicht aufgeben. Sodann glaube ich, daß auch daS Volk, der religiöse Sinn der Masse gegen eine Schule ohne Religionsunterricht prvtestiren würde. Sehr Vielen ist die Schule noch die Anstalt, welche die Kinder zur Gottesfurcht führen soll, und für mich hat diese Bezeichnung der Schule etwas Tiefes und Sinniges, das dem Volke eher zu erhalten als zu nehmen sein dürfte. Jedenfalls aber würde die Schule ohne Religionsunterricht in den Augen des Volkes an Werth wie an Einfluß bedeutend verlieren. Endlich wäre es auch nicht möglich zu machen, der Zugend den nörhigen Religionsunterricht außer der Schule ertheilen zu lassen. Wohl könnten die Geistlichen täglich 1—2 Religionsstunden ohne besondere Vergürigung ertheilen; denn die eine Predigt und die sonstigen kirchlichen Handlungen können sie unmöglich