Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 41 (11.10.1848)
- Date
- 1848-10-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2625941-2626200-2626242--1601-2629254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
keine neue Vorstands wählen diesmal stattfinden, vielmehr die jetzigen Vorsteher provisorisch ihre Funktionen beibehalten. Die Commission zur Entscheidung über Auflösung resp. neue Constituirung des bisherigen Gemeindeverbanves ist übrigens zu dem Beschlüsse gekommen, in der Beziehung keine Vorschläge früher machen zu können, bis die staatlichen Verhältnisse vor Allem das Verfassungsgesetz definirt. Galhien. Lemberg. Die „B. Z. H." enthält Folgendes von hier aus: Gestern Nachmittag ist hier eine entsetzliche Unthat verübt worden; man hat den Rabbiner mit seiner ganzen Familie vergiftet. Seit langer Zeit hatten die Altgläubigen mit den Refo rmjuden in heftiger Feindschaft gelebt. Die Regierung setzte einen, der neuen Richtung zugethanen Rabbiner Namens Abr. Cohn für die ganze Gemeinde ein, wogegen die Orthodoxen protestieren. Sie überfielen ihn in seinem Hause, verhöhnten und mißhandelten ihn auf der Straße. Zuletzt nahmen sie ihre Zuflucht sogar zum Gift, wozu sich eine förmliche Verschwörung bildete. Ein Jude schlich sich in das Haus des Rabbinen, ging in die Küche und warf eine Quantität Arsenik in einen am Feuer stehenden Topf. In Folge dessen erkrankte die ganze Familie mit der Dienerschaft, im Ganzen 9 Personen so heftig, daß, obwol sofort ärztliche Hülfe geholt wurde, doch der Rabbiner und ein Kind bereits gestorben find, die Ucbrigen aber hoffnungslos daniedcrliegen. Die Untersuchung ist eingeleitet. So weit die ,.Z. H." Wir brauchen es wol kaum zu erwähnen, daß so wahr das Faktum des plötzlichen Erkrankens und Todes, sowol des Rabbiner Cohn, als einige der Familienglieder auch ist, doch von einem Vergiftungsversuche um so weniger die Rede sein kann, als die dort herrschende Cholera mehrfach bereits in unnatürlicher Heftigkeit schnell und unerwartet viele Mitglieder ein und desselben Hauses hingerafft hat, ohne daß man je einen andern, als den eigentlichen epidemischen Charakter derKrankheit supponirte. So unverantwortlich es daher von der „B. Z. H." auch ist, in jetziger aufgeregter Zeit, .ein Bericht, der außerdem an wesentlichen Entstellungen und Unwahrheiten leidet, ohne gehörige Bürgschaft für den Thatenbestand mitzutheilen, so wird her Kovwurf dadurch noch um so vieles gewichtiger, als einem fluchwürdigen, freilich unwahren und imaginären Verbrechen religiöse Motive unterlegt, als Mitwissenschaft und Beförderung desselben einer ganzen Neligionspartei aufgebürdet werden. Wenn bei früheren Cholcraepidemien Juden als Brunnenvergifter vom Pöbel hie und da angeklagt wurden, so erregte solche Anklage die allgemeinste Indignation jedes gebildeten, humanen Menschen, wie soll man in Vergleich hiemit die Mittheiluug der „Z. H." benennen und richten? Doch erwarten wir die Resultatejener Untersuchung, sie wird die „Z. H." belehren, wie die Altgläubigen keine Meuchelmörder und Giftmischer find, wie die Religion einem Verbrechen nie als Unterlage dienen kann. Ungarn. Ungwar. Coiuitat (Privat-Mittheilung). Wir leben hier in einem Zustande der Verzweiflung, von dem man sich so leicht keine Vorstellung machen kann. Ich will hier nicht. Ihnen gewiß aus politischen Blättern hinreichend bekannte Ereignissen mittheilen, Ereignisse, die, so schwarz sie auch geschildert, immer noch weit hinter der nackten Wahrheit Zurückbleiben. Zwar leidet unter dem grausamen Kriege die ganze Bevölkerung Ungarns gleichmäßig, und doch sind wir Inden es, die dessen Härte doppelt empfinden müssen. Unsere Männer, Brüder und Söhne, sie gehorchten treu dem Ruse des Vaterlandes, kämpften brüderlich mit für seine Befreiung, unser Hab und Gut, wir bringen es gerne zum Opfer dar, wo alles opfert. Und dennoch müssen wir die Wuth hereiubrechender Horden doppelt sühnen. Unsere Gotteshäuser, sie stehen leer; der heilige Neujahrs-Tag verfloß, und unsere diesmal gewiß noch inbrünstigeren Gebete konnten nicht zum Allvater emporsieigen an geweideter Stätte, die kroatische Raubsucht hat sie entweihet zu —! Erlassen Sie mir die nähere Beschreibung. Wir sollen Geld, Kostbarkeiten dem Feinde schaffen, während wir unser Letztes dem Vatcrlande geopfert; geben wir nichts, unser Blut sott cs sühnen. O, Friede, Friede! möge er bald wieder cinkehren in unsern gesegneten Fluren; möge das Vaterland beglückt sein, seine Kinder alle, die unglücklichen Juden Ungarns ganz besonders.