Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 40 (6.10.1848)
- Date
- 1848-10-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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spruch mit sich selbst anders handeln werden, als ihnen ihre selbstgeschaffene Lebenssysteme zu handeln lehrt. Am sichersten aber dürfen wir dieses von einem geistlichen Oberhaupts erwarten, weil dieser als sogenannter Seelenhirt doch seiner Gemeinde rühmlichst voranschreiten muß. Unglaublich schien es uns daher, als uns von mehreren Durchreisenden erzählt wurde, daß in der Hauptstadt unserer Provinz Herr G. bei seinem zweiten Sohne die Beschneidung nicht vollziehen ließ. Obwol dieses mit den Theorieen des Herrn G. übereinstimmt, so schien es uns dock unvereinbar mit seinem Amte, und wir glaubten daher, diesem Gerüchte nicht trauen zu dürfen, hielten uns aber verpflichtet, es öffentlich zur Sprache zu bringen, damit dadurch Gelegenheit gegeben werde, die Falschheit dieses Gerüchtes aufzudecken. Da in unserer Provinz kein Blatt für jüdische Verhältnisse eristirt, und wir nicht jüdische Angelegenheiten einem politischen Blatte übergeben wollen, so ersuchen wir Sie, Herr Nedakt., obiges Gerücht in Ihr Blatt gefälligst aufnehmen zu wollen. Wir hoffen, daß es sich nicht' bestätigt. B. Berlin. Ueber die Beschränkungen, welche einzelne Behörden sich in Betreff des jetzt gesetzlich anerkannten Princips der bürgerlichen Gleichstellung aller Confcssionen erlauben, werden noch immer manche Beschwerden laut. Bekannt ist, daß das Kammergericht jüdischen Juristen den Eintritt in den Justizdienst wesentlich erschwert, zum Theil ganz versagt. Auch Seitens des Kriegsministeriums ist eine Verfügung ergangen, nach welcher jüdischen Aerzten der Eintritt in militairärztlicken Stellen, die mit, dem Officiersrange verbunden sind, vorläufig sticht gestattet werden soll, bevor nicht das Verfassungsgesetz als solches und in ihm namentlich der §. 10, welcher die Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte von dem religiösen Glaubenbekenntnisse unabhängig erklärt, Gesetzeskraft erhalten habe. Die Verfügung, die noch vonHrn.v. Schreckenstein erlassen ist, steht im Widerspruch mit §. 5. des Gesetzes vom 6. April d. I. Der Abgeordnete Dr. Kosch hat es übernommen, den gegenwärtigen Kriegsminister in dieser Angelegenheit zu interpelliren. Von der mährischen Grenze. 25. September. Endlich haben die wohlthätigen Wasser der österreichischen Revolution auch von seinen Juden, einen in den Zeiten des Absolutismus ihnen angehefteten Schandfleck hinweggewaschen! Der Deputirte, Herr Mannheimer, ist auf Ansuchen deS unermüdet thätigen Herrn Oberlandesrabbiner Hirsch, den Finanzminister, der bereits im August in der Reichskammer die Judensteuer als eine Schattenseite der Staatseinnahmen bezeichnet, angegangen, den Behörden die Inhibition der so bezeichnetett Judensteuer xro 1819 aufzutragen. Der Finanzminister, der seinem obigen ausgesprochenen freisinnigen, ministeriellen Worte getreu, aus dem Etat pro 181-9 fämmtliche Judensteuer gestrichen, zeigte sich dem Verlangen des Herrn Mannheimer um so willfähriger, und ist von Seite des Ministeriums die beabsichtigte Inhibition bereits ergangen. Von welcher Bedeutung, von welcher Wichtigkeit, in materieller, wie geistiger Hinsicht, das Aufhören aller und jeder mit dem schmachvollen Namen belegten Judensteuer in Oesterreich ist, wird jeder Jude, besonders aber der österreichische Jude, in den Provinzen Mähren und Galizien zu würdigen wissen, da in denselben bis zum heutigen Tage die vielnamige Judenfteuer in ihrer ganzen fluchwürdigen Ausdehnung besteht. Den ersten schweren Stein hat also der Revolutionsstrom vom Herzen dieser Gedrückten hinweggeschwemmt. Ungarn. Nadasch. Wir befinden uns augenblicklich in unerhörtem Drangsal. Der bekannte Priester Hurban, der in Hubockie stand und mit den Slovacken im Eiuverständniß war, um an der Empörung gegen Ungarn Theil zu nehmen, deshalb aber fliehen mußte, hat jetzt von einer räuberischen Horde begleitet, einen Einfall gemacht. Zuerst bemächtigte er sich der Stadt Breszowa und sammelte die umliegenden Slowacken, die weniger aus Zuneigung als aus Furcht sich ihm anschlossen. Auf Adel und Juden war es nun zunächst abgesehen, und die zunächst liegenden Szemnitz und Szabolisch wanderten mit ihren Familien und so weit es sich thun ließ, mit ihrer beweglichen Habe fast gänzlich aus. Von unserer, d. h. ungarischer Seite ruckt jetzt ein zahlreiches Heer gegen Breszowa an, um die stark befestigte Stadt zu erobern, und natürlich müssen auch wir, Gut und Blut hergeben für Len Sieg des Vaterlandes. Viele haben sich freilich