Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 40 (6.10.1848)
- Date
- 1848-10-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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welchem «r die Inspektion übernimmt, daß er zu wenig Thätigkeil für die Schulinspeckion besitze. Dazu muß ein Maun. der über den Schulen stehen will, zu allererst im Mittelpunkte der Schullirerarur stehen. Wie viele Geistliche aber wollen dies von sich zu behaupten wagen? Der Acker der Pädagogik umschließt auch kein geringeres Terrain als das der Kirche. Die pädagogischen Wissenschaften und die praktischen Fertigkeiten haben sich seit einigen Jahren so ausgedehnt, sind zu solcher Höhe der Cultur gelangt, daß sie nicht minder einen ganz ungetheilten Kopf und eine Neigung in Anspruch nehmen, die ganz und mir Innigkeit des Lebens ihr Objekt ergreift und sich darin versenkt und darin lebt. Daher ist die Emancivarion der Schule von der bisher privilegirten Bevormundung und der so mangelhaften Beaufsichtigung der Geistlichen ein schon zu lange zurückgehaltenes norhwendiges Erforderniß zum Aufblühen der Schulen. Sie muß und wird jetzt vor sich gehen, auch wenn noch so viele Stimmen sich dagegen erheben. Diese werden dem Fluß und den vernünftigen Forderungen der Zeit keinen Damm entgegensetzen können, und wenn sie's versuchen, so wird der Wellenschlag bürgerlicher und socialer Freiheit sie in den Sand spülen. Eine im Ganzen bequemere Znspection können freilich die Lehrer schwerlich bekommen; aber eben daher legen sie auch kein feines Zeugniß für sich ab, wenn sie selbige erhalten wissen wollen. Man darf aber auf Grund persönlicher Verhältnisse und Rücksichten weher die Aufhebung noch die Beibehaltung derselben wünschen. Sollte ich darnach stimmen, so müßte ich ganz besonders die Beibehaltung derselben wünschen, weil ich mir allen meinen bisherigen geistlichen Znspectoren im freundschaftlichsten Verhältnisse gelebt und ich mehreren unter ihnen persönlich Vieles zu danken habe. Dennoch und selbst unter dem Scheine der Undankbarkeit — welchen Vorwurf ich indeß von diesen Männern nicht zu fürchten habe —, muß ich diese Emancipatipn wünschen, wird jeder wahre Volkss schullehrer sie wünschen, im Interesse und zum reckten Aufblühen der Schulen; ja hoffe ich sogar, daß nach näherer Erwägung auch die Geistlichen selber sie wünschen werden, um ihres heiligen Amtes willen. Doch über diesen Punkt Nächstens ein Mehreres. (Fortsetzung folgt.) Preuffen. Breslau. Bei dem Aufgraben eines Kellers im hiesigen Nathhause fand sich ein eigenthümlicher Schatz vor. Leichensteine aus dem Ilten Jahrhundert mit hebräischen Inschriften bildeten einen Theil der Mauer und des Pflasters. Die Skulptur an denselben ist noch roh, die Buchstaben erscheinen oft ganz undeutlich. Aus dem einen, welcher im Jahre 1313 einer Frau gesetzt wurde, die den Feuertod erlitt, geht hervor, welch schreckliche Verfolgungen die Inden damals ausgesetzt waren. Schlesien gehörte in jener Zeit zu Böhmen, welches Kaiser Heinrich VII. mit Deutschland vereinigt hatte. Aus Schlesien, Mit Recht, w. Herr Red., haben Sie in Ihrem Blatte die Freiheit des Individuums als den eigentlichsten Vyrtheil bezeichnet, welche die neueste Staatenumwälzung uns brachte. Nicht ein bloßer Regierungswechsel, sondern eine neue Umstaltung aller Lebensverhältnisse sind die Folgen der jetzigen Zeitbewegung. Und schon sehen wir auf vielen Gebieten die herrlichste Frucht dieser Ereignisse heranrcifen. Alte Vereine, die aus Furcht der Zwingherrschaft nicht frei sich äußern konnten, lösen sich ans, und neue, die getragen von der gewonnenen Freiheit offen ihr Streben darlegen, bilden sich. Mit gleichem Rechte konnten Sie, Herr Red., auch behaupten, daß diese Freiheit dem orthydoren Iudcnthume die herrlichsten Früchte tragen wird. Bisher haben unsere Gegner, aus Furcht vor der öffentlichen Gewalt nicht gewagt, offen ihre Ansichten auszusprcchen. Sie behaupteten, daß sie Juden sein wollen und sind, selbst wenn ihnen auch nicht das göttliche Gesetz heilig erscheint. Hin und wieder hielt der Eine und der Andere yon demselben noch fest an einzelnen Gebräuchen, um bei der Menge noch den Schein zu bewahren, daß man Jude sein will. Dieses unsittliche Handeln, in dem man nicht nur ohne, sondern gegen sein Bewußtsein handelte, rief jenen Zwiespalt in den Gemeinden des Iudenthums hervor. Jetzt aber, da keine äußere Macht verhindert, das, was man denkt, auch öffentlich zu äußern, jetzt dürfen alsy auch wir Juden erwarten, daß unsere Neuerer offen mit ihrer Ansicht hervortreten werden, daß sie nicht ferner im Wider-