Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 40 (6.10.1848)
- Date
- 1848-10-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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»M 31Z <W«> Jetztzeit? Hast du betrachtet und überlegt die seltsame Geburt dieser Volksrhümlichkeit, hast du mitgelitten die Geburtsschmerzen, hast du mttgerragen die Wehen der Zeit? Ja, du hast es, deine Menschenwürde sagt eS mir, du hast's! .... Nun so frage ich dich wieder, hast du nichts gefunden, was für dein Judenthum Interesse harre? Bist du nicht geweckt worden, zum Selbstbewußtsein deiner JsraelSwürde? Ist nicht das neue Volkssystem ein Aufruf an dich, zur Achtung deiner Volksrhümlichkeit und zur Verdeutlichung deines Geburrsrechres? Alles sucht seine Urahnen auf, keiner null seine Abkunft sich streitig machen lassen, und mir Blut gräbt er den Namen seines Stammes sich ein; und du, was thust du zur Verwirklichung deines Judenrhums? Sckamst du noch deiner Herkunft dick, und mache der Ruf, „Hebräer/« dich noch erröthen? Hast du gesehen die Bäche Blutes, welche die Völker ihrer Selbstständigkeit halber vergossen? Hast du gehört den Donner des Geschützes, einer rochen oder blauen Jacke, rochen oder blauen Mütze halber? Hast du wahrgenommen, wie man streitet einer eignen Trikolore wegen, und willst du noch deine Eigenthümlichkeir verläugnen? Jede Nation scheidet die fremden Elemente, welche sich in sie eingeschlichen, aus, streift Anderer Sitten und Gebräuche ab, und macht sich nur heimisch in den Seinigen und befestigt sich darin; und Du, Sohn Jakobs, willst noch mit fremden Kindern spielen, und deine eigenen unter falsch verstandener und erheuchelter Humanitär und Vaterlandsliebe begraben? Die Wahrheit feiert nun ihren schönsten Sieg und in welcher Form sie auch erscheinen mag, man huldigt ihr, die erleuchtete Menschheit erkennt Jedwedes Recht, darum auch du, Glaubensbruder, trete ohne Scheu und Rückhalt hervor, sag' an wer du bist, schlag' auf deine israelitischen Annalen, und zeige deine Abstammung und handle nach deren Sitten und Gebrauche, du hast um so mehr Recht dazu, weil nicht gehaltlose Förmlichkeiten, nicht äußerer Prunk, sondern innere Lebenswahrheiren, höhere Satzungen den Gehalt deiner Volksthümlichkeit ausmachen. Religion und Gewissensfreiheit sind die höchsten Güter der Menschheit, und sie sind es, welche jetzt überall ihre Gerechtsame geltend machen und du darfst daher auch hoffen, daß deiner gerechten Forderung Genüge geleistet werden wird. Es kann dir unmöglich nunmehr eine Meinung aufgedrungen werden, welche mit deiner innern Ueberzeugung nicht übereinstimmk, du kannst nicht mehr gezwungen werden, dein inneres Gewissen um den Gewinnst deiner politischen Verbesserung zu erkaufen; und darum entschuldige dich nicht, daß weil dein jüdischpolitisches Volksleben aufgehörr, auch dein religiöses weichen müsse, weil du aus dem Boden bürgerlicher Rechte unheimisch und unter andern verschmolzen, du auch ganz ihnen einverleibt sein mußt —denn eben, weil du .nach außen dich als Jude leicht vergessen kannst, mußt du von innen als solcher dich um so mehr bewähren. Weil du in und mit der übrigen Gesellschaft so eng verbunden. Du auch nicht glauben, daß du dich gegen die Unkerthanenpflichr vergehest, wenn du als Deutscher, Ungar, Pole, zugleich strenger Jude bleibst, denn geschieden müssen nun dce politischen und religiösen Gebiete werden, und ein Kind, das seinen rechten Vater verloren, kann nichts desto weniger einem zweiten, ihm Vaterstelle vertretenden, sehr ergeben, anhänglich und liebend fein, während es dennoch in heiliger Erinnerung den ersten verehrt und sehnlichst zurückwünscht. Darum sag' ich eS noch einmal, die Gegenwart hat an dich eine wichtige und ernste Aufforderung, an dich «7^', sie lauter: Sei Mensch im strengsten Sinne des Wortes, aber vor Allem und in Allem lasse an dir die Judenspur nickt fehlen, sondern überall zeuge dich als solchen, und vergewissere dich deiner innern Selbständigkeit. Auf welchem Gebiete des neuen Deutschlands soll die deutsche Volksschule erwachsen? (Fortsetzung.) V. Soll dis Schule denn reine Communalanftalr werden? Es sind gewichtige Stimmen für diese Stellung der Schple laut geworden, und wenn jede Lommüne ihre anderweitigen Interessen selbständig verwalken soll und wird, so sckeint's natürlich, daß sie auch die Erziehung und Bildung ihrer Jugend in die Hand nehme und ordne» So wie aber jede Lommunalvrdnung gewiß nur nach den allgemeinen Principien der Staatsverfassung entworfen und gehandhabr werden darf, gefärbt mit den besonderen Eigenrhümlichkeiten einer jeden Commüne, so dürfte sie auch nur nach den allgemeinen Principien der Staatsverfassung die Et-