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Der treue Zionswächter · 1848-09-27 · 39 (27.9.1848) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
39 (27.9.1848)
Date
1848-09-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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310 Mit dem Sturze der frühcrrr Staatsinstitution sank auch die Bevormundung, die der Staat sich über die Religion anmaßte. Die erlangte Freiheit Hane nicht nur das Ziel, die Alleinherrschaft zu beschränken, sondern sie erstrebte auch, die Rechte des Einzelnen in aller Beziehung neu zu wahren. Sehr Vielen wird gewiß diese unbegrenzte Freiheit sehr gefahrvoll scheinen, und Mancher wird wol an das 7>cv- -iw c b mit Bangigkeit gedacht haben; wir aber unsrerseits erkennen in dieser erlangten Freiheit das beste Mittel, um friedlich unsere Aufgabe als Juden lösen zu können. Und dieses, daß wir nun weniger gegen selbstgcschaffcnc Systeme zu kämpfen haben werden, ist cs, was ^wir als eine Errungenschaft von diesem scheidenden Jahre mit in das kommende hinübernehmen. Das alte Regiment hatte gegen die Juden zu schlecht gehandelt; beschränkt, gehemmt, gestört war er in seiner Bewegung. Diese Bedrückung, welche der. Jude stets wol tief empfand, lastete besonders in der letzten Zeit sehr qualvoll auf ihm. In den frühcrn Jahrhunderten, wo der Jude Ln des Gesetzes Studium allein die Quelle seiner ganzen Bildung suchte, fand er in diesem zugleich seinen Trost gegen alle von Außen kommende Schmähungen und Verfolgungen. Sein Trachten war nicht uach dem irdischen Leben, ein höheres Ziel verfolgte er stets, sich selbst moralisch und wissenschaftlich zu vervollkommnen, warsein unablässiges Bemühen; und wie vermochten Leiden, die ihm gerade durch seinen erhabenen Beruf zu Theil wurden, ihn zu beugen? Mit der größten Bereitwilligkeit gab er seinen fanatischen Verfolgern Alles, was ihre wilde Wuth forderte, und mit der größten Lust stand er als Märtyrer seines Strebens da. Anders aber gestaltete sich das letzte Säkulum für die Juden. Wohl hatten sie nicht zu befürchten, plötzlich überfallen zu werden, und Hab und Gut, oder das Leben für ihre Ueberzeugung ein zubüßen. Nichtdestowenigcr empfanden sic die Beschränkung, die sie überall umgab, drückender als früher. Der Jude trat aus seinem früheren Gebiete heraus, nicht Alle suchten ihren geistigen Durst aus dem stets frisch sprudelnden, heimathlichcn Quell zu stillen; Viele wandten sich der allgemeinen Wissenschaft zu, und suchten wetteifernd hier sich Lorbeeren zu erringen. Die Höhe, die sie hier erreicht, übertrifft alle Erwartungen. In einer kurzen Zeit glanzten die jüdischen Jünger in jedem Gebiete der Wissenschaft. Welches aber war der Erfolg dieser erworbenen Größe? Der Staat, der die Wissenschaft zu schützen und zu fördern suchte, er trat dem Juden feindlich entgegen; und weshalb? weil er Jude war. Den Gelehrten, den Gebildeten wollte wol der Staat beschützen, doch nicht den Juden. Was war nun die Folge? Entweder man legte den Namen Jude ab, — denn mehr wurde nie durch die gezwungene Taufe erzielt — oder der so geschmähete und verstoßene Jude glaubend, daß seine Religion seiner Beförderung hinderlich sei, bcmühete sich nun dieses Hinderniß hinwegzuräumen, und trat so als Religionsverbcsserer auf. Dieses war die Frucht, welche die neuere Zeit dem Judenthume brachte. Alle, die sich in ihrer Laufbahn durch den Staat gehemmt sahen, nahmen die vorgebliche Ursache als eine Wahrheit an und hielten sich deshalb berufen, den ihnen im Wege stehenden Zaum mit Gewalt cinzureißcn. Es vereinigten sich daher miteinander, die, welche einen verfehlten Zweck cingeschlagen hatten, und die, welche von vorn herein ein erfolgreicheres Ziel aufsuchten, weil sie jedes andere abgesperrt versanden, um die uralte jüdische Religion zu reformircn, in der Hoffnung als solche Reformisten kein Hinderniß mehr in ihren Unternehmungen zu finden. Natürlich daß diesem Streben die besser Gesinnten entgegen treten mußten; ihnen konnte ihre ererbte Religion nicht so leicht feil sein, sie erkürten und wußten, daß der Besitz der Wahrheit kein Hinderniß für die äußerliche Wohlfahrt sein könne, und daß nur die Lüge, der Wahrheit Feindin, ihnen feindlich entgegen arbeite. Ein Kampf entstand so innerhalb des Judenthums, die Anhänger der ungethciltcn Gotteslchre auf der einen Seite und die sogenannten Ncologen auf der andern. Und dieser Zwiespalt und Streit ist es, weshalb die Beschränkung, die der Staat den Juden gesetzt hatte, in der letzten Zeit bedrückender auf den Bekenneen des Judenthnms lasten mußte, als zu jeder andern Zeit, wo Raub und Mord sie verfolgte. Hin ist nun diese Zeit, dem Juden ist sein Recht geworden. Er kann Jude sein, und darf als Staatsbürger Anspruch auf seine bis jetzt ihm entzogenen Rechte machen. Nicht ist ferner ihm

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