Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1848-09-27 · 39 (27.9.1848) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
39 (27.9.1848)
Date
1848-09-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2625941-2626200-2626240--1579-2629230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

goldene Jugendzeit wieder. Diese Verwandlungen jedoch dem Erdensohne recht bemerkbar zu machen, damit er nicht zu schnell von ihnen überrascht werde, dafür wirkt wohlthärig der Jahreswechsel. Das jedesmalige Ende des Jahrs erinnert ihn. daß seine Körperhülle auf der 70:rufigen Treppe wieder eine Stufe tiefer znm Grabe hlnabgcstiegeu, und daß seine Seele auf der 70stufigcn Leiter eine Stufe mehr dem Himmel sich genähert habe. Jedes Jahr bei seinem Wechsel ruft uns die Worte des heiligen Sängers zu: Siebenzig solche Jahre machen unsere ganze Lebenszeit aus, achtzig ist schon ein fernes Ziel, und ihr Stolz ist Mühe und eitel. Wenn somit, m. Th., des Jahres Ende schon dadurch mehr zum Glauben heranzieher, indem es uns lehrt, daS Leben wir feinen schnell vergänglichen Genüssen aus dem richtigen Gesichtspunkte zu betrachten, und uns vermittelst der ReligionStreue den Weg zur ycrannahenden ewigen Seligkeit zu ebnen/ so reiche es unsmehr noch des Glaubens erhebende Starke durch den Rückblick ans das abgelaufene Jahr. Uns Allen hat darin des Ailgürigen Sonne gestrahlt, seines Himmels Gestirn geleuchter; die mehr als sechsihaibrausendjährige Welrordnung har darin keine Störung erlitten, und beurkundet dadurch aus's Neue den allweisen Schöpfer und De« Herrscher des Alls. Selbst die alle Grundpfeiler ge» sell>chafclicher Ordnung* erschütternden Begebenheiten, rrübcen den himmlischen Segen nicht; der Himmel gab seinen Thau, und das Erdreich sein Gewächs zur Sättigung seiner Bewohner. Vielen war daS Jahr im Nosenschimmer der Freude erschienen, sie erkennen darin die Allgüre Gottes, und preisen den Namen seiner Herrlichkeit. Viele auch hatte zwar das zu Ende gehende Jahr in Trauerflor gehüllt, aber ins Dunkel «hrcr Leiden hatte des Herrn Trost erleuchtend gestrahlt, und sie erheben lobpreisend den Namen des himmlischen Trösters. Der heilige Berg unseres Glaubens, dessen Gipfel bis rief in die Wolken des UralrerthumS reicht, ein neues Jahr der Gottesverehrung ward auf ihn aufgeschichtet, und Israel seinem Ziele um ein Jahr näher gebracht. So empfangen wir vom scheidenden Jahre durch die geoffenbarce Vergangenheit, zum Abschiedsgruße, eine Befestigung des Glaubens an Gott, seine Allliebe und Allweisheir. Nicht nach den geheimen Wegen des Herrn, und nach den Gründen seiner allgerechren Verhängnisse wollen wir forschen. Welcher Sterbliche dürfte sich erkühnen, in des Herrn Geheimnisse eingeweiht sein zu wollen? welcher geschaffene Geist kann die ewigen Nathschlüsse des Unerforschlichen fassen? In tiefer Demuch m. Th. wollen nur darum gestehen, daß Geheimnisse der Vergangendie geoffenbarre Vergangenheit uns gegeben ist. zur Stühe des Glaubens, zur Befestigung der Treue. » * » Des Jahres Wechsel soll unS aber auch zum Ge, horsam gegen Gorr und zur pflichtgerreuen Erfüllung schmerzlichen Erinnerung weihend. Der Wechsel des Jahres jedoch stimmt noch zu höherem Ernste unsere Seele. Wird am Neumond das Schophar geblaien, dann geschieht, verborgen und dem menschlichen Auge verhüllt, Großes im Himmel und auf Erden. Eö ertönt die Welrposaune, den himmlischen Chören den fenen Wesen kommen an diesem großen Gerichtstage in Erinnerung; ihre Tharen werden geprüft, ihre Gedanken und Entwürfe, und selbst die Triebfedern ihrer Handlungen werden gewogen, denn vor dem allweisen Schöpfer findet kern Vergessen starr, und das Geheimste ist ihm offenbar. Nach Befund ihrer Werke wird gerichtet; nach Maaßgabe ihres geistigen Gehalts und Welches, wird das Unheil gesprochen über Staaten, über Völker und Familien, und danach ihre Verhängnisse für daS beginnende Jahr bestimmt. Ist nun der Glaube in des Israeliten Herz begründet, daß der erhabene Richter über seine Handlungen wacht, und ikn zu Rechenschaft darüber zieht, erkennt er den Herrn als Lenker der Schicksale und Begebenheiten, als Beschützer der Tugend und als Feind des Lasters an — muß da nicht auch Derjenige, den nicht Liebe an seinen Schöpfer und sein geheiligtes Wort fesseln, dennoch durch den Gedanken sich angetrieben fühlen, seinen religiösen Verpflichtungen nachzukommen, daß der erhabene Gebieter über Leben und Tod, über Reichthrun und Armurh, Gesundheit und Leiden, über »hn und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.