Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 32 (11.8.1848)
- Date
- 1848-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Versammlung nicht beschicken, wol aber andre Wege finden werden, ihre Wünsche auf gesetzlichem Wege an die allerhöchste Staatsbehörde gelangen zu lassen. Was von Seiten der übrigen Bezirke beschlossen wurde, weiß ich nicht, das weiß ich aber, daß einschließlich der fünf Gemeinden des Rabbinats Stuttgart, nur 14 derselben waren, und daß diese vierzehn Vertreter dem größern Theil nach nicht von ihren Gemeinden geschickt waren, sondern aus eigenem Antriebe, einige sogar nur zufällig, der Versammlung beiwohnten. Zn gleicher Zeit hatte aber auch Herr Lehrer Liedmann aus Eßlingen eine Versammlung von Lehrern auf den l l. Juli nach Stuttgart — Zeit und Ort waren weislich gewählt — ausgeschrieben. Es wurde nämlich Herr Lehrer Liebmann von Seiten der Commission, die das neue Schulgesetz berieth, aufgefordert, es zu veranlassen, daß sie auch die Wünsche der israelitischen Lehrer erfahre, und daß sie, die Commission, einige dieser Lehrer, und zwar diese, welche von den Collegen selbst gewählt werden, in die berathende Commission ziehen werde. Es erschienen 15 Lehrer in' Person; die übrigen schickten Vollmacht ein. Da nun die Lehrer einmal in Stuttgart anwesend waren, auch vermuthen konnten, daß bei der Dr. Maierschen Versammlung ihrer unzart erwähnt werden dürfte, begaben sie sich sammt und sonders dahin, theils um etwaige falsche Ansichten in Betreff ihrer zu berichtigen, theils aber gegen die zu ihrem Nachtheil etwa zu fassende Beschlüsse ein Veto cinzulegen. In dieser Versammlung soll es nun gleich anfänglich zu sehr empfindlichen Erörterungen gekommen sein, weil sie eben für eine Zeit ausgeschrieben wurde, zu welcher Hr. Assessor Dr. Weil, der schon seit zwanzig Jahren unermüdlich für das bürgerliche Wohl seiner diesseitigen Glaubensgenossen kämpft, und der das Vertrauen sämmtlicher Gemeinden wol verdient besitzt, von Stuttgart abwesend ist, und zur Herstellung seiner Gesundheit in Baden Baden sich befindet. Indessen wurden noch am 11., nachdem Herr Dr. Jordann den Vorsitz übernommen hatte, einige unbedeutende Beschlüsse gefaßt; nämlich, daß die Bitte bei den Landständen eingereicht werden sollte, die Personalsteuer aufzuheben, das Institut der Vorsteher mehr volksthümlich einzurichten, die Rabbiner und Vorsänger der Präsidentschaft bei den Vorsteherämtern zu entheben, und mit jeder Mitwirkung bei denselben zu verschonen. (Wol ein sehr vernünftiger Gedanke, denn der Rabbiner gehört in seiner Studierstube und auf der Kanzel, sowie der Lehrer in seiner Schule: beiden kommt es nicht mit Vermögens-Einschätzungen, Umlage- Reportationen oder mit Strafe- Verhängen sich zu befassen.) Sollte aber irgend ein Rabbiner oder Lehrer tkörichr genug sein, den Arm auch nach dem weltlichen Regiment auszustrecken, dem möchten wir zurufen, ow' r>:vo Pwobei wir nicht verschweigen können, daß ihnen auch nichts zulommr, wenn gleich unsere moderne Rabbiner sich so gerne „Priester" — was sie doch wol nickt sind — nennen; sondern ihr einziges Streben sollte nach 'iw -wgerichtet sein, wo denn Iw vo-wr ihnen gewiß geneigt sein wird. Am 12. stellte Herr Dr. Maier den Antrag, daß die israelitischen Schulen der bisherigen Aufsicht entzogen und dafür unter den israelitischen Geistlichen, (lagen Sie doch, bester Herr Redakteur.' gibts denn jüdische Geistliche? was doch wir so flexibel sind, und wie sich alle Figuren uns eindrucken lassen! Bald bekommen wir Popen und Derwische! Warum will sich denn nickt ein einziger Rabbiner, mit dem gar nichts Unrechtes bezerchnennen lassen?) gestellt werden sollen; und daß die Gemeinden daS Recht haben möchten, die Lehrer anzustellen und zu entlassen. Dieser Antrag rief solchen Sturm von Seiten der Lehrer hervor — sie bildeten die Mehrheit, und hatte solch' unangenchnH Aeußernngen einiger Lehrer dem Herrn Dr. Maier gegenüber zur Folge, daß die Versammlung aufgelöst werden mußte. Mir fiel ein Sprüchlein aus bei, daß etwas von einer sagt, Ohne vorerst über die Nützlichkeit und Schädlichkeit dieses Antrags auszusprechen, ein Antrag, der in jedem andern Lande eben so viel für als gegen sich hat, in unserm engen Vaterland aber gewiß unersprießlich wäre, uns auszusprechen, können wir unser Staunen doch nickt unterdrücken, einen Antrag der Art in einer Zeit zn hören, in welcher man die Schulen der Aufsicht der christlichen Geistlichen, die sich um dieselben doch so