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Der treue Zionswächter · 1848-08-04 · 31 (4.8.1848) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
31 (4.8.1848)
Date
1848-08-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Es war im jüngstverflosscucn Herbste, als Herr Kirchenrath Dr.. Maier ein privatliches Schreiben au alle Rabbinen des Landes ergehen ließ, in welchem er diesen sagte, daß die Synagogenordnung nicht mehr tauge, da wir jetzt auf einem viel höher» Grad der Bildung stünden, als vor 10 oder 12 Jahren; daß, darum die vorhandene Synagogenordnung nicht mehr, befriedige» könne und darum eine neue geschaffen werden müsse. Es sollten also die Rabbinen sich versammeln, sollten auch Laien, die sich für die Sache intcressiren, mitbriugcn, eine Bitte an die Oberkirchcnbehördc, zur Aufhebung der alten und zur Einführung einer neuen Syuagogcnordunng, die bei dcr .bcrcgten Zusammenkunft berathen, entworfen und alsbald verfertigt werden, einrcichcu, welche.Behörde.ihrer Scits dieses Gesuch einem königlichen Ministerium verlegen, und um Genehmigung bitten würde. Ob dieses Sendschreiben mit einem andern, das an viele Lehrer und an einige reformsüchtige Privaten gerichtet war, und welches Subskribenten verschaffen sollte, dem „Gebet- und Erbauuugsbuch für Synagoge und Haus, herausgcgcben von Dr. Maier" in mehr als bloß zufälligem Zusammenhang stand, kann ich nicht sagen; thut auch zur Sache nichts! Genug unsere Synagogcuordnung war bedroht, ernstlich bedroht. Wenn wir in der Mythologie lesen, daß Saturnns seine eigenen Kinder verzehrt, so brauchen wir unfern Scharfsinn nicht sehr anzuftrcugcn, um das Wahre und das Schöne dieser Einkleidung zu fühlen. Wenn aber ein Dutzend Rabbiner sich versammeln in Jebenhausen, (das sollte der Ort der Zusammenkunft werden) an einem grünen Tisch sich setzen, um an demselben ein zartes, kaum cilf Iahr altes Mägdlein, das sie vor so kurzer Zeit in Mühe erzeugten, und unter Schmerzen geboren, erbarmungslos wieder verschlingen und sein Andenken von der Erde vertilgen, so muß man doch sagen, daß das sehr unnatürliche Väter sein müssen. In Wahrheit gesagt, so that es mir leid um dieses Kind, nicht darum, weil ich es seit seinem schwächlichen Wandel auf Würtembergs Erde.liebgewonnen hatte, sondern darum, weil die, welche ihm Dawln gegeben, so grausam sein konnten, cs bei einem Festeisen, als selbst gepflanzte Frucht zu verspeisen. Es wurde mir nicht die Gelegenheit damals mit Rabbinen darüber zu sprechen. Da ich aber die meisten ihrer Gesinnungen nach kenne, so kann ich mit vieler Gewißheit annehmen, daß den Acltern von ihnen solch' eine Bcrathung viel Kummer und Angst machen mußte, weil eine Rückkehr zum Alten doch nicht in Aussicht stand, und sie sich also der Versammlung unter irgend einem Vorwand entzogen, daß die Allcrjüngsten das Einreißen mit Lust vorgenommcn, und daß die, welche die Mittcdicscr beiden Crtrcmen bilden, zwar kräftigen, aber vergeblichen Widerstand geleistet haben würden. Denn es wäre vorausznsehcn gewesen, daß die laiischcn Mitglieder, welche dieser Versammlung mit beigcwohnt hätten, nur solche gewesen, die gerne einen Stein um den andern von dem Gebäude des alten Judcnthums abtragen, und daß dennoch die conscrvativcn Rabbiner in die Minorität hätten kommen müssen. „Aber der Mensch denkt's, Gott lenkts!" Zwischen dem Herbste 1847 und dem Juni 1848, zu welcher Zeit die Jebcnhaujer Synode hätte abgehalten werden sollen, sind Begebenheiten eingetrcten, die cs nicht mehr zulassen, daß man nur so leichthin sagt: „Dieses müßt Ihr thun, und Jenes unterlassen l" Die Gemeinden selbst haben jetzt auch und zwar eine entscheidende Stimme. Man kann jetzt frei und offen sprechen, und die Juden Würtembergs schweigen auch wirklich nicht. Ein Zwischenfall gab Veranlassung das Schweigen früher zu unterbrechen, als es anfänglich in der Absicht der Gemeinden gelegen hatte, und welche Absicht war, erst nach dem Zusammeutrcten der Landstände, die Wünsche der diesseitigen Israeliten auch in kirchlicher Beziehung vor das ermeldetc Forum zu bringen. — Der Fall war folgender: , Die rohen Ausbrüche der Gewalt, welche sich im Badischen gegen die Juden geltend machten, und auch die benachbarten würtembergische Judeugcmciudeu mit Furcht erfüllten, veranlaßten diese, (in der Tauber und Neckargegcnd) an w 5 die zu beten. Die betreffende Gemeinden fanden in solchem Unternehmen kein Verbrechen. In einer Gemeinde weigerte sich der Vorsänger beharrlich, Gebetstücke, die seit 12 Jahren nicht mehr gesprochen wurden, vorzntragen, was die Gemeinde

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