Mannheim
Compact Memory

Der treue Zionswächter · 1848-08-04 · 31 (4.8.1848) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
31 (4.8.1848)
Date
1848-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2625941-2626200-2626232--1509-2629152
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

noch mehr aber seit der projekrirten Wiesbadner Synode (?) und den wirklich abgehalrenen Rabbi» uervcrsammluugcn, bei welchen immer ein Paar würtembcrgische Rabbiner anwesend waren, wurden wir als lauter Neologen verschrieen undangesehen; man tl)at uns sehr Unrecht! Ein Würtcmbergcr protestirte in diesen Blättern; beging aber dabei den Fehler, Thatsachcn zu verschweigen, welche geeignet gewesen wären, diesem Protest Nachdruck zu geben. Dadurch, und weil in andern Blättern entgegengesetzte Berichte zu lesen waren, wurde das lesende Publikum verhindert, ein richtiges Unheil darüber zu bilden. Es war?vnv n'l-i Und dieses hat Ihr Eorrespondent verursacht! Warum hat er nicht berichtet, daß in sehr vielen Gcmeuiden die alte Liturgie doch beibcbalten wurde? Warum hat er nicht gesagt, daß 5^2.1 w'I an sehr vielen Orten dieGcmeindcglicdcr bei früher Tageszeit, 2-pv:i -two in die Synagoge sich begeben, um die piimr: im Privatgottesdienst zu bereu, und dann warten bis der amtliche Vorsänger um halb sechs Uhr eintrat, der alsdann die Stücke, welche Gnade gefunden hatten in den Angen der Synagogenordnung, vortrug; warum berichtete er nicht, daß in Freudentbal, nicht weit von Stuttgart, nach wie vor!w r-stro vorgetragen werden? *) Warum nichts von der Prorestation gegen die braunschweigcr Nabbinerversammlung, die von dieser Gemeinde ausging, und bei vielen Andern Anklang und Vollzug gefunden? Warum meldete er nicht, daß n-ch der berüchtigten Entscheidung über das Arbeiten der jüdischen Sträflinge am Sabbath, die einen Schrei des tiefsten Unwillens allen Juden Würtembergs auspreßte, (Gottlob! die Ständekammer nahm sich damals der Juden dieser Entscheidung gegenüber, trefflich an, und siegte für das jüdische Religionsgesetz) die ganze Gemeinde eines großen Orts die Synagoge in dem Augenblick verließ, als der Rabbiner die Kanzel bestieg, um eine Confirmationshandlung vorzunehmen? Warum berichtete er nicht, daß an einem andern Orte einem Rabbiner, der nach dem Abhalten der frankfurter Rabbinerversammlung, den üblen Eindruck, den die Aeußerung jener Versammlung über w5v oh'I hervorgebracht hatte, mäßigen wollte, In¬ *) Vielleicht dachte er, 7,-' -ii. Anm. d. Setzers. terpellationen sehr ernster Art auf die Kanzel hinauf gerufen wurden? Warum verschwieg er Ihnen, daß in einer Gemeinde, in welcyer ein Vikarius predigen sollte, von dem das Gerede ging, er nehme es mit ica und enio nicht gar zu ängstlich, diese die Synagoge verließ, als der Herr im schwarzen Tatar eine salbungsvolle Predigt beginnen wollte? Warum theilte er Ihnen auch nickt einen von den acht schwäbischen Witzen mit, die bei dieser Veranlassung gemacht wurden, und die doch von Mund zu Mund gingen? Er berichtete auch kein Wörtchen über das Gutachten Seitens der Oberkirchenbehörde, über das d'pv, welches zwar diese Behörde ganz so angab, wie es hi'?? sein muß; aber zugleich ihre eigne Ansicht anssprach, nach welcher eine Badewanne denselben Dienst thun, und sogar noch geeigneter wäre (!) Als Autorität wurden die Protokolle der frankfurter R.-V. angeführt. (Eine saubere Autorität, wenn es sich um die jüdische Religion handelt.) Indeß bat das Ministerium dreier Autoritär keine sonderliche Achtung erwiesen. Denn die Oberamter erhielten den Auftrag, da, wo Franenbäder bestehen, oder neu eingerichtet werden, daß sie neben allen Anforderungen der Sanitäts- Polizei und der Sittlichkeit, ganz so eingerichtet werden sollten, wre es nach streng jüdischem Ritual erforderlich sei. Auch sagt er nicht, welchen riefen Unwillen das Kundgeben dieser eigenen Ansicht, überall verursachte, und daß von einer großen Gemeinde, ander Tauber sehr gewichtige Schritte vorgcschlagcn wurden, einen eklatanten Protest gegen jene eigne Ansicht einzulcgen, und daß nur der Umstand, daß diese eigne Ansicht doch keinen praktischen Nachtheil brachte, diese Schritte zu unterlassen, rietben; wozu noch der Grund kam, ncio!>b ,.^.'3 ntn! Ist Ihr Eorrespondent ein Mann, der eingeschüchtert wurde, ist Ihr „einfältiger Schulmeister" wirklich ein Schulmeister, so wollen wir ihn, ob der knechtischen Furcht, die sich auch scheuet, das etwa mißliebige Wahre zu berichten, nicht tadeln; da die L7i 7L2 '->ip nicht bloß Schwache der Schulmeister allein ist; aber in diesem Falle sollte er lieber ganz und gar schweigen, und nicht sein. — Nach dieser langen Einleitung komme ich endlich zu meinem Bericht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.