Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 29 (21.7.1848)
- Date
- 1848-07-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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will Euch nicht Zudenfreunde nennen) als Menschenfreunde für das menschliche Recht kämpftet, als Men« schen es milfühlter, wie Menschen an ihren menschlichen Rechten (nicht bürgerlichen will ich gemeint haben) an ihren menschlichen Rechten, sage ich, verkürzt werben? Ihr, die Ihr von engherziger, spießbürgerlicher Schwache frei und ledig seid, und einseher, daß nur Unfreiheit heißen kann — eine solche Freiheit, d-c sich nicht durch Gleichberechtigung Aller kund giebt. Seid Ihr also, Ihr edlen Menschenfreunde unter diesen Keckfordernden verstanden? Geistlicher Herr! da ist Ihre Keckheit zu bewundern! Oder sind die Juden etwa die Keckfordernden? Nein! und tausendmal nein! rufe ich ihnen zu. denn trotz dem verbrieften Rechte der Juden, die unter dem glorreichen österreichischen Sccprer leben, zu fordern, weil es in der Bundesakte 181.5 heißt: daß den Juden die Bürgerpflichten entsprechenden Bürgerrechte einzuräumen seien, haben doch die Juden Oesterreichs und Ungarns stets nur gebeten, sehr rührend und flehentlich in größter Demukh gebeten, um was — um nichts — als um Recht und Menschlichkeit, und das lange, sehr lange, 30 Jahre lang! Bei der jetzigen Gestaltung und Weltanschauung aber, glaube ich zunächst meinen israelitischen Milbrüdcrn Ungarns zurusen zu können: „Laßt uns auf den Freisinn, auf die Intelligenz und Bildung des vorzüglicheren Theils der ungarischen Nation pertrauen, daß sie durch politische Gleichstellung aller Re» ligivneparteien, jene Ungleichheiten, die uns bürgerlich und politisch unfähig machen, die uns hindern, selbst von dem geringen Rechte, daß wir besitzen, den wahren und freien Gebrauch zu macken, für alle Zukunft entfernen, und daß sie durch Verleihung der Freiheit und Selbstständigkeit ihrerseits beweisen, daß sie selbst zur höchsten politischen Reife gelangt, und der vollsten Freiheit würdig sind. Laßt uns also unser einstweili, ges Geschick in Geduld und Ruhe hinnehmen. Sind wir auch für jetzt noch die Leidenden in jedem Falle! Denn wo die rohe Gewalt einbrichr, bricht sie ja gegen uns ein, wo die Gewalt der Herrschaft reagirt, reagirt sie gegen uns, noch jetzt sind olle Beschränkungen über uns, alle Ausschließungen über uns. Thut indeß nichts, vertrauen wir mit Zuversicht, unsere Zeit, die kommt und bleibt nicht aus! Lassen wir die Geister gewähren, und jetzt wie immer schließen wir uns den Edleren und Besseren im Volke an. Ein festes Anschließen am edleren und besseren Thcil des Volkes war daS stete Streben Israels, aber siehe da! die sich inzwischen drängende Masse stieß sie grausam zurück. Nicht aber g. H., wie sie fälschlich behaupten wollen, und längst Verschollenes und Abgedroschenes frisch übertünchk zur Schau stellen, und behaupten wollen, „die Juden Härten seperate Zwecke und Tendenzen, die Juden bilden ein Volk im Volke, ein Staat im Staate " Hört es und staunt! Die Juden, die überall geringste Menschenzahl, nur als Religivnsgemeindrn vereint, bilden einen Staat im Staate, und doch kann jeder, jeder noch so geringe Mensch, nach Herzenslust sein Müthchen an diesem Staate kühlen! Haben wir nicht in neuester Zeit traurige Beispiele genug erlebt. Ich will keine Stadt, kein Dorf namentlich nennen; wozu aber auch, da ohnehin so viele edelgesinnte Menschenfreunde des Zn- und Auslandes mit Abscheu und Verachtung auf jene Orte herabschanen, wo man in Massen und im Einzelnen die Juden tief kränkte und mit Nachdruck beleidigte, ja schonungslos Familien in's Elend stürzte, und überhaupt die Menschheit entwürdigende Thaten ausübte. Wir glauben aber auch nicht, daß irgend ein denkendes Wesen mit uns nicht einverstanden sein werbe daß so unliebliche Worte aus dem Munde eines Geistlichen, wenn auch nicht zur Wiederholung grausamer Auftritte Veranlassung geben können, jedoch zu denken veranlassen müssen, daß in jenen Worten nicht dqs redliche Streben liegt, die friedliche Mission eines Geistlichen zu erfüllen. Zu unserem Tröste aber , gehören Sie, geistlicher Herr, nicht zu den wahren Freiheitsmännern. indem Sie unsere Freiheit nur bedingt zulassen wollen. Za, zu nichts Geringerem wollen Sie uns verbinden, als — zur Verwerfung unserer traditionellen Lehre, und da doch gebunden nicht frei heißen kann, so sind Sie bei Verheißung solcher Freiheit unmöglich ein wahrer Freiheitslyqnn. Und ein solcher Mann ist freilich piel zu schwach, sich über mittelalterliche Vorurrheije zu erheben; eines solchen Mannes Sinn ist viel zu schwach, wahre Freiheit zu fassen - gleich viel, wessen Standes Und Religionsverwandte er ist. Sie sagen ferner, g. H.: „Die Juden (die seit so vielen Jahrhunderten im Lande leben, und mit größtem Eifer sich stets de, strebten, die Landessprache und Sitten eigen zu machen) seien ein fremdes Volk mit fremdartigen nationalen Traditionen, mit hartnäckiger Festhaltu.ng an Hoffnum gen und Ideen, die den Mittelpunkt ihres Gemüths, lebenausmachen, und denen sie bereits in einem