Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 28 (14.7.1848)
- Date
- 1848-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Furcht kor Könige. Despotenmacht schreckt sie lucht mehr; frei wandelt sie von der Bettlerhütte zu dem Thron. Sei uns gegrüßt, göttliches Kind! Auch ich bedarf Deiner Stütze, auf Dich mich stützend will ich ohne Scheu das uns schrecklich begegnete Schicksal erzählen. Der Tugend/ die Krone, dem Laster, die Schmach!! Der Pfarrer im hiesigen Orte Nadasch war es, der nicht aus Fanatismusbloß aus rauhem *) Gemüth den jüdischen Bewohnern hier Gram war, dessen böses Herz von Haß gegen uns kochte, racherbrütend vorzüglich gegen den Arzt L. Heller, von dem, der einen benachbarten Geistlichen aus Nothwchr beleidigt haben sollre, er sich selbst beleidigt hielt, eine Gelegenheit wahrnahm, sich an dem Unglück schuldloser Opfer zu laben. Unser Vorstand dieses ahnend , ging zum Pfarrer mit der Zusicherung. daß in unserem Rabbinatssprengel fürder den Arzt ru holen, streng untersagt werden solle. Der Pfarrer Michel Lautscheck fordert, den Arzt fortzuschicken, sonst bräche ein schreckliches Unglück über Nadasch herein; es wäre schon geschehen , wenn nicht jetzt die Bußzeit wäre; nach den Feiertagen geschehet Schreckliches. Der Vorstand ging am zweiten Passatäg **) nach Szmolouitz zum beleidigten Geistlichen. Dieser Menschenfreund gab ein Schreiben: „es sollte ja uns nichts geschehen, sein Prozeß sei dein Gericht vorgelegt." Dieses Schreiben wurde dem Pfarrer übergeben, und dieser beschick den Vorstand auf den morgenden Tag. Abends indeß rotteten sich niedere Handwerker zusammen. Junge Israeliten wollten sie zerstreuen, Steinwürfe in des Gotteshauses Fenster verkündeten den mörderischen Angriff, Schrecken ergriff die betende Versammlung, Alles ergriff die Flucht. Ick batte noch Muth mich zu fassen, fchloß das Gebet mit erschüttertem wehmuthsvollem Herzen, ging nach Hause, fand die Fenster zerschlagen, ich dankte dem Höchsten mit den Worten: „o! daß es nur bei diesem bliebe!" Ich lief zum Pfarrer, sagte: „in der größten Noth komme ich, Hülfe suchend. Die Heerde ist verwildert, es ist die heiligste Pflicht des Hirten, die Heerde zu einen mit der Liebe göttlichem Worte sie zu mahnen." die Elende hatte keine von den Ihrigen erhalten. Fraget nur, sie lebt noch! Unser Vorstand, die Herren Tauber, Jo. Mogan. Jos. Altmann. Jon. Sidon, M. Bascban. Herr M. Hauser, gaben sich die größte Mühe, am 2. Pastahta^ verweilten sie Fcstcsruhe. °Sie handelten würdig, das Gespenst aber brütete im Finstern Unheil. Es ist bereits zu spät. Ich sagte es dem Vorsteher , den Arzt fortzutreiben. „Herr, wir sind unschuldig! Eintracht hängt von den Geistlichen ab, Liebe zu lehren, ist dessen Beruf." Wir werden vor dem höchsten Nichterthron geführt zur Rechenschaft, erfüllen Sie Ihre Pflicht. „Ich kann nicht, sagte Jener. Wir werben Ihren Namen, so wie den gebührenden Dank in allen Zeitschriften verkünden!" Ich brauche das nicht, und setzte hinzu: „wol weiß ich, diese Unthat und Unmenschlichkeit wird unglaublich sein, wir werden zur Schmach der Gutgesinnten werden; jetzt aber muß es geschehen." Ich entfernte mich mit einem Gemüth, welches der gefühlvolle Leser leicht begreifen kann. Nun begann der Trauerakt. Eine entzügelte Rotte drang in unsere Hauser, wüthender als ein beleidigter gereizter Feind, wenn dieser in eroberter Stadt stürmt. Alles flüchtete, die Unmcnschlichkeit zeigte sich fürchterlich. Alles Bewegliche ward fortgeschlept, Kleidungen aller Art Wäsche, Gold, Silber, Möbel zertrümmert, zerschlagen. Als die Heerde betäubt, betrunken war, berauschte man die Erde. Wein, Branntwein floß in Strömungen, sammt der Mauer wurden die Fenster mit Namen herausgestürmt, Thüren sammt allem Geräth zerhackt, Geld, Nahrungsmittel, Waaren aus den Kramladen geplündert, kurz, nichts ließ man, als das nackte Gemäuer. Man drang in's Gotteshaus; es wurde da auch das Gräßlichst^ verübt, Tküren eingeschlagcn, Lampen geraubt, 02ns zerrissen, Silbergeräth geplündert u. s. w. Unser Ort glich einer gransenhaften Einöde, gleich aufgcschreckte Vögel flog Alles davon. Man sah den Pfaffen den Räuberzug begleiten; man schrie ihm um Rettung an; gelassen ging er fort. Notar, Schulgekülfe, die Speichellecker dieser Schlange gingen als Anführer; des Pfaffen Dienerschaft trugen Packete geraubter Waare in das Pfarrhaus. Als das Gotteshaus gestürmt wurde, saß er, der Entmenschte , vor dem Hause freudelächelnd. Leicht könnte er die kirchlich ihm Untergebenen abhalten, der sprechendste Beweis, daß Lautscheck dieses angezettelt hatte — den lange uns in ruhigen Zeiten schon zugedachtcn Plan auszufükren, die sonst friedlichen Bewohner gegen ihre schnlbloien Brüder zu bewaffnen. Nun frage ich, Kinder Gottes! Brüder! denen die Würde der Menschheit heilig ist! Sprecht! Ist das eines Geistlichen würdig? Pfaff ist noch eine Ehre! Du hast Deinen Stand entweihet, schändlich verletzt seinen Beruf. Heil Dir geliebtes Vaterland, daß Du, Gott sei Dank, nur diesen Unhold allein besitzest! Brüderlich handelten alle geistlichen Hochwürden des Vaterlandes. In weitester Umgebung lehrten, predigten sie Liebe, Brüderlichkeit, hielten