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Der treue Zionswächter · 1848-07-14 · 28 (14.7.1848) · page 7

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
28 (14.7.1848)
Date
1848-07-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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»W 223 Wache, beruhigten, schützten. Heil Dir Erde! wenn Du mütterlich uns mit solchen Rosen schmükkest. Wehe der Heerde, wo Dornen als Geißel der Menschheit wuchert. Am Donnerstag ging alsbald der Vorsteher der für's Gemeinwohl strebende Herr Jos. Tauber nach Tyrnau, den Oberstuhlrichter zu rufen, ein Hoher Beamter des löbl. Komitats. Dieser kam zur Untersuchung, das Volk schon verwildert, glaubte keine Achtung dem Gesetze schuldig zu sein, zumal da es ohne Macht, ohne Stütze .sich geltend machen wollte. Jndeß gelang es dem Oberstuhlrichter doch, den Anführer der Rotte schließen und nach Presburg schicken zu lassen. Der Wagen ging durch Tyrnau. Aber hier rottete sich ein niederer Pöbel, uno löste dem Sträfling die Bauden. Was wir erlebten, war nur das Vorspiel der folgenden Grausamkeiten. Nachdem der Pöbel den Unmenschen von den Ketten befreiet, stürmte er in das Haus des Oberstuhlrichters. Da ward alles geraubt, zertrümmert, zerschmettert? Der Schaden belief sich auf 60,000 Gulden. Dieser Frevel verbreitete Schrecken und Zagen in der ganzen Umgegend? Man sah dem Gesetze Hohn gesprochen, Menschenrechte verachtet, kein Einhalt, keine Hülfe, kein Einschreiten Seitens einer Behörde! Dabei blieb es indeß nicht stehen. Jener Unhold predigte, wohin er kam, öffentlich: „Verübt was Ihr wollt, es geschiehet Euch so wenig, als uns." Die Raubsüchtlgen gereizt durch den gottlosen Gewinn, ermutkigt durch die Straflosigkeit der Frevler erhoben sich zuerst in Presburg, woselbst die Nolkswutk gegen die jüdischen Bewohner grausenhaft ausbrach; verheerend stürmte alsbald darauf der Pöbel in Szered, .noch schrecklicher stürmten die Bauern aus den Dörfern herein, unsäglich Entsetzliches, Herzzerreißendes vollführenv, und in Neustadt m. d. Waag stieg der Frevel, maßlos die Grausamkeit, unersetzlich der Schaden! Kurz, unser Grauen, unsere Angst, unsere schreckliche Pein zu schildern, genügen die Verse, in der uns bei Abtrünnigkeit von göttlicher Satzung angedrohete FluchSformel: „Das Rauschen ein?s Blattes wird Euch verfolgen, Ihr werdet fliehen, wenn auch Niemand verfolgt. Des Tages werdet Ihr sagen, o, wäre schon Abend" u. s. m. Die noch verschont gebliebenen Ortschaften schwebten in Todesangst, Tag und Nacht hielten sie Wache, v'» NIL, gingen bewaffnet mit Gabeln, Schaufeln, mit Knitteln. Niemand trauete sich im Hause zu weilen, Niemand entkleidete sich, man pries schon glücklich und beneidete die Verunglückten, die schon nichts zu verlieren hatten. Man fürchtete, Gebete im Gottesbause zu verrichten, aus Angst des Ueberfalls. Wäre diese Vorsichtsmaßregel nicht getroffen worden, mit Hülfe christlicher brüderlich Gesinnter, hätte das Unglück weit mehrere Gemeinden erreicht. Doch wir verzagten nicht. Ohne Stütze, hülflos erhoben wir unser Herz gen Himmel, wir ergossen uns im Gebete; der Allgütige sandte uns einen Retter. Das hohe Ministerium in Pesth, benachrichtet vom Schicksal mosaischer Glaubensgenossen, setzte Sr. Gnaden Herrn Kasamier v. Tarnotzy, Vizegespan (nunmehrigen Obergespan) Neutraer Gesvanschaft als Regierungskommissair ein, um Ruhe und Sicherheit herzustellen. Das Standrecht zog vor ihm einher. Jeder Ort mußte durch einen Galgen, den Schuldlosen zur Freude, den Raubgierigen zum Schrecken, prangen. Dieser hochgestellte Richter und Mensch, streng in seinem Amt, stellte Ruhe her in Presburg. Unser Vorsteher , H. Tauber, besorgt für unsere Sicherheit, stellte unsere drückende Lage diesem edlen Menschenfreund in traurigen Zugen vor. Hochderselbe versprach, ein? untersuchende Deputation abzusenden, deren er sich auch anschließen werde. Treulich sein Verbeißen erfüllend, erfreuete derselbe unfern Ort. Die Sitzung ward eröffnet im Schloß; der jüdische Vorstand vorgeladen mit dem menschlichen Aufträge, die Wahrheit furchtlos zu sagen, betreffe sie wem immer. Jeder beangabte, was er wußte. Es wurden Reiter einquartirt, die Rebellen in Fesseln geschlagen. Herr Tarnotzy verweilte hier 2 Tage, verließ die Deputation, um andere Ortschaften zu besuchen, die Untersuchung ward energisch fortgesetzt. Der Edle erfreuete unS bald noch einmal wieder mit seiner Gegenwart; die Zeugenverhöre waren gesetzlich streng. Der Pfaff tröstete das bethörte Volk: „es wird nichts geschehen." Nun erwachte die schlafend scheinende Nemesis! die treue Botin der Vorsehung. Als her Lasterketch sich gefüllt, da entraffte sie sich ihres Schlummers, unzertrennlich begleitete sie die Lasterrhat, wie Schatten daS Licht. Nun, Unmensch, schlägt Dein Stündlein.' Fröhlich , wohlgLmüthlich, sicher im Schutz seines Ornats, wurde er zum Nachtessen durch einen Kadetten zu den Herrschaften geladen; wohl mundete ihm dle mit Ehren gewürzte Tafel, unbewußt, daß dies die letzte Ehre und sein Fall sei. Als er sich entfernen wollte, ward ihm durch einen Herrn angekündet, daß er nicht frei sei. Es wurde ihm ein I am Sitzungssaal stoßendes Zimmerchen angezeigt, die Offiziere streiften des Nachts in der Straße, das Milirair mußte wach sein. Dies geschah in der Nacht auf dem 22. Nissan. Donnerstag wurde ich vorgeladen, auch der Pfaff vorgerufen. Ich sprach mit beklommenen, Herzen: „Ich stehe vor diesem menschlichen Gericht, als stünde ich vor dem Höchsten; keine Lüge soll meine Lippen beflecken; es schmerzt mich tief in meiner Seele, wenn mein Menschenbruder fällt. Jndeß

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