Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 22 (30.5.1848)
- Date
- 1848-05-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sich versammelt, zur Berathung für Deutschlands Heil, und für den Aufschwung des einigen Reichspaniers, in dessen Schatten wir leben, erheben wir darum unser Gebet zu Dir, o Himmelsthroner! Laß doch Deine Hülfe ihnen zur Seite stehen; erfülle ihr Herz mit Ralh und Erkenntniß, damit ihre guten Entwürfe ihnen gelingen. Laß ihre Worte fließen, befruchtend, wie Thau und Regen; leite sie in Deinem Geiste des Wohlwollens und deö Rechts, Hinkendes zu heilen und Verstoßenes zu sammeln, damit Deutschlands Berge Gluck tragen dem Volke, uns seine Thäler sich in Freude Hullen. bis einst Deine höhere Verheißung in Erfüllung geht, daß Völker wonnevoll in Zion sich sammeln, vereinigt. Dir, Unendlicher! zu dienen, wenn Du im Schmucke der Majestät Deiner Weltenherrschaft Dich offenbarst. Amen. Ungarn. Neustadt an der Waag, den 15. Mai. Wenn mich immer eine gewisse Freude durchzuckt, so ich zum Lchreibetische mich hinsetze, um Ihnen w. H. Red. und Ihrem heiligen Interesse ein kleines Scherflein als Dienst darzubringen. so bemächtigt sich meiner heute im Gegenthcile ein schmerzliches Gefühl bei dieser Privannittheilung: denn leider! ein trauriger Bericht ist das Kind meiner jetzt geführten Feder. Noch werden Sie mir verzeihen, wenn ich von diesem Privatberichte zuweilen divergire und sich manche Anhängsel da einreihen, welche des Iudcnthums Gesammtinteresse berühren; denn ich glaube, daß er schlagende Beweise für die Tendenz IhreS Blattes enthält, wie überhaupt das Band des Indenthumes einem elektrischen Leiter gleiche, der an der einen Seite berührt, die Wirkung am äußersten Endpunkte kund gicbr. Mögen sie noch so viel stürmen und in die Trompete stoßen unsere Ncformrittcr. mögen sie ein zehnfach wüthenderes Hurra! rufen die Kämpfer der Neologie, und noch so viel Mittel und Phrasen vorschützen zu ihrer Dcrtheidignttg, ich will da etwas erzählen, das sie den Mund schließen und die Decke ihres Umhangschilves wegreißen soll. . . . Seit der verflossenen ewig denkwürdigen Märztage, der Tage der entbundenen Freiheit, aber leider auch der Uugebundenheit und der Revolte, ist in manchen jüdischen Gemeinden Ungarns ..Reform" das Losungswort, welches aus Aller Munde dröncnd durch die Luft sich schwingt und aus dem Schooß der Erde zu wiedcrhallen scheint. — Alles, wem nur Sprache ward, ruft aus vollem Halse „rcformiren," wenngleich er das Wort nickt versteht, dessen Bedeutung nickt wol anfgcfaßt. — Sie sind gewürfelt die drei schönen Worte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit; und Reform hält man für den Hebel der Amalgamirung. Auch bei uns einer bisher sehr friedlichen und wahrhaft frommen orthodoxen Gemeinde entspann sich vor Kurzem der Neuheitskampf, man wollte nicht nur auf politischem, sondern auch auf religiösem Gebiete frei sein. Man glaubte leichter emancipirt zu werden, so man aufhube die religiösen Schranken und den SeperatiSmus durch Annihilation der uralten Gebräuche und der ccremoniellen Satzungen. So sehr sich auch unser würdige hochgelehrte und wahrhaft frommer Herr Oberrabbincr und die altern an unserm Däterglauben treu hängenden Orthodoxen (der größte Thcil unserer Kehila bestehet aus solchen) dagegen stemmten und protcstirken, es half nichts, es muß reformirt werden. hieß es, um den Socialismus zu befördern. Ein Iugendverein gestaltete sich, der mit unbedachtem Verfahren an dem Bau der Religion die Pfeile anznlegen suchte, und cs droheten durch dessen Ungeweihrheit in dem jüdischen Ritus selbst die heiligsten bedeutensten Satzungen ansgeschieden zu werden. — Tock anders drehete sich die Wetterfahne Israels, es war von Oben anders beschlossen. Wie in so vielen Orten Ungarns jene ausposaunten von den Neologen als Messiasruf erklärten drei Worte, und überhaupt das ungarische System die übelsten Folgen für unsere Glaubensbrüdcr hatten, im verkehrtesten Sinne sich kund gaben und bittere Judenverfolgungen nach sich zogen; so auch hier; und zwar auf der schrecklichsten Weise brach aus die traurigste Scene. —-Am Isten d. M. in der Ilten Stunde Vormittags rotteten sich eine Menge Bauern, selbst hiesige Bürger mitunter, um Alles, was Jude und jüdisches Eigenthum war, zu vernichten, 20 schreckvolle ununterbrochene Stunden gaben sich Raub und Plünderung auf der nacktesten Art kund, alles Hab und Gut wurde von den Banditen weggetragen, alle Wohnungen zer-