Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 20 (16.5.1848)
- Date
- 1848-05-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2625941-2626200-2626221--1412-2629044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»W 139 Mährischen Judeuheit zu gewahrenden Menschenrechte ihre-gewichtvolle Stimme zu erhebe«. Zu diesem Ende wurde von den auwesendeu Deputaten, aus der Elite der Mährische» Juden ein Eomitee gewählt, bestehend aus zwei Abgeordnete» eines jeden Kreises mit dem Herrn Oberlandespabbiner qn der Spitze. Das Comitee tritc unterm 27. d. in Brünn zusammen, um seine ihm übertragenen Arbeiten zu beginnen. Mögen diese würdigen Männer nicht ermüden, für die Menschenrechte der im Desterreichischen Staate am unmenschlichsten behandelten Mährischen Israeliten zu kämpfen; mögen sie ihrer hohen Mission, für die der Augenblick der einzig günstige ist, und der sobald nie wieder kommen dürfte, alle ihre Kraft und Thätigkeit zuwenden; und möge Gottz ihre Geistesarbeit segnen, ihr Mühen mit dem schönsten Erfolge krönen! Bayern. Der Artikel aus Bayern in Nr. 15 des Z.-W., die Organisation einer Ober-'Kirchenbehörde betreffend, verräth , zu so schönen Hoffnungen er im Ucbrigen berechtige» will, jedenfalls ein Beweis von Unkenntniß unserer Angelegenheiten. Würde jene Idee einer Ober - Kirchenbchörde realisirt, so kommen wir bei und trotz aller politischen Freiheit, dennoch unter einem furchtbaren, durchaus unerträglichen, religiösen Druck. Wir wollen keine jüdische Hierarchie , oder vielmehr das Judenthnm verabscheut sie. Eine solche Behörde soll etwa Einigung in unsere Zerspaltung oder Zerklüftung bringen? Nimmermehr! Hayn ist der entschiedenste Bruch ausgesprochen, dann sind die Parteien vollends getrennt. Wir haben in Bayern, gestehen wir es, von beiden Seiten kraftvolle und thatenlustige Parteihäupter. Der Kampf muß ein heißer, und wird nicht früher beendigt werden, ehe jede Partei ihr volles Recht gefunden, d. h., in der gänzlichen Trennung. Soll Rcligions, soll Gewissensfreiheit gesichert bleiben, soll, nicht unerhörbar Gewissensdruck vom Neuen sich geltend mache», dann mögen alle gutgesinnten Gemeinden und Rabbiner bei den Ständen dringend verlangen, daß die Bildung einer solchen Behörde unterbleibe. Das jüdisch-religiöse Bewußtsein hat die neu erwachte Freiheit nicht zu scheuen, wird unter ihrer Aegidie nicht minder fortfahren, sich allseitig zu entwickeln und zu befestigen, so lange bis in die Triumphe der Gesetzlichkeit nach innen und außen, die Aufgabe der Religion die Aufgabe der Gesellschaft ihre endliche und volle Lösung gefunden hat. Jerma. Heffen-TaM. Die Agitation gegen das Institut der »Lorsteher-Aemter" verbreitet sich immer weiter über das ganze Land, und wenn man auch nicht überall so weit, wie in Hanau geht, um sofort die bisherige Wirksamkeit derselben zu suspendiren oder wenigstens durch neu ernannte Gemeinde - Commissionen zu ersetzen, so herrscht doch im ganzen Lande nur eine Stimme darüber, die sogenannten Vorsteher- Aemter mußten entweder ganz aufhören, oder wenigstens, sowohl in Wesen wie in Form, d. h. im Prinzip und in Person durchaus regenerirt werden. Wir wollen einstweilen von den Einigen Tausend Thglern, die selbige dem Laude oder besser dem Beutel der ohnedieö hochbesteuerten jüdischen Gemeinden kosten, und zwar nutzlos, ganz und gar nutzlos kosten, schweigen, wolle» nicht erwähnen, übermäßig hoher Besoldungen, einzig und allein im Interesse einiger wenigen Individuen geschaffen, die theilweise solches Amt gerne als Ehrenamt versehen könnten; aber nicht unerwähnt dürfen wir jenes verderblichen Geistes der Bureaukratie lassen, jener wahrhaft absoluten Eigenmacht, mir der die einschlägigen Geschäfte einer ganzen Provinz und der zu ihr gehörigen jüdischen Gemeinden von 3 bis 5 Männern, die nicht aus der freien Wahl Aller hervorgegangen, die sich vielmehr stets selbst ergänzten, deren Verhandlungen nie öffentlich, denen theilweise eine polizeiliche resp. Erecutivgewalc zustand, geleitet wurden. Daß ein solches Derhältmß von dem Morgenschimmer der zu neuem Leben erstandenen Freiheit, und ihren mächtigen Hebel, der freien Presse, der freien Association kein Bestand haben könne und dürfe, war selbstverständlich nnd leicht begreiflich, und nur des zündenden Funkens bedurfte, und alsbald hatte sich überall der mächtige Volkswille Bahn gebrochen. Regeneration oder besser: Anfbebung der Dorsteher-Aemter, ist der Wunsch der Gesamrnt-Judenheit des Kurfürstenthums, und sie wird erfolgen, muß erfolgen, weil der Wunsch ein gerechter» deshalb ei» nothwendiger geworden ist.