Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 18 (2.5.1848)
- Date
- 1848-05-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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142 als Seelsorger weder unser Zutrauen, noch unsere Achtung besitzt. Das merke sich der Herr Doctor zeitig, und — keine Komödie mehr! Crefeld. Zufolge Circulars des Consistorial- Obcrrabbiners Bodeuheimcr ist in allen Synagogen seines Sprengels am jüngsten ein eigener Trauer - Gottesdienst für die in den denkwürdigen Berliner Freiheitskämpfer: gefallenen jüdischen Glaubensbrüdcr abgchaltcn, und zugleich Spenden für die Hinterbliebenen der Gefallenen, so wie für die Verwundeten gesammelt worden. Wir freuen uns dieser Verfügung sehr, beurkundet sie doch die Sympathie des Iudenthums für die errungene deutsche Freiheit, und wünschen, daß überall ähnliche Feier, mit wohlthätigen Zwecken verbunden, veranstaltet werden möge. Mecklenburg Schwerin. Die Zahl unserer sogenannten Dissidenten wächst von Tag zu Tag und immer mehr Gemeinden kommen um Dispensation von der Synagogen- Ordnung ein. So in neuerer Zeit erst wieder Kriwitz und zwar kurz nachdem der Landesrabbiner dort gewesen und seine Lehren der dortigen Gemeinde in praxi vorgcführk hatte. Ist nun freilich auch die Anzahl dieser Dissidenten in manchen Gemeinden so geringe, daß sic nicht einmal das nöthige i'-v zusammenbringen können, so liegen doch in dieser Beziehung, aus des Eisenacher Hess' berüchtigten Gendarmerie - Gebetbuch-Neform-Scenen her, die Entscheidungen der pH vor Allen des -»"h hI'pv und vor, nach denen jeder >7'?' lieber das ganze Jahr ,1-20 v"> und 2'h-w?'p' nicht ausgenommen, ohnebeten solle und müsse, ehe er an dem verstümmelten, gesetzwidrigen Gottesdienste jener Verführer Theil nehmen dürfe. Daß übrigens jetzt der Zeitpunkt auch für die Mecklenburgischen sogenannten jüdischen Dissidenten da sei, das verhaßte Joch des Gewissenszwanges, repräsentirt durch den gegen ihren Willen, ihre Ueberzeugung aufgedrungeneu Landesrabbiner» den sie, wie zum Hohne noch, selbst mit besolden helfen müssen, abzuschütteln, unterliegt keinem Zweifel mehr. Mögen unsere übrigen Glaubensgenossen ihn ferner als Seelsorger anerkennen, wir können, wir dürfen es nicht; deshalb kein Gewissenszwang ferner! fort, mit dem der Orthodoxie aufgedrungenen Einhorn! Ueber die dringende Reorganisation des Oberrathes nächstens. Aus Kurheffcn. Der Geist der Revolurion, der sich zuerst in Frankreich Bahn gebrochen hat, und der wie ein elektrischer Schlag fast ganz Europa durchzuckte, hat auch auf unsere jüdischen Gemeindcverhältnisse bedeutend eingewirkt, und es sind Ereignisse vorgefallen, von welchen wir hoffen wollen, daß sie einen günstigen Erfolg haben. Unsere Gemeindevertrcter resp. das Vorsteheramt, die bis jetzt nach eignem Gutdünken und Belieben schalteten, haben sich durch ihre Gcwisscnslosigkeit Dinge zu Schulden kommen lassen, die den schon lange bereit gewesenen Zündstoff immer mehr anhäuften und endlich eine Explosion herbeiführten. Sowie bei den politischen Bewegungen die Stadt Hanau sich an die Spitze gestellt hat, so haben sich auch hierbei die Hanauer als die Ersten gezeigt. Einstimmig erhob sich daselbst die ganze Gemeinde gegen das Vorsteheramt, wozu angeblich das gewissenlose Verschwenden der Gemcindegeldcr die Motive gab. In einer von den Mitgliedern der Gemeinde abgehaltenen Versammlung wurden die bittersten Klagen gegen die Vorsteher erhoben, zugleich wurde ein siebener Ausschuß erwählt, die die Gemeindeverhältnisse ordnen sotten, und man beschloß, eine Petition bei dem kurfürstl. Ministerium einzureichen, die nutzlosen und mir so vielen Kosten verbundenen Vorsteberämter des Kurfürstenthums aufzulösen. Im ganzen Lande sotten Unterschriften zu diesem Zwecke gesammelt werden, und wir zweifeln nicht, daß die Sache durch solche ernste Schritte zu Stande kommen wird. Betrachtet man, daß die religiös-conservative Parthci im ganzen Kurfürstenthum die Majorität bildet, die meisten Mitglieder der Vorsteherämter aber der destruktiven Parthei angehören, so kann man diese getroffenen Maaßregeln zur Aufhebung genannter Vorstehexämter nur gutheißen, und wir wollen wenigstens hoffen, daß die künftigen Vertreter unserer israelitischen Gemeinden von einem, bessern und edlern Geiste der Religiosität und