Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 17 (26.4.1848)
- Date
- 1848-04-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Was sollte aber auch, das Beste vorausgesetzt, eine oberste Kirchenbehörde für uns bedeuten und wirken? Es kann doch kein Beschluß eine höhere, als blos gutachtliche Bedeutung und Geltung haben, denn die Lehre unserer heiligen Religion ist vollendet und abgeschlossen, die keine fernere Erweiterung, Beschränkung und Abänderung duldet. Sie zu lehren und zu handhaben ist der Rabbiner berufen, der sich nur nach ihrer, nicht nach persönlicher Autorität zu richten hat. Wie weit es mit der Religiösität in den Nachbarländern unter ihren Kircheubehörden gekommen ist, bedarf meiner Erörterung nicht. Wenn überhauvt die Zeit nach Befreiung von hemmenden Institutionen dringend ruft, wenn die Pfalz von dem längst bestehenden Eonsistorium ihre Lossagung nachdrücklichst fordert, wenn man die Deutschkatholiken öffentlich ermaknt, sich unter keine kirchlichen Behörden, welchen Namen sie auch tragen mögen, stellen zu lassen, — wie könnten oder wie dürften wir bei solchen allgemeinen Streben nach Freiheit und Selbständigkeit einer noch nie gekannten Bürde den Nacken beugen, und uns eine Hierarchie schaffen, um durch ihre Machthaberei uus eiuschränken, und unsere Rabbiner so wie uus selbst gleichsam unter Vormundschaft stellen lassen. Oder soll die Erleichterung, die uns in bürgerlicher, und die Rechte, die uns in politischer Beziehung verstauet werden sollen, um die Freiheit des Gewissens und der Neligionsübung erkauft werden? Sind denn die Fesseln nicht weit druckender, in die sich das Gewissen geschmiedet fühlt, als alle körperliche» Beschränkungen? - Wir wollen frei werden, in bürgerlichen und zugleich frei bleiben, in religiösen Verhältnissen! Es konnte uns längst nicht'unbekannt bleiben, daß einige neue Rabbiner mit mehreren gleichgesinnten Anhängern schon seit längerer Zeit um die Aufstellung eines Eonsistoriums privatissime petitioniren, das, um mich provinzialiter auszudrücken, ebenso pfeifen soll, wie sie gern tanzen. Mag sich auch jetzt, da die allerhöchste Thronrede eine Kirchenbehörde erwähnt, hie und da eine Stimme aus einer engherzigen Individualität akklamirend hören lassen, mögen sich auch einige Bessergesinnte durch falsche Vorspiegelungen blenden lassen, der Wunsch des Volkes ist es nie und nimmer, und es protestirt mit allen rechtmäßigen Mitteln dagegen. Zu unserer Freude haben sich auch die Stände des Reichs bereits dagegen erklärt und es unterbleibt mit der Hülfe des Himmels die Realisirung dieses proponirten Eonciliums für immer zum Heile Israels. Was aber Ihr Correspondent mit seiner Billigung, vielmehr Anpreisung eines gefahrdrohenden Instituts bezwecken wollte, ist vom Standpunkte der Orthodorie aus, die im Z.- W. vertreten werden soll, ganz unbegreiflich. Anb in Unterfranken, d. 17. April. Vor Kurzem ist unserem sehr geehrten Religionslchrer, Herrn David Wcißkopf die königl. Regirrungbestätigung zum Distriktsrabbiuer in Wallerstein, im Kreise Schwaben und Neuburg mitgetheilt worden. Derselbe wird sogleich nach dem Pesachfeste seinen neuen Wirkungskreis antreten, und wird die Zukunft, die von uns gleich bei seiner Wahl (vergl. No. 7. v. I.) ausgesprochene Eharakterzeichuung als so wahrerwiesen, daß sie den seiner geistlichen Obhut Empfohlenen die freudige Uebcrzeugung gewähren wird, wie sehr die Amtsführung dieses orthodoxen Nabbinen für den ganzen Distrikt heilbringend sei. — Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne zugleich auf die Wahrhaftigkeit des bekannten bayerischen Correspondenten des „Israeliten" aufmerksam zu machen, der vor kurzer Zeit in jenem Blatte triumphirend meldete, wie es einer der ersten Acte des neuen Ministeriums gewesen sei, die Wahl des Rabbiners Weißkopf für Wallerstein zu annuliren. Freilich, wenn es dem Herrn Corrcspondcntcu des „Israeliten" nachginge —; doch waS unser Ministerium vor Allem schützt, ist die Freiheit und Selbstständigkeit unserer Gemeinden. Galizien. Brody, den 17. April. Die neuesten Ereignisse machen es uns zum Bedürfnis über unfern traurigen Zustand einige Worte auszusprechen, daß man auch im fremden Lande, auch in weiter Ferne wisse, daß „7Z? LvvL Es wäre zu viel, wen» ich Ihnen all' die Bedrückungen und die unausstehlichen Steuern, die man uns ausgebürdet, weitläufig schildere, zu viel, all' diese Beschränkungen und Zurücksetzungen aufzuzählen, nur tiefgekränkt muß