Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 17 (26.4.1848)
- Date
- 1848-04-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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der babilonischen Gefangenschaft, eS fanden sich noch vor, gesellschaftliche Vereine und Verbände, denn ihre physische Freiheit war noch nicht ganz gehemmt, ihre Selbststai'ditzkeit noch nicht verloren», sie durften sich nach all ihren Kräften entfalten, ihre Ceremonien und Gebräuche frei auSüben, und wir können schon auf ihren freien ungehinderten Geist, aus dem großen da, selbst verfaßten Talmudwcrke, und dessen mit verbundenen Studien schließen. Aber zur Zeit des Mittelalters, als sie auch von dort vertrieben wurden und nach Europa kamen, als spanische Inquisitionen und Kreuz, zöge Alles verheerten, und jeder Zudenspur nachschten, damals schwand jedes gemeinsame Streben, und es wurde locker das gesellschaftliche Band. Und wenn auch hie und da manche Lumina zu jener düsteren Zeit den verdunkelten Horizont des Zudemhums erleuchteten , so war es doch im Allgemeinen schrecklich bestellt um die Judenheit, die große vereinte Kette ward zersprengt, und es fielen da und dorthin einzelne ohnmächtige Glieder; jedes Streben nach edlen Zwecken, jeder Hang nach Wissen war erstorben, und wie konnte man nach Wissenschaft, Veredlung streben, wenn jede physische Kraft gebannt, Fesseln angelegt worden, dem edlen Gefühle im Menschen, und jeder nichts als die Rettung seines bedrückten und beschwerten Lebens vor Augen haben mußte? So lag eö darnieder, das Zu, denlhum, zerrüttet in seinen letzten Zügen, bewußtlos so wie das kreisende Weib nur dann ihr Kind zur Welt bringt, wenn der Schmerz und die Gefahr am hömsten gestiegen, so war auch dieser Moment der entschiedenste seines Lebens, die schwer belastete schwangere Zeit, sie trug in sich ein kräftiges Kind. das glücklicher als seine Mutter sein soll, dem in den groß ten Schmerzen liegenden, kreisenden Zudcnlhum sollte bald abgeholsen werden, cS war die letzte Wehe seiner Geburt und eine kräftige Generation kam nun zur Welt. — (Beschluß folgt.) - - Ivjt«NgsrrrrchrichteN. Bayern. Aus dem Frankenlande. Zn aller Eile schicke ich mich an, Ihnen das Bedauern kund zu geben, welches der Zeitungsartikel Bayern in No. 15 des Z.-W. bei vielen seiner Leser erregt hat. Wohl ehren auch wir dankbaren Herzens die hochsinnige Absicht unseres Königs, und wissen, daß von der Gnade Sr. Maj., die Organisation einer obersten Kirchenbehörde für Israeliten lediglich auf das Beste unseres Volkes berechnet ist. Allein den sämmtlichen Genossen unseres Glaubens, den Alten wie den Neuen, können die unausbleiblichen üblen Folgen nicht entgehen, welche von einer solchen kirchlichen Diktatur über die Nation sammt der Religion Hereinbrechen müßten. Bisher waren die Rabbiner von einander unabhängig, jeder derselben, mochte er ortho- oder hetcrodor sein, genügte gewöhnlich den Gemeinden in seinem Distrikte, von welchem er durch Mehrheit der Stimmen gewählt wulde. Die mit dessen Lehre, Leben und Wirken unzufriedene Minorität wußte sich in ihren Angelegenheiten an irgend einen andern Rab, biner zu wenden, dem sie mehr Vertrauen schenkte. Dieser Ausweg wäre aber gänzlich unmöglich, wenn eine obere Macht alle Rabbiner nach einem und demselben System dyminirte, welchem alle Untergeordneten zu huldigen hätten. Unter eine aus Orthodoxen allein constituirte Oberbehörde würden sich die Ncologen ungern fügen, und dadurch tiefere Spaltungen veranlassen; bestände sie gar aus Ncologen, wie könnten sich diesen die Rechtgläubigen unterwerfen; oder sollten letztere all' die v'-vo-fi begehen, welche ihnen von den ersteren zugemuthct werden? Eine gänzliche Trennung der Alten von den Neuen wäre die nächste unselige Folge. Daß eine buntfarbige Mischung der verschiedensten Sekten in einer obersten Leitung nicht nebeneinander bestehen könne, weiß Zeder, der nur einige Kenntniß von der Religion und den Parteiungen hat, welche leider schon überhand genommen haben. Die Alten dürfen gesetzlich nicht nachgeben, denn sie vertreten Göttliches, über das der Mensch keine Gewalt hat, die Neuen wollen nicht nachgeben, denn sie wähnen sich znm Abschaffen und Umgestalten, sowie zur Täuschung der äußern Sinne berufen, welcher sie auch das Heiligste zum Opfer bringen. Die gegenseitige Befehdung zwischen den Conservatoren und Reformatoren wäre sonach mit der traurigsten Rück, Wirkung auf die Subordinirten verbunden, und die Auflösung könnte hinter der ConAtüirung nicht lange Zurückbleiben.