Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 17 (26.4.1848)
- Date
- 1848-04-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gerechtigkeiten, solche Schandthaken verübten, sondern diejenigen, welchen Gesetzlosigkeit als Freiheit gilt; bicicnigen, die sich über mittelalterliche Vorurtheile nicht zu erheben vermögen; diejenigen, deren Sinn zu schwach ist wahre Freiherr zu fassen; die nicht einmal indem sie die Freiheit mißbrauchen. Das ist aber nur eine unbedeutende Minderheit des deutschen, sogar des .badischen Volkes; das sind nur Solche, denen kein Zweck zu unheilig ist, oder Solche, welche dem Grundsätze huldigen: der Zweck heiligt die Mittel. Die größere und bessere Menschheit aber, an deren Spitze unsere würdigen Volksvertreter stehen, verabscheuen ja diese Unrhacen und betrachten sie als Entweihung der zu Hehrem bestimmten Tage. Darum Brüder, jeid gerecht in Euerm Urrheile gegen unsere Brüder eines andern Bekenntnisses und erwartet von denselben auch Gerechtigkeit gegen Euch. Seid gerecht vorzüglich gegen die Bürger des hiesigen Orrs, die so brüderlich Euch entgegen kommen und so ernste Vorkehrungen trafen für die Ruhe des Ortes, für die Sicherheit der Personen und des Eigenrhums. Erwiedrrt ihnen mir Vertrauen, mir Eintracht, mit Liebe, wie wir uns überhaupt freuen dürfen, im diesseitigen Nabbinarsbezirke zwischen beiderlei Glaubensbekennern nur Frieden, Eintracht und Zusammenwirken wahrzunehmen, was ja Beiden zur wghren Ehre gereicht. Seid gerecht überhaupt in jedem Urcheil, in jedem Thun und Lassen, in jedem Handel und Wandel, gegen jeden Menschen, jeden Standes, jeden Glaubens. Seid gerecht, so wird man auch gegen Euch gerecht sein. Seid gerecht, meine Brüder und Schwestern, gegen Euch selbst. Die Hand auf's Herz! Gesteht Euch, daß jene Schreckensbotschaften, die uns zugekommen , die Angst, die auch Manchen von Euch befallen , auch einen wvhlchätigen Einfluß, und zwar auf die Seelen, geübt haben. Za, gestehen wir es, das jüdische Element mußte in manchen Zuden erst aufgerürtelt werden; es thar Noch, Manchem in die Ohren zu raunen, daß er Zude sei; daß eS ein grober Zrrchum sei, wenn man glaubt, durch die gleiche Lebensweise mir den Bekennern eines andern Glaubens sei jedes Vorurcheil, sei jeder Judenhaß verschwunden. Solche Zuden wurden seit kurzer Zeit heftig anfgeschreckt aus dem Traume, in welchen sie sich so sanft gewiegt. Sie haben es erfahren müssen, daß Pöbelwuth nicht unterscheidet zwischen altgläubigen und modernen Zuden. Za ich halte mich fest überzeugt, daß wie einst die Schreckenszeit, welche die Zehuhim unter Achaschwerosch's Herrschaft verlebt, dieselben zu ih, rem Gott, zur Erkennmiß ihrer selbst zurückgeführr, so ist gewiß auch mancher jetzt lebende Zehudi in den verflossenen verhangnißvollen Wochen zur Besinnung gekommen, zu seinem Gort und zu sich selbst zurückgekehrr. So hat auch das Böse sein Gutes, wenn wir es nur zu beachten und zu beherzigen wissen. Seid gerecht, meine Glaubensgenossen, gegen Euch selbst. Erwartet und erstrebet die bürgerliche Gleichstellung nicht jowol um zeitlichen Vortheils, um materiellen Nutzens willen, sondern mehr als geistiges Gur, als Genugkhuung für erlittene Schmach, als Zurückgebung unserer Menschenrechte, als Einführung in die bürgerliche Gesellschaft, d«e uns so lange ausgesioßen, als Sieg der Wahrheit. Und wenn alle deute sche Zsraeliten meine Gesinnung cherlen. so verzichten sie, wenn auch die Emanzipation zum Gesetze erhoben sein wrrd, eine Zeit lang freiwillig aus allen daraus erwachsenden materiellen Vortheil, und schätzen sich glücklich genug , ihre Ehre, ihren Ruf, ihr Recht gerettet , ihre Religion anerkannt und in den Verband der Deutschen sich ausgenommen zu sehen. Seid gerecht, m. Br., gegen die ungerechterweise aus ihrer Heimalh verjagten Glaubensgenossen, die, entblößt von ihrer Habe und mir dem Verluste manches rheuren Verwandten, an fremdem Orce von der Mildthäligkeit Anderer leben müssen. Habt Erbarmen mit denselben und gedenket ihrer am morgenden Feste. Vernehmet ihren kläglichen Hülseruf, ihren Herz zerreißenden Norhscyret. Spender denselben mittelst einer vorzunehmcnden Sammlung außergewöhnliche Gaben. Das für Purim vorgeschriebene „Spenden den Armen" finde hier seine volle Anwendung. Betrachtet es als ein Dankopfer, dargebrachc Demjenigen, der Euch vor ähnlicher Gefahr, vor ähnlicher Noch geschützt. Reicher vorzüglich aber diesen Purim den Orksdürfrigen, die ja in der gegenwärtigen unruhigen Zeit gar nichts verdienen können, ansehnliche Spenden. Eure gestrige Verabredung, zu diesem Zwecke eine Umr läge zu veranstalten, ist wieder ein rühmlicher Beweis