Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 17 (26.4.1848)
- Date
- 1848-04-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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»ZG 13» Element unseres Lebens, in die Triebfeder unseres Daseins, und wenn sich dem Stemmen, dem Wallen zugesellr, was ist wohl natürlicher, als daß das Herz die Fesseln, die es bindet, zerreißt, die Schranken die sich unseren Begriffen enrgeqenstellen, gewaltsam zu nen üppigen Gefilden, dies Eden daheim in seiner rosigen Dlürhe anlächeln soll, wollte dem Vater danken, daß er Gebote gegeben? Gebote? — Ein Wort, das jedes andere. nur kein freisinniges, jugendliches Geläßr; und religiöse Gebote zur Beschränkung weltlicher «>enüsse, in einem Zeitalter, wo das praktische Leben, d»S Leben in seiner vollsten Bedeutung zu genießen erheischt? Aber wo bleibt die Erfahrung, die goldene Wahrheit aus dem Buch des Lebens. ,,Nur durch das Gesetz, nur mit dem Gesetz kann sich die Freiheit gründen, kann sie uns zum Heile des Daseins werden, und bei dem Glauben, bei dem Beschützer unseres Lebens, sollte schrankenlos das fallen, was unserem Kerzen, was unserer Ansicht vom Leben nicht zusagt? Siehst Du, mein Israel, hier hast Du den Deckman» rel unserer Begierden, hier hast Du den Zeitgeist in seiner nackten, kalten Größe, hier hast Du Bewegungen unseres Zudenrhums. Jahre sind wir schon getrennt, seit Monden konnten wir keine Ideen über diesen Gegenstand ausrauschen, nur ich ahne es vielleicht nicht, daß so wie meine, auch Deine Ansichten sich geändert, daß ich Dich vielleicht verwunde — doch das Herz, welches beseeligr in dem Schooße der Religion schlägt, darf und kann in der jetzigen Zeit sich nicht begnügen mir der eigenen, iheuer erkämpften Ueberzeugung, und selbst auf die Gefahr, zu verwunden, fordert der Zeitgeist eine Sprache für die Empfindungen. Hier hast Du sie, die großen gewaltigen Extreme, welche die Parole unserer Tage in sein gewichtiges Ich ein, schließt! Wie wunderbar? Während er auf der einen Seite kalt, gefühllos, mit eiserner Energie das niederreißt, waS ihm alü Schranke erscheint fordert er auf der andern Seite warmes, lebendiges Gefühl für Mensch und Menschheit, indem er ein Band der langt er auf der andern Seite den Austausch derselben Meinungen, die er doch selbst gebildet. Aber auch hier hofft sie, die Gegenwart unseres Zudenrhums, den Zeitgeist des ZudenthumS dem die höchsten Schran, kcn zu niedrig, die heiligsten Begriffe zu weltlich, die herrlichsten Lehren zu albern, die tiefsten Ideen zu flach erscheinen, hier hast Du Begriffe vom Zeitgeist, die bas Niederdrücken, das rücksichtslose Fallen, das kalte Niederreißen und Wegwerfen der Gebote Reform nennen. Hier hast Du die Früchte jener Begriffe der Reformer, kalt, gefühllos, herzlos, wie ihr Schöpfer. Hier hast Du sie, diese Vernunft- und Zeitgeister, wie sie die Lehre vom Zeirgeiste predigen, wie sie sich höhnend und doch schmeichelnd, spottend und doch scheinbar liebend an den Busen unserer Religion, gleich Vampyren setzen, und nachdem sie das geistige Blut unserer Seele ausgesogen, nachdem selbst . kalt und gefühllos wie sie geworden, uns zum Dank — in ihre Mitte aufzunehmen! O, wenn ich zurückdenke an jene Zeit, wo auch ich fast als ein Opfer jenes Zeitgeistes gefallen war, so schrecke ich schaudernd zusammen, wie aus einem bösen, tiefen Traum erwachend, und doch war es kein Traum! In dieser Zeit, in diesem religiösen Vegetiren. wo fast alles höhere Gefühl in mir erstorben. mußte ich erkennen, daß ich gefehlt, und — Dank dem Gotte, der mir die Kraft zur Umkehr verliehen. Es würde vieles anders. vieles besser sein, wenn wir uns nicht scheuten, unser Unrecht zu bekennen, wenn wir Kraft genug besäßen, dem Sport und dem Hohn unserer Gegner zu ertragen. So scheut die Welt den Weg der Wahrheit, so sinkt der Sünder immer tiefer im Pfuhl der Schande und Sünde, ob auch die Sprache des Gewissens redet, ob auch die unverderbte Menschheit ihn ermuntert zur Rückkehr auf die Dahn der Tugend, er sinkt tiefer und immer tiefer, blos weil er die höhnende Stimme der Genossen furchtet! Laß mich hier heute, mein Israel, schließen, denn meine Betrachtungen führen Bilder vor meine Seele, mit denen ich die Mittheilung meines Glückes an Dich ungern trüben möchte! Also für heute Adieu! Dein Zehudi.