Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 9 (28.2.1848)
- Date
- 1848-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2625941-2626200-2626210--1310-2628931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»W 68 Treiben, dem verheerenden, verderblichen Strom einen Damm entgegenzusetzen und die drohende Gefahr abzuwehren. Die ungeheuchelte Stimme der Gerechtigkeit verhallte in dem Kämpfe tobender Parteien, Willkür rührte an das Heilige. Hätte man fick das religiöse Gemükh des großen und weisen Meisters und Denkers bewahrr, so hätte man nicht mir solcher Anmaßung sich über das HeUigsie hergeworfen nnb das Würdigste dem Hohne prciegegcben. Wäre man auf hätte nicht Dogmen, Institutionen und Gebräuche oft so unbarmherzig angegriffen, so hätte das Zudenthum den Stoß nicht erlitten, der es in seinen Grundfesten erschütterte. Wir ehren Wissenschaft und Kunst, so lange sie sich innerhalb ihrer Grenzen bewegen, wagen denthums hinüber man pfropfte fremdes Reis auf den Lcbcnsbaum jüdischer Wissenschaft. Das Zudenthum selbst aber kann seinen Bestand nicht finden durch Maximen und Theorieen, die dem Gebiete einer fremden Philosophie entkeimten. Sprach man sich doch vielfach dagegen aus. als im Mittelalter arabische Philosophcme zur Erläuterung des Zudenkhums gegeben wurden. (f?"3ci, c>-> u. a.) Die Qnellcn deS Zudenrhums, die schriftliche Lehre, Talmud und dessen Bestandrhelte und Midrasch, müssen studirr, begriffen und fürs Leben verarbeitet werden, wenn der jüdische Lehrbegnff dabei gewinnen soll. Natürlich können in diesem Falle beim Lesen des 's'ro ästhetische Theorieen nichr berücksichtigt werden, nicht als Unterhaltnngclecrüre dürfen wir eS betrachten^ nicht zum der Sprache den Geist des Sprechenden zu erfahren suchen. Ausgerüstet mir dieser Kennrniß gehen wir an das Srudium 4es Talmud, entwickeln die Haiacha, wie diese den Sinn des schriftlichen Gesetzes auffaßr und fürs Leben brauchbar macht, und sehen in der Aqadah nur die Hülle, unter welcher die größten Schätze der Weisheit verbvrgen liegen, und freuen uns, wenn wir de:, Sinn enrrärhselt haben. Wer zeigt uns von dieser Verfahrungsweise. die am Besten unS in die heiligen Räume des Zudenkhums einführr, das Verstandniß and den Begriff des Zudenkhums am Deutlichsten auseinandttlegt, ich sage, wer zeigt unS ekwaS dieser Art tn der früheren und heurigen Tageslirerakur de- Zudenkhums? Hebräische Zeitschriften, welche damals zum Vorschein kamen, führten uns solche Analysen und Parrieen nicht vor, wenigstens entsinnen wir uns nicht, auf wiche Weise jüdisches Wissen und Zudenthum entwickelt - gesehn zu haben. Die späteren Blätter wirkten nicht nur nicht kür daS Zudenthum, sondern strebten noch reformistische Ansichten und Tendenzen unter das hebräisch lesende Publikum zu verbreiten. Kein anderes Ziel verfolgten die deutschen Zeitschriften, die später sich verbreiteren. Fast ans jeder Seite derselben lesen wir von Reformen im Gottesdienste, im Schulwesen u. s. w.. Was die Reformen in erstcrem betrifft, so haben schon die früheren und späteren Casuisten auf Abstellung von Anordnungen und Mißbräuche hingewiesen, ja ernstlichen Tadel und Rüge darüber ausgesprochen, und ist die Wiedererwähnung schon längst ausgesprochener Satze nichr von wesentlicher Belehrung. Die Reform der Schulen war jedenfalls eine der wichtigeren, welche uns durch die Zeit gebracht wurden. Allein man täusche sich nickt und glaube, daß das Zudenthum dadurch gewonnen habe; der Bibelunrerrichr, der früher viele Zeit in Anspruch genommen, mnß jetzt den Kürzern ziehen und der Religionsunterricht der früher den grüßten Theil des Unterrichts auemacbre. spielt jetzt nur eine Nebenrolle. Es würde uns jetzt zu weit führen, die Einwürfe derjenigen zu beseitigen, welche unsere Ansicht nicht billigen, aber eS würde uns nicht schwer fallen, unsere hier ausgesprocheurn Satze durch Beispiele zu beweisen. Man hat durch solche Verfahrungsweise dem Volke das Heilige entzogen, die gemächliche Richtung, welche einst den Zsraeliten beseelte, entfernt, und waS ist an deren Steile getreten? Die füd. Organe mußten den traurigen Beruf erfüllen, den Geist der Vernichtung und Zerstörung sehr zu für, bern, so daß die Genuß» und Vergnügungssucht verderblich um flch gegriffen, und dem rohen Materialismus Thür und Thor geöffnet wurde. Die selig entschlafene N.-V., die in einem Kindeeälrer von drei Jahren verr schied, har wenigstens die verachkenslverkhe Mission erfüllt, die jüd. sinnvollsten Bräuche -dem Spotte und Hohne hingegeben, ja die wichtigsten Lehren deS Zudenkhums in den Staub gezogen zu haben. (Beschluß folgt.)