Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 8 (22.2.1848)
- Date
- 1848-02-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vertreter bei de» löblichen Stande», und wenn die Juhenspage damals noch unentschieden blieb, so konnte man doch qus den zu Gunsten der Juden erfolgten Resultaten dieser Landtage deutlichersehen, wie sehr das Land nnh selbst die Regierung an der Verbesserung ihrer Lage arbeitet. So sind seit dem vorletzten Landtage die Juden nicht mehr auf ihr Ghetto verwiesen, und können diese auch frei und ungehindert in die kgl. Freistädte ziehen. Ein im vorigen Jahre angelangtes, gn. k. Rescript erlaubt ihnen sogar, in den Stadtquartiers Handlungen zu eröffnen, welches hier in Presburg und mit unserm Wissen auch schon in Qedenbnrg und Agram zur Wesenheit gebracht wurde. Die Juden haben diese ihre neue Stellung vollkommen begriffen, und ihre patriotischen Gesinnungen durch Hebung der Nationalität, durch das eifrige Erlernen der ungarischen Sprache, worüber auch die öffentlichen Blätter viel Lobes zu sprechen Hatten, thatsachlich beurkundet. Bei der Einberufung des jetzigen Landtags haben auch die Juden ihre Petition den Comitarcn unterbreitet und glaubten somit den Hebel am rechten Punct gesetzt zu haben. Konnten sie also noch zweifeln, daß der jetzige Landtag ihren Druck Heben und an ihrer bürgerlichen Gleichstellung arbeiten wird? Aber leider finden sie sich jetzt in ihren süßen Hoffnungen getäuscht. In den k. Propositionen wurde ihrer nicht gedacht, und bei den Ständen, ist bis jetzt noch immer mehr gegen als für die Sache gesprochen worden. Tie Ursache dieser für die Juden so traurigen Rückschritte der Siändegesinnungen (wer nicht vorschreitet, macht doch Rückschritte) kann wol nur in ihren unparlamenrarischen Verhandlungen gesucht werden, indem sie jede schon einmal da gewesene Frage statt fort, zusetzen wieder ab vvo beginnen. Da muß man wieder, so oft vom Juden die Rede ist, all den Wust von unlogischen und vorurtheilsvollen Schlüssen und Gesinnungen von ihren Gegnern gegen die Emancipation schon hundertmal angeführt und zugleich mehr denn hundertmal zur Genüge widerlegt, nochmals auskramen hören. Das Weh- und Zetergeschrei der Conservativen erhebt sich aufs neue und die Debatten müssen sich, als schon da gewesen, zum Ueberdrusse nur wiederholen, was so lange dauert, bis die Zeit zu Ende ist und man dahiu kommt, wo man früher schon gewesen. Hr. Ober - Habbi Steinhardt hat in seiner Petition an das Araber Comitat auch sein Bedauern über dies Verfahre» ausgesprochen. Ein anderer, den Juden noch gefährlicherer Umstand ist die spießbürgerliche Engherzigkeit der Ungar, deutschen Städte, die von Neid und Scheelsucht angetrieben alles aufs Spiel setzen, die ung. jüdische Freiheit zu untergraben. Während der Magyar den Juden liebt und ihn für jetzt der Emancipation noch unfähig hält, scheut es nicht ein Deputirter per Stadt Pesth zu sagen, daß die Emancipation der Juden dem Staate gefährlich sei, und bestrebt sich, mit Bruno.Bauerschen Floskeln wie sein Mitbruder, der Redakteur der Pefther Zeitung u. Compagnie, Judenhaß zu verbreiten, was ihm zwar bei den bessergesinnten edlen Magiaren nicht gelingen wird, jedoch uns befürchten macht, daß wenn die Städre mehr Stimmen am Landtage erhalten werden, dadurch auch rede Hoffnung zur künftigen Emancipation abgeschnmen wird. I-jtou meutrio! c. England. Lsndyn. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses ist die zweite Verlesung der Bill wegen Aufhebung der noch auf den jüdischen Unrenhanen des Reichs lastenden Beschränkungen genehmigt worden. Das Ereigniß der Sitzung war die Rede Sir. R. Peel's. Er erklärte, für die Bill stimmen zu wollen, verwahrte sich aber gegen den Verdacht, als ob er die Religion von den Stgarsverhältniffen gänzlich getrennt wissen wolle. Die Religion müsse vielmehr großen Einfluß darauf ausüben; aber gerade dre Religion lege ihm die Pflicht auf, die Juden nicht von der Gesetzgebung ausschließen zu wollen. Er habe keinen Beruf, die Juden Glaubensirrthumer halber zu strafen. Noch weniger deshalb, weit ihre Vorväter Christum gekreuziget; denn Gott sage: „Die Rache ist mein." Bürgerliche Beschränkungen wären in der That nichts Anderes, als Strafen. Lord Ashley habe sich auf Dr. Arnold berufen, der, obgleich ein duldsamer Mann, jenen Beschränkungen das Wort geredet; er wolle sich auf eine größere Autorität berufen, auf Lord Bacon, welcher behauptete, Jeder, der in England geboren, besitze durch seine Geburt alle bürgerlichen Rechte eines Eng-