Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 6 (8.2.1848)
- Date
- 1848-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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CLne Reise in das würtembergische Unterland. Von Mm. (Fortsetzung) Eßlingen, eine ehemalige freie Reichsstadt hat, wie so viele ihrer Sännester». in den verhängnißvollen Zähren 1348— 1349 ihr Pflaster mir Zudenblur getränkt, und dieauf solch' barbarische Weise, daß von den dortigen Juden wol an zweihundert, die den Mordmessern augenblicklich entgingen, in ihrer Synagoge und mir derselben sich selbst verbrannten. (M. s. Crusiu» S. 924 und Keller S. 92). Damals beschloß die Magistratur- Herrschaft, den Nachkommen Israels auf ewige Zeiten die Thore dieser Stadt zu verschließen. Aber nz? denn schon i. Z. 1375 erbat und erhielt Eßlingen vom Kaiser Karl IV. die Erlaubniß, Juden zu behalten und sie zu schützen vor aller Gewalt. Allein es scheint, als haben die Juden kein sonderliches Zutrauen in den Schuh einer Stadt gesetzt, die bald mit dem Kaiser, bald mir den Grafen von Würtemberg und bald mir dem schwäbischen Bund in verheerender Fehde sich befand. Sie zogen nicht dahin, warteten vielmehr einen günstiger» Zeitpunkt ab, und dieser Zeitpunkt traf zu Anfang dteftS Jahrhundertein. Es war nämlich i. I. 1806nachdem ermeldere Stadt der würtembergischen Krone einverleibt war, als die städtische Behörde einen durch seinen gediegenen Verstand, durch seine musterhafte Redlichkeit und durch sein Achtung gebietende-Benehmen von Allen, die ihn kannten, verehrten Juden, Namen- Jsaac Levy aus Wankheim bei Tübingen, aufforderte, sich in Eßlingen einzukaufen. Auf seine Vorstellung, daß er als Jude schon de- Cultnhalber nicht vereinzelt und von seinen Glaubensgenossen getrennt in einem Orte leben könne, und daß er nur alsdann nach Eßlingen überstedeln «olle, wenn diese Erlaubniß noch mehreren feiner Glaubensgenossen gegeben würde, erklärte die ermeldete Behörde, die damals schon erkannte, daß die Juden zur Hebung der Industrie und de- Handels eines senssphäre im Menschen ist, desto bescheidener und dernuthSvoller, in desto strengerer Tugendhaftigkeit und Religiosität er sich zeigt, und daß die Nachwelt auch nur - denjenigen Gelehrten achte, ihm vertraue und sein Andenken ehre, mit dessen klarem Geiste auch erne reine Seele, und mit dessen Kcnntuißfülle auch strenge Pflicht- und Glaubenstr.uc sich vereint. Ortes ganz besondergeeignet stnd, daß eS Herrn Levy fteigegeben fein solle, noch vier Familien mit einigem Vermögen und gutem Prädicare vorzuschlagen. Diegeschah. Ewurde also fünf jüd. Familien der Schuh zu Eßlingen ertheilt. Diese nahmen einen;n, einen vmc und einige Handlungsdiener mir sich, so daß für; 2v gesorgt war, erkauften ein Hauzur Synagoge, einen Platz zum Gottesacker, richteten ein Frauenbad ein, und so war hier eine neue, wenn auch kleine, entstanden. Jetzt wohnen dreißig jüd. Familien daselbst, die alle die Achtung der Bürgerschaft wohlverdient genießen. Der Gründer dieser Herr Vorsteher Jsaac Levy, der alle mit ihm dahingezogencn Familienväter überlebte, verstarb am jüngst verflossenen zvinv 'z rv r>'iri in einem Alter von 82 Jahren, nachdem er mir seiner noch lebenden Frau rvv'? 51 Jahrin der Ehe gelebt harre. Mir 1 l- Kmdern ans Einer Ehe — 7 Söhnen und 7 Töchtern — mir der zurückgelassenen Wittwe und mit 38 Enkeln beweinen diesen Ehrenmann alle besseren Jsraeliren de- Landes. Denn nicht, nur daß er durch seinen reinen Verstand sehr vielen Glaubensgenossen, die ans den entferntesten Theilen deS Landes kamen, seinen Rath sich zu erbirten, diesen ihnen bereitwillig errheilte» nicht nur daß er durch seinen Einfluß Vielen nützlich geworden, sondern auch die bessere Stellung der diesseitigen Juden bar man größrenrheilS ihm zu verdanken, weil er sein Ansehen, das er bei hohen Deamren und bei gebildeten Bürgern genoß, dazu verwendete, der unermüdliche Fürsprecher seiner Nation zu sein, und eS sich angelegen sein ließ, durch Wort und Wandel eine Mena« Vorurkheile gegen Juden zu zerstieben, was ihm auch vollkommen gelang. Der hiesige Lehrer, Herr Liebmannn, der zugleich Waisenvater in der Wilhelm-Pflege, isr. Waisenhaus, und Lehrer für hebräische Fächer und Religion der Zöglinge im Hauptschullhrerftminar, ist ein Mann von ausgebreireten Kenntnissen und in raimudischer und rabbinischer Literatur viel bewandert. Der Vorderer, Herr Levy (hier ist, wie das allenthalben zu wünschen wäre, und zwar zum Heile der Synagoge und Schule, der Borsängerdienst von dem de- DordcbererS getrennt) ist eine merkwürdige Persönlichkeit; denn abgesehen von seinen Kenrnniffen in allen Schulfächern , er ist eraminirter und befähigter Lehrer und Vorsänger, welche beide Fächer er aber auszuüden