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Der treue Zionswächter · 1848-02-01 · 5 (1.2.1848) · page 3

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
4 (1848)
Issue
5 (1.2.1848)
Date
1848-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3S Lieber,stein zehn jüd. Familien den Schutz verliehen und ihnen ein außerhalb des Dorfes gelegenes herrschaftliches Hauzu billigem Preis abgetreten, in welchem einzigen Gebäude die ganze arme Gemeinde wohnt«. Diese Gemeinde vermehrte sich der Art, daß schon i. I. 18^3, zu welcher Zeir der Ort dem Kurfürstenkhum Würrembcrg einvcrleibr wurde, 30 Familien daselbst stch befanden, und seitdem har sie unter Verwaltung sich zu einer der grüßten Gemeinde des Landes erbeben, und zähltungeachtet bereits mehr als 200 Personen aus ihrer Mitte nach den vereinigten Staaten in Nordamerika ausgewandert sind, an 100 Familien. Fleiß und Thätigkeir gepaart mir hohem Sinn für Industrie, mitunter auch bedeutende Summen Geldes, die von den in Amerika Angesiedelren an ihre in der Heimarh Zurückgebliebenen geschickt wurden, haben dem Orr eine seltene Wohlhabenheit verschafft, die sich ganz besonders in den langen Reihen prächtiger Häuser, die hier aufgeführk worden, zeigt. Es war Nachmittags 3 Uhr, als ich den Ort betrat. Uederraschk von seiner Schönheit und von der Lebendigkeit, die dorr herrschte, blieb ich eine Weile, wie eingewurzelt stehen. Ach» hätte ich doch die Meisterschaft eines Derrhold Auerbach im A»smalen äbnlicher Genrebilder, damit ich da- Bild, das sich mir so lebendig darstellre, gehörig und seiner selbst würdig beschreiben könnte. . Hier fahren leichte Gefährde in gestrecktem Trabe herein, um nicht allzunahe am Sabbarh erst nach Hause zu kommen, dorr ziehen die ermatteten Pferde den schwerbeladenen Frachtwagen einher, da eilen leich, ten Fußes einige Männer ihren Häusern zw, schön geschmückte Frauen werfen durch die geöffneten Fenster ihren Mämftrn den „Gottes Willkommen" entgegen, riefen ihnen aber halbschmollend auch zu: „Ach. warum heure denn so gar spät? man Meint ja, man müßte aus Sorget, vergehen!^ Hier standen einige wunderschöne und nett gekleidete Knaben in ihrem Sabbarhhabik und mir den mLvo schon unterm Arm vor d.n Thüren. die Ankunft ihrer Barer erwartend, und schrien lanr auf vor Freude, als diese daher gefahren kämen; vor den Häusern sähe man Jungfrauen die da scheuerten und fegten, und man hörre die Stimme mancher Mutter die brr Tochter zurief: „Liebes Kind, laß Alles sie hrn uat> liegen? Du weißt, ich kann es nicht ttrden, daß man dem Sabbarh in die Augen greift!" (d. i. zu nahe an denselben hinarbeiret)dorr bewegten sich einige Männer schon sabbarhlich gekleidet, ganz gravitätisch durch die Straßen, und man konnte ihnen die Behaglichkeit und ein, freudige Sehnsucht nach dem Sabbarh von den Gesichtern h-runrerlesen; hier sprang ein Schneider eilenden Schritte» dahin, g n; rn den Fabrikhäusern surrten und rollreu noch die Räder und Spindeln der Maschinen — und unr»r diesem Gemisch von Tönen und Hanrhierunqen aller Art lief «in Knabe von etwa 13 Jahren von Haus zu Hans, zog die Klingel an denselben, und setzte dieses Geschäft durch die lange Häuserreihe forr. (Es war bas Zeichen, daß es nur noch Eine Stunde bis zum Beginn des sabbathlichen Gottesdienstes sei). Anderthalb Stunden später zog eine Reihvon schöngeklerdeten Männern, Jünglingen und Knaben durch die Straße. rechts »nd links begab sich bald Dieser, bald Jener in ein Haus. Ueberall herrschte Stille. „Guren Sabbarh!" oder: „Ich wünsche guten Appetit? waren die einz-gen Worre. d«e man bald da bald dorr hörte. D«e Leute kamen aus der Synagoae. Ein Lickrmeer floß durch die zahllosen Fenster der langen Straßen; der Sabbarh hatte ,eine Ruhe- und Fnedenshürre über den Orr ausgebreirer. in welchem noch vor Kurzem solch' geräuschvolles Leben fick knnbgab. Tief ergriffen betete ich ans voller Brust: sw ->ck> -pw! Am Sabbarh hörte ich Herrn Rabbiner Herz, nickt Herbst wie es in einer früheren Nummer d^ Bl. geheißen, über Gen. 32, 24 —20 predigen. D,s sonore Organ des Predigers, die edle Sprache, die schöne Emkheilung und die gesunde Logik der Predlgr machte einen sehr angenehmen, und es stehr zn hoff.n, daß auch einen bleibenden Eindruck auf das Auditorium. Herr Herz, ein junger Mann, studirr fleißig die rabbin,scheu Schriften. Eine zirp s'2V3 die >n meiner Gegenwart seiner Entscheidung vovgetegr wurde, har er mir meisterlichem Scharfsinne gelöst, was mir den Beweis gab daß er mir der nicht immer leichten Kunst k>obvö r,p7p zu sein, und da< ganz nach d>r Logik der Easuisten, rechr vertraut ist, Zu wünschen, wäre es, daß Herr Herz durch eine Predigt ',>2^ prw die er vor einigen Wochen gehalten, sich nicht das Herz emrS großen Theils seiner Gemeind« emftemder hätte.

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