Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 4 (1848)
- Issue
- 4 (25.1.1848)
- Date
- 1848-01-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 viele Israeliten daselbst, die des Handels wegen dahin kamen; indeß fügtet sich nicht seilen, daß, wenn einer der allwöchentlich dahin kommenden Juden Zahrzeir här, daselbst j'ov gemacht wird. Die sehr toleranten Bürger Gmünds sind über den Besuch von Seiten der Juden hocherfreut; denn diese sind, die um mir Dr. Kreisig — der die Sache des deutschen HandelstandcS beim Wiener Congreß führte — zu reden, die unbesoldeten Handluttgsdiener der hier wohnenden 800 Gold- und Sllberarbeirer, und die dem Fabrikate dieser Stadt Abzugskanale verschaffen, von denen eine engherzige, reichsstatiscke Handelspolirrk keine Vorstellung hatte. Kaum har man Gmünd in Rücken, io bekommt alles ein echt würrembcrgisches Aussehen: Ba»u>rr der Dörfer, Kultur der Felder, Volkstracht Volksdialekr. ,a sogar die Physiognomie der Landleure zeigt, daß man sich auf dem eigentlichen klassischen würrembergischen Boden befindet. Ls war an einem Freitag des Morgens zehn Uhr, als ich Gmünd verlassen, und meinen Weg nach Jebenhausen. wo ich den Sabbath feiern wollte, über Hohen Staufen nahm. Nach einem mühevollen Ersteigen einer Alphöhe von mehr denn 3000 Fuß, kommt man in das Dorf Staufen, an dessen Ende sich wieder eine Dergspihe hoch empor hebt, auf welche noch zu Anfang des 16ren Jahrhunderts die stolze Burg Hohen Staufen, Stammschloß deS edlen deutschen Kaiserhauses, gestanden. Wehmürhig stand ich an der nunmehr öden Stelle einziger deutschen Größe und deutscher Kraft. Gestehe ich eS nur, und fürchte nicht den Hohn Seitens kraft, und. gesinnungsloser Kosmopoliten, eS traten mir Thronen, heiße Thränen in die Augen. Die Gciftcr der schwäbischen Kaiser, von Conrad bis zu seinem letzten Sprossen, deS unglücklichen Conradin, traten in Nebclgestalten vor mich; ich wähnte den Todesschrei Friedrich Darbarossa's zu hören, meinte daS Blut Louradins stießen zu sehen. Ich war sehr verstimmt, als ich diese Stelle, wo keine Spur ehemaliger Größe, nicht mehr ein Stein der erhabenen Kaiserburg zu sehen ist, verließ. Was meine Mißmuth noch vermehrte, war der betrübende Umstand, daß Tausende und aber Tausende diese Stelle vorüberziehen, ohne daran zu denken, oder auch nur zu wissen, daß hier Deutschlands kräftigstes Kaiserhaus gelebt und gewirkt. Der Zdecngang führte mich von der Burg Staufen nach der Burg Zion. Friedrich Darbaroffe leitete diesen Zdiengang. Er zog von den Ufern deS Neckars an die User des Jordans. Meine Gedanken folgten seinem Zuge Zehr entstand in mir die Frage: Gehen die Menschen dem Berge Zion auch so gleichgültig vorüber, als sie dem Berge Hohen Staufen vorüberziehen? Bedarf es bei den Trümmern der Burg Davids auch erst des Wartens auf einen empfindelnden Touristen, bis ihnen eine Thränr der Wchmmh fließt? Haben die zwei Jahrtausende, die über den Ruinen Jerusalems dahinflossen, sie so vergessen gemacht, als die drei Jahrhunderte, die seit der Zerstörung der Burg Staufen entschwunden sind, diese vergessen machen konnten? Lebt da« Andenken deS Hauses Davids, bas doch an Größe und politischer Bedeutsamkeit dem Hause der Hohen Staufen nicht entfernt gleich kam, auch nur noch in Büchern, die doch blos dqs Erbe weniger Gebildeten des Volkes sind? Lebt nicht vielmehr Zion, Jerusalem und der David'sche Stamm noch im Andenken und im Herzen von Millionen Menschen? richten nicht die Bewohner von vier Erdentheile ihre Blicke nach dem Orte, von dem es heißt: t>7M siro '2 v'^>5N'p '? ->37,? Wird nicht selbst da, wohin nur d ie ersten Spuren von Civilisation getragen worden (z. B. nach Australien) nicht zugleich auch der Name Jerusalems hiugebracht? ist Jerusalem nicht ein Losungswort für alle gebildeten Völker der Erde? — Za, es ist es!! Und solche Volkesstimme ist gewiß Gottes Stimme! Darum mögen immer ein Paar Dutzende neologischer Prediger das Andenken an Zerusalem verr wischen und die Hoffnung auf seine Restauration zu zerstören trachten; eS wird ihnen nicht gelingen .' denn 737. (Fortsetzung folgt.). Zeitungsnachrichten. Aus dem Nies. Schreiben eines einfältigen Schulmeisters a« die Redaktion des „treuen Zions- Wächters " Glauben Sie mir es, w. H. N., ich bin wahrhaftig eine recht ehrliche. Haut, ein guter Mensch! und alle Leute, die mit mir in. nähere Berührung kamen, sagen auch, daß ich ein guter Mensch fer! Allerdings giebt es auch manchmal andere Ltttte, die da meinen, daß das: „ein guter Mensch," eia nur sehr zweideutiges Lob wäre, und daß wenigstens auf meine Person angewendet, nichts Anderes