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Der treue Zionswächter · 1847-12-21 · 51 (21.12.1847) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
51 (21.12.1847)
Date
1847-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<-4H 41« HG» auflösbarem Siegel verschlossen, für den Geist mit undurchdringlichem Sckleier umhüllet, unerforschlicheS Geheimniß auch dem eifrigsten, kühnsten Denker, dennoch dem Menschen hingegcben mit der unwidersprechbaren Weisung ohne alles Besinnen, ohne Nachdenken dem- Wotte, dem Buchstaben unbedingten Gehorsam zu leisten, mit der strengen Forderung, wie auch das Her; sich sträuben, der Verstand sich störrisch bäumen mag, jeder Verordnung, jeder Bestimmung pünkllchst nachzukommen. Meine Lieben! Wenn man diese Borwürfe anhört, in etwas blendender Rede dargcstellt, so kann man wol einige Augenblicke irre gemacht werden in seinein Glauben. Freiheit, Selbstgefühl, Kraft, menschlicher Wille, Gebrauch unsers Verstandes. Diese Worte machen eine wundersame, zauberische Wirkung auf unser Gcmüch. Da klopft gleich unser Herz so rasch, das Blut glüht ims heiß in den Adern, und vor der erhitzten Einbildung steht der Mensch da als ein Wesen, weit erhaben über der Erde, im verklärten Lichte einer mächligen Gottheit. Prüfen wir aber mit kalter . Urberlegung, was diese süßen Laute bedeuten sollen, lassen wir uns von dem cinschmeichelud.n Klange nicht bestechen und berhören, dann kommen wir leicht hinter die Täuschung, und wissen zu unterscheiden, wie viel Wahres daran ist. Zwischen Mensch und Gesetz, den beiden einzig und allein im Ebenbilds Gottes geschaffenen Wesen, dem Anfang und Ende aller Dinge, kann, darf kern Widerspruch möglich sein. Wohin sich unser Blick wenden mag, nach der Höhe oder Tiefe, aufwärts und abwärts, nirgends Widerspruch in dein Weltgebäude. Wir sehen. Alles har feinen Zweck, jedem Ding ist sein bestimmter Beruf angewiesen, jedem Geschöpfe sein gewisses Maaß von Kraft gegeben und dieser Kraft gemäß die Arbeit aufcrlrgt, Keinem ist mehr aufgebürdet, als er tragen kann. Und dem Menschen sollte seine Bestimmung. Erfüllung des Gesetzes zur Last und Bürde sein? „Die Wege der Thora sind Wege der Freude, auf allen ihren Bahnen ist Friede." (Mischte 3, 17). Ja, allerdings, es ist gewiß wahr, der Mensch ist ein freies, rr ist daS freieste aller Wesen. Wodurch wird er es aber? Durch das Gesetz, durch den Gehorsam zu GoneS Wort. Er ist im Besitze aller der genannten glanzenden Eigenschaften, und er darf, er soll sie gebrauchen» Aber er lernt erst recht sich ihrer bedienen durch Befolgung der Thora. „Keiner darf sich frei nennen, als wer sich beschäftigt mit der Thora!" (Ahot 6). Nicht gefesselt und geknechtet wird durch sie der Verstand, nicht verfinstert und verdüstert wird durch sie HaS Licht des Geistes. Durch ihre Macht wird erst gebrochen die Fessel irdischer Befangenheit, durch ihre Kraft hinweggezogen die fleischliche Hülle, in welcher die Seele eingckcrkert ist. Nur bei den heiligen Klängen der Thora springt der Deckel von dcm mit Erde überdeckten Sarge, auf daß der Geist auferstehe, sich emporschwinge zum Gipfel des ewigen Lichtes.' Zn der ganzen Schöpfung sehen wir die vollkommenste Eintracht, Zusammenstimmung. Ebenmaaß und wohlberechueteö Berhäluiiß verbindet alle ihre Theile zu einem wohlgegliederten schönen Ganzen, zu einem abgerundete», vollendeten Werke. Von der Gcstalt des menfchlickMi Körpers an, Lurch die ganze Thierwelr hindurch, in dem großen, bunten Reiche der Pflanzenwelt, von dem niedrigen, auf der Erde hinkricchenden Moose bis zu der durchs dunkle Laub schimmernden, goldenen Frucht, dann wieder unrcn in den riefen dunkeln Schachten der Erbe, wo das schimmelnd« Metall in wohlgeordneten Reihen aasgeschichter liegt, allenthalben Einvrrständniß, gesetzlicher Zttsammenhaur, Ordnung, stiller Gehorsam. Od r richte deinen Blick anfwärts, sieh' hinauf zum klaren, blauen Himmel, degruß des hinabsinkenden Lichtes von den vergoldeten Wipfeln liefest, schau hinauf am Llgre« Mittag, wenn hell über deinem Scheitel die Sonnenfackel glüht, oder in rärhselhaster Mitternacht, wenn du den gcheimmßvollen Brief der Strrnenwelt zu deuten versuchst, immer und immer, zu allen Zeiten, allen Stunden: rastlose Thcftigkeit, stillschweigender Gehorsam. „Ein Tag flüstert die Kunde dem andern zu, eine Nacht machts der andern zu lvisien. Kein Wort, keine Red« wird gehört, kein Laut wird vernommen " (Ps. 19). Da ziehen die zahllosen Lichtkörprr alle ihre Bahn, freudig vollziehend den Willen ihres Schöpfers, Herrn und Meist*rs. Keiner verläßt eigenwillig -die vorgezeichnere Linie, Keiner tritt eigensinnig dem Andern in den Weg, Alle zusammemvirkend frei durch Gehorsam und gehorsam durch Freiheit. Und du Mensch, wenn du wirklich denkst, sinnst, wenn du fühlst, vernimmst du nicht ihren einstimmigen Lobgesang des Einzigen?

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