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Der treue Zionswächter · 1847-11-16 · 46 (16.11.1847) · page 2

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
3 (1847)
Issue
46 (16.11.1847)
Date
1847-11-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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pheten eine- Cnlm-, den flr nickt begriffen haben, begrciftnwvllcii, der ihnen zu jedem ander» weltlichen Zwecke mehr bienen soll, als Mdem menschbeglückenden, für den allcin sie ihn doch so gerne anSgeben woUenä r Humanitär^ Toleranz und innig mir Euch verbanden ätüd versckwisterr/ Euer eigenes Selbst gleichsam—'- GnviffenSfreiheir? Gewissensfreiheit! Eine Idee, so großartig und erhaben wie es deren wahrlich nicht allzuviele giebr; aber eben deshalb dem allgemeinen Schicksale anheimgefallen, mißverstanden, mißbraucht, leeres Wort ohne Gehalt, Devise nur m dem Sinne, um unter ihrem Schutze desto sicherer und ungestörter gegen sie selbst sündigen zu dürfen. ES gab eine Zeit, in der Gewissensfreiheit der Intoleranz, der Zelorie, dem Fanatismus entgegengesetzt, dazu bien«» sollte, jene zu bekämpfen, in ihrer Gebürt'sie zu ersticken; wie aber wenn heurigen Tages die Gewiffensfrei: heir selbst zum Fanatismus geworden, wenn sie mit zelorischem Eifer, uud unbekümmert um d«e angewandten Mitte! ihr Ziel zu erreichen strebt, wenn sie sich allein für berechtigt auSgiebt, neben sich keine andere Meinung aufkvmmcn lassen will, gegen die bestehenden mehr als intolerant sich zeigt. DaS Wesen der Gewissensfreiheit beruhet zunächst in einer gleichen Berechtigung Aller; wie aber dann, wenn man mir einem wahrhaft modernen IacobinismuS zu Werke gehr, um die Blinden um jeden Preis heüsehend zu machen, wenn man einen erdachten, alleinseligmachenden EutruS proclamirr, zu dem jeder schwören soll, falls er sich nicht dem Dannstrahle, der Geringschätzung, dem Sporte und Hohne jener modernen Priester des Gewissensfreiheit aussetzen will; wie dann noch, fragen wir nochmals , handelt eS sich hier um eine Idee oder um «ine leere Popanz, und auf welcher Seite wird hier die grausamste Inquisition, der unerhörteste Gewissens» zwang ausgeübr? Wenden wir uns von dieser allge» meinen Betrachtung zu einer speciellen Seite derselben, zu den religiösen Bewegungen des Tages, verlassen wir daS Gebier der Theorie und begeben uns zu der Praxis deS jüdischen Lebens, dann sehen wir jene vorher geschilderten allgemeinen Merkmale und Erscheinungen hier insbesondere bestätigt und ausgeprägt. Seitdem sich im Gebiete des religiösen Judenkhums jenes System deS NegirenS und der Auflösung kundgegeben, seitdem man von einem Schritte zum andern über- und weitergehend, unverholen die Absicht an den Tag legte, die bestehende jüdische Religion als solche gänzlich zu anti. quiren und statt derselben ein Schattenreich demodernen NichrS zu setzen, feit jenerZeik ward das Wort „Gewissensfreiheit^ als «in mächtiger Hebel angewandt hier nur in dem begonnenen ZersiörungSwerke desto ungenikter und rücksichtsloser verfahren zu können, dorr Nun dieröffentliche Meinung zu täuschen, sie im Zrrrhume zu erhalten, diejenigen endlich, die sich solcher Zerstörung der gemeinschaftlichen Religion widersetzen würden, zurückzufcheuchen, sie mit dem Brandmale der Zeitgenossen zu belegen. Es war damit soweit ge» diehen, daß orthodoxes Zudenrhum gleichbedeutend mir Inquisition uud Fanatismus; Reform gleichbedeutend mit Gewissensfreiheit und Toleranz anSgegeden wurden. Beides indeß fälschlich, wie wir alsbald zeigen werden. Zwar wollen wir nicht verhehlen, daß nach jüdischem ReligionSgrundsatze der Eine Bürge für den Andern, Alle zu E»ner Gemeinschaft gehören, in der daS Thnn deS Einzelnen der Gesammrheit nicht gleichgültig bleiben könne und dürfe, diese vielmehr die Pflicht habe, dahin zu wirken, daß das Thun deS Individuums mir der Masse übereinstimmend, conform sei. Zwar wollen wir ferner nicht in Abrede stellen, daß diesem ReligionSgrundsatze gemäß die Pflicht der Ermahnung, der Zurechtweisung des Urberrretenden eine sehr umfangreiche und ausgedehnte sei, die sich sogar bis zum eigenen Schadenleiden erstreckt; zwar wollen wir eS endlich frei aussprechen, daß es ein Gesetz der jüdischen Religionslehre giebr, freilich die Basis des zwischen Gott und der jüdischen Nation abgeschlossenen Bündnisses, die Deschneidung nämlich, bei welchem es sogar der jüdischen Religionedehörde zur Pfiichr gemacht ist, im Ueberrrerungsfalle und gegen den Willen den Betreffenden zur Vollziehung zu erzwingen; alftia alles dieses beweist nur ein Moment der jüdischen Religionslehre, wie nämlich in derselben Glaubens- und Nationaleinheit Grnndcharakrer, wie Austritt aus dem durch Geburt angehövenden Glaubens- und Narional- Berbande nicht denkbar, wie zwar in dem Kreise desselben, durch muthwilliges Leugnen und Ueberrreten, Absonderung, Scheidung, Trennung geboren, aber nt« ein Heraueireten aus dem Kreise denkbar sei. Zn dieser von Gort gebotenen, zur Erhaltung deS Ganzen nvthwendigen Pflichterfüllung aber Inquisition. Fanatismus erblicken, wäre eben so falsch, als Reform mit Gewissensfreiheit und Toleranz zu idemificiren. Eine jahrelange Kränkung, bitter« Erfahrung sprich, solcher Gleichstellung Lüge, die Geschichte der jüngeren

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